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 Betreff des Beitrags: Tuber Melanosporum Inokulum
BeitragVerfasst: Donnerstag, 16. Januar 2014 20:47 
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Neuling

Registriert: Mittwoch, 14. November 2012 21:18
Beiträge: 40
Wohnort: Berlin
Hallo Pilzexperten,
meine Metodik zur Herstellung von Trüffelmyzel ist mittlerweile ausgereift.
Nun geht es darum das Myzel vom Nährboden zu lösen und lagerfähig aufzubereiten.
Was haltet Ihr von nachfolgenden Möglichkeiten?
1. lösen in Aqua dest., Aufbewahrung in Flaschen
2. lösen in Aqua dest und mit Perlite vermengen, abfüllen in Beutel, Beutel verschweißen
Wie lange ist das MYZEL so bei 5° C lagerbar?
Wer kann Angaben zum Mischungsverhältnis geben?
Wer hat bessere IDEEN?

Grüße JÖRG


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 Betreff des Beitrags: Re: Tuber Melanosporum Inokulum
BeitragVerfasst: Samstag, 06. September 2014 23:13 
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Foren - Mitglied

Registriert: Sonntag, 29. September 2013 18:19
Beiträge: 52
Hi Jörg,
leider kenne ich mich mit Mykorrhizae nicht wirklich aus, aber ich versuche es mal auf der allgemeinen mikrobiologischen Ebene.

Zuersteinmal ist Mycel wie andere Mikroorganismen ein Lebewesen, welches man zur Langzeiterhaltung in einen Dämmerzustand versetzen muss. Bei einigen bakteien sowie vielen Schimmelpilzen geht das über den Sporenzustand, bei normalem Mycel in der Regel nicht. In diesem Dämmerszustand ist der Stoffwechsel soweit heruntergefahren, dass der Pilz wenