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Konservieren von Körnerbrut
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Autor:  BlackRabbit [ Montag, 15. Februar 2010 22:07 ]
Betreff des Beitrags:  Konservieren von Körnerbrut

Hallo Kulturpilzler

hatte heute einen Geistesblitz. Aber kennt ihr das auch, ihr habt hundert Ideen für Experimente welche aber wohl ein ganzes Jahr ausfüllen würden?

Vor rund zwei Wochen hab ich Kräuterseitlingsbrut (Roggen) zum beimpfen verwendet. Dabei ist ein vielleicht 10g schweres Stück Brut im Glas zurückgeblieben (war etwas in Eile). Dieses hab ich noch etwas zerstossen, aber nicht mehr ausgeschüttet sondern offen im Abwaschsammelbecken austrocknen lassen.

Heute war das ganze optisch absolut trocken, das weisse Mycelgeflecht sah aber noch voll vital aus. Leider hab ichs nun weggeworfen anstelle noch länger aufzubewahren und dann eine Reaktivierung zu versuchen.

Hat das schon mal jemand versucht? So quasi eine Instant Körnerbrut? Also gerade bei den wuchsfreudigen Arten wie den Seitlingen könnte ich mir die Trocknung als mögliche Kosnervierung von Brut vorstellen.

Gruss Rino

Autor:  Mycelio [ Montag, 15. Februar 2010 22:45 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Konservieren von Körnerbrut

Hallo Rino,

klar, das funktioniert prima. In der Natur trocknet so ein Mycel im Sommer ja auch schon mal ein. Hatte selbst schon Körnerbrut vom Kräuterseitling getrocknet, ein Jahr lang bei Zimmertemperatur gelagert, gewässert, wachsen und fruchten lassen. Früher war das so üblich, geriet dann aber vor ein paar Jahrzehnten in Vergessenheit. Heute glaubt einem niemand, wenn man davon berichtet. Aber warum einfach, wenn's auch kompliziert geht...

Grüße, Carsten

Autor:  BlackRabbit [ Dienstag, 16. Februar 2010 10:24 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Konservieren von Körnerbrut

Hey Mycelio
Ein sonnig aber kaltes Hallo an die anderen Pilze

also das finde ich doch äusserst interessant. Werde das nächste mal wenn ich Körnerbrut übrig habe, mal ein Glas langsam aber gründlich trocknen (z.B. in einer Box mit Calciumchlorid). Ich denke es ist wichtig, dass man langsam trocknet. Sicher keine Hitze. Zu schnelles Entziehen des Wassers kann sicher auch Zellschäden verursachen. Und natürlich sollte es irgendwie so steril wie möglich bleiben, deswegen Box und Calciumchlorid (oder Diphosphorpentoxid oder Molekularsieb oder ......)

Reaktivieren könnte man doch das Ganze durch einweichen in einer Malzextraktlösung für 24 Stunden und abschütten.

Weisst Du, welche Mycelien dies überleben? Habe so das Gefühl, dass eine solche Tortur nur die Seitlinge mitmachen.

Wäre doch auch prima zum verschicken, lagern und vieles mehr.

Gruss Rino
(werde berichten, sollte was dabei rauskommen. doch zuerst muss ich noch Substrattests abschliessen)

Autor:  Mycelio [ Dienstag, 16. Februar 2010 19:25 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Konservieren von Körnerbrut

Hallo Rino,

hatte mir auch überlegt, daß das Mycel besser nur langsam und ohne Hitze trocknen sollte. Ich treibe da nur minimalen Aufwand, gebe einen Löffel durchwachsene, zerbröselte Brut (oder Substrat, Dübel, etc.) in ein breites Glas, drehe den Deckel nicht ganz zu und lasse das ganze an einem ruhigen Ort ohne große Luftbewegung einige Wochen trocknen. Wenn es dann beim Schütteln trocken klappert, wird es in ein kleineres Glas umgefüllt und der Deckel fest zugedreht.

