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 Betreff des Beitrags: Unsauberes Zuchtmaterial von Kontis befreien
BeitragVerfasst: Freitag, 13. Mai 2016 16:09 
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In diesem Thread will ich Möglichkeiten sammeln, wie man kontaminiertes Zuchtmaterial wieder sauber bekommen kann.

Ich hatte schon manchmal das Problem, das ich eine kontaminierte Kultur hatte, die ich weitervermehren wollte. Ich hatte schon manchmal Erfolg, mit mehr Glück als Verstand.
So hatte ich z. B. eine uralte Reishi-Kultur in einer 520ml-Dose, die eigentlich noch gut aussah.
Davon überimpfte Neukulturen hatten jedoch alle Schimmel.
Ich habe daraufhin den durchwachsenen Substratblock ausgekippt, ihn mehrfach auseinandergebrochen und von verschiedenen Stellen Myzel entnommen und neue Kulturen angesetzt. Ein paar einzelne der neuen Kulturen waren tatsächlich sauber, und so habe ich einen guten Reishi-Stamm retten können. :)

Ich suche nun nach Möglichkeiten, gezielter Kontis zu unterdrücken, um Reinkulturen zu gewinnen.
le zym hat es geschafft, einen mit Bakterien kontaminierten Wildfund von Ganoderma carnosum von Bakterien zu befreien, indem er einen neuen Selektivagar erfand: Eichensud-agar hilft gegen Bakterien.

Ständerpilz/Oliver sprach in einem anderen Thread davon, daß blaues Licht Schimmel unterdrücken kann.
Ich zitiere mal einen kleinen Teil der Diskussion:
Zitat:
ich bin gerade über einen Artikel zum Thema "Schimmelbekämpfung mit Licht" gestolpert. Verschiedene Pilzarten können durch artspezifische Lichtfrequenzen im Wachstum gehemmt werden, und Penicillinum-Schimmel (dazu gehört der häufige Grünschimmel) sind wohl tatsächlich sehr empfindlich gegen blaues Licht. (Vielleicht sollte man seine Kulturen mit rein blauem Licht beleuchten).
Hier noch etwas ausführlicher: Artikel über Mycotoxine

Zitiert von Light regulation of mycotoxin biosynthesis: new perspectives for food safety
Zitat:
Light of specific wavelength and intensity exerts different effects both on growth and on toxin production depending on the fungal genus. In Penicillium spp. red (627 nm) and blue wavelengths (455-470 nm) reduce ochratoxin A (OTA) biosynthesis by modulating the level of expression of the ochratoxin polyketide synthase. Furthermore a mutual regulation between citrinin and OTA production is reported in Penicillium toxigenic species. In Aspergillus spp. the effect of light treatment is strongly dependent on the species and culture conditions. Royal blue wavelength (455 nm) of high intensity (1,700 Lux) is capable of completely inhibit fungal growth and OTA production in Aspergillus stenyii and Penicillum verrucosum.

Ich überlege, entweder Petris unter blaue LEDs zu stellen, oder, noch einfacher, sie in eine blaue Dose und ins Sonnenlicht zu stellen.

Dann bin ich vorhin auf Nährboden gestoßen, die Schimmel Penicillinum spp. (=u.a. Grünschimmel) und Aspergillus niger unterdrücken: Selektivagar für pathogene Pilze

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 Betreff des Beitrags: Re: Unsauberes Zuchtmaterial von Kontis befreien
BeitragVerfasst: Freitag, 13. Mai 2016 17:25 
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Danke für den Thread, werde ihn nach dem Essen lesen, dann gibt's vielleicht auch einen inhaltlichen Kommentar von mir :D

Liebe Grüße der Pinguin

/edit

Hallo nochmal, klingt super die Idee mit dem blauen Licht. :D
Gilt das dann auch für bereits befallene Kulturen? Weil da sollte man ja schnell handeln, bevor alles weggammelt. Also klingt für mich nach einer vorbeugenden Maßnahme.

LG

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 Betreff des Beitrags: Re: Unsauberes Zuchtmaterial von Kontis befreien
BeitragVerfasst: Samstag, 14. Mai 2016 11:33 
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Halllo Pinguin,

Mit dem blauen Licht ist erstmal alles Theorie. Versuch macht klug!
Zitat:
Royal blue wavelength (455 nm) of high intensity (1,700 Lux)

Eine Lichtstärke von 1700 Lux ist ein greller Scheinwerfer. Eine starke Lampe mit Wellenlänge 455nm läßt sich vielleicht finden. Ob das praktikabel ist, und ob sich der Stromverbrauch rechtfertigen läßt, ob das auch in größeren Dimensionen als direkt beleuchteten (und schattenfreien!) Petrischalen sinnvoll ist, und wie die verschiedenen Kulturpilze darauf reagieren, ist alles ungeklärt.
Um in einzelnen Petrischalen Schimmelwachstum zu unterdrücken, mag das eine gute Methode sein.

Für Beutelkulturen kann ich mir eine unterstützende Wirkung vorstellen, die Schimmel wahrscheinlich nicht zuverlässig verhindert, aber zumindest etwas zurückdrängt bzw. im Wachstum hemmt.
Es gibt LEDs mit dem gesamten Lichtspektrum, aber einem Peak im blauen Bereich. Möglicherweise sind sie gute Kandidaten, um sowohl das gesamte Lichtspektrum abzudecken, das Pilze brauchen könnten, als auch, um Schimmel zumindest zu hemmen.

LEDs, die nur blaues Licht, aber nicht gleich grelle 1700 Lux erzeugen, sind vermutlich/wahrscheinlich nützlich.
Doch mehr, als in diesem Thread steht, weiß ich nicht. Auf der zitierten Webseite lassen sich weitere Artikel des Autors finden, die sich um Licht und Schimmelpilze drehen, da lassen sich sicherlich noch weitere gute Infos finden.

Unterm Strich: Ausprobieren! Dann wissen wir mehr.

Viele Grüße, Martin

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 Betreff des Beitrags: Re: Unsauberes Zuchtmaterial von Kontis befreien
BeitragVerfasst: Samstag, 14. Mai 2016 15:42 
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Bei Pilzen verwendet man meist Komplexmedien, also mit nicht genau chemisch definierten Substanzen. Wüsste man genau, was ein bestimmter Pilz braucht, könnte man ein Minimalmedium zubereiten, dass nur diese Stoffe enthält und keinerlei komplexe Stoffe, wie Malzextrakt, der ja wiederum aus vielen verschiedenen chemischen Stoffen besteht. Ein solches Minimalmedium würde es anderen Organismen generell schwer machen. Das Problem ist nur, dass man selten genauestens weiß, was der Pilz braucht.

Leicht zu verändern sind hingegen Parameter wie z. B. der pH-Wert. Oder auch die Osmolarität, indem man z. B. den Zuckeranteil massiv erhöht. Wie man von der Marmelade weiß, wachsen Schimmelpilze recht gut darauf, Bakterien aber so gut wie nie. Es gibt ja auch Leute, die mit Honigmedium Pilze züchten.

Antibiotika sind auch denkbar, also z. B. Ampicillin oder Rifampicin etc., das unterdrückt recht zuverlässig Bakterienbefall. Aber Bakterien sind ja eigentlich eher selten das Problem. Schimmel dürfte das größe Problem sein.

Von dem blauen Licht würde ich keine Wunder erwarten. Eine bereits von Schimmel befallene Kultur wird man nicht nur kurz mit blauem Licht bestrahlen müssen, um sie von Kontamination zu befreien. Man kann froh sein, wenn deutlich weniger Gläser kontaminieren.

Wenn man eine befallene Kultur hat, sollte man zusehen, dass man den Schimmel entfernt, bevor er sporulieren kann. Denn dann sinken die Erfolgschancen vermutlich beträchtlich. Am besten nimmt man von einer möglichst sauberen Stelle ein kleines Stück, am besten eine einzelne Hyphe, und beimpft damit eine Petrischale. Wenn man noch Mycel von der Art hat, dann wirft man kontaminierte Kulturen am besten konsequent weg. Würde ich jedenfalls machen.

Um Kontamination von vornherein zu vermeiden, sollte man halt möglichst sauber und steril arbeiten. Dann sollten sich die Kontaminationen in Grenzen halten, wenn die Kulturbedingungen stimmen. Das Problem bei sterilisierten Medien ist ja gerade, dass da (noch) nichts drauf wächst und sich daher alles ausbreiten kann. Man könnte auch darüber nachdenken, ob eine Besiedelung des Substrats mit (unschädlichen) Bakterien nicht nützlich ist, um eben Fremdkontaminationen zu unterdrücken. Es gibt da z. B. diese "effizienten Mikroorganismen" (EM), eine Bakteriensuppe mit überwiegend Milchsäurebakterien. Die werden für alles mögliche angepriesen, aber ich halte das überwiegend für Quatsch und die Berichte für maßlos übertrieben. Jedoch sind die EM zumindest gesundheitlich unbedenklich und könnten möglicherweise verhindern, dass sich Schimmel ausbreitet. Es könnte aber auch sein, dass die das Substrat in einer Weise verändern, die wiederum den Pilzen nicht schmeckt, z. B. eben durch Säureproduktion (Milchsäurebakterien).


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 Betreff des Beitrags: Re: Unsauberes Zuchtmaterial von Kontis befreien
BeitragVerfasst: Sonntag, 29. Mai 2016 20:00 
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Ich habe eine Versuchsreihe mit verschiedenen Substratmischungen gemacht.
Die Basis war eine Mischung aus Buchenspänen, Buchenhäcksel, Gerste und Gips.
Dazu habe ich unterschiedliche Zusätze ausprobiert.
Einer davon war Zuckerrübensirup ("Grafschafter Goldsaft"). Ich dachte mir, der Sirup enthält Zucker und außerdem viele wertvolle Mineralien etc. pp. und dürfte den Pilzen gut schmecken. Weit gefehlt! Die meisten Kulturen wuchsen sehr schlecht bis garnicht.
ABER: Ich impfte mehrere dieser Zuckerrübensubstrate mit einem stark kontaminierten Impfgranulat eines insektenfressenden Pilzes (Metarhizium anisopliae). Auf anderen Substraten gewannen die Kontis, hauptsächlich Grünschimmel, rasch die Überhand. Auf dem Zuckerrübensirupsubstrat aber wuchs kein Schimmel :!: . Stattdessen wuchs eine kleine Menge des gewünschten Myzels. Von diesem Myzel konnte ich eine Reinkultur gewinnen! (Muß noch prüfen, ob sie 100% sauber ist, aber sieht gut aus).

Zuckerrübensirup könnte also ein gutes Selektivmedium sein, um Schimmel loszuwerden.
Warum er diese Eigenschaft hat, ist mir ein Rätsel.

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