Zur Reaktivierung hatte ich wenige Körner für einen Tag in Wasser gegeben. Zusätzliche Nährstoffe sind bei diesem Schritt wirklich überflüssig und würden meiner Meinung nach nur Kontis einen Vorteil verschaffen. Einen Tag nach dem Wässern waren die Körner schon mit dichtem weißen Mycel überzogen.

Wenn man wirklich das allerletzte Kontaminationsrisiko ausschließen will, kann man vielleicht die Gläser mit Tyvek abdecken (was ja Wasserdampfdurchlässig ist) und evtl. noch Alufolie locker drüberlegen, damit es nicht zu schnell trocknet. Aber da wird es viele Möglichkeiten geben.

Schade, daß diese Methode von allen ignoriert wird. Ich kenne nichts einfacheres. Schon luftgetrocknet stellt das Mycel seine Stoffwechseltätigkeit komplett ein und kann nicht mehr altern, ersticken, erfrieren, degenerieren, von Kontis übernommen werden, es bildet sich kein Kondenswasser, kein Gerät kann ausfallen, es muß nicht überimpft werden usw.

Zur Frage, welche Arten so eine Tortur überleben, bin ich gegensätzlicher Ansicht. Holzpilze müssen alle in der Lage sein, trockene Sommer zu überstehen. Man denke nur mal an Shiitakeblöcke, die zwischen dem Erntewellen trocknen. Die kann man auch jahrelang trocken lagern. Wenn man sie dann wässert, brechen nach kurzer Zeit die Primordien durch die Kruste, als wäre nichts gewesen. Bei Champignons war das Trocknen früher üblich, also gehe ich mal davon aus, daß alle Stroh- und Kompostpilze das vertragen. Kann natürlich sein, daß es Ausnahmen gibt, die sich nicht trocknen lassen, vielleicht finden wir ja welche. Würde mich freuen, wenn du es auch mal versuchst und von deinen Experimenten berichtest! Nur dumm, daß es immer so lange dauert...

Grüße, Carsten

Autor:  Mycologo [ Donnerstag, 20. Februar 2014 20:29 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Konservieren von Körnerbrut

Hallo Carsten, das ist eine sehr gute Idee, mit der getrockneten Brut. Bin gerade erst im Experimentierstadium mit gekaufter Körnerbrut, verlängern auf Weizen/Roggen/Vermiculite und MEA, aber auch Klonen über Mycel von meinen outdoor-Shiitake auf MEA und Getreide. Das wandert alles in den Kühlschrank und nimmt dort eine Menge Platz ein. Mit dem TK habe ich z.B. beim Sauerteig gute Erfahrungen gemacht, aber hier gleicht man den Kraftverlust durch eine erhöhte Menge oder auffüttern aus. Könnte mir vorstellen, daß vorher gefrorenes und aufgetautes Mycel erstmal etwas schwächer kommt, ob ein auffüttern gleichwertig wird, weiß ich nicht. Beim Trocknen kommen viele positive Aspekte ins Spiel - keine Lagerkosten, eine wahrscheinlich sehr lange Lagerzeit, unkompliziert usw. - aber wie ist es mit eingeschlossenen Konti's beim aktivieren - nimmst Du das in Kauf oder hast Du eine wirkungsvolle Methode. Danke für den Tip. Gruß Wolfram

Autor:  stoff [ Freitag, 21. Februar 2014 09:53 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Konservieren von Körnerbrut

hallo zusammen!

also könnte mir vorstellen, dass das ganze (zumindest mit einigen pilzen) durchaus gut funktioniert. gibts da nicht auch dieses mycelpatch von einem bekannten hersteller? wird wohl auch nichts anderes sein, als ein stück durchwachsenes papier/gewebe welches anschließend zur geldvermehrung :twisted: getrocknet wurde, oder?

lg

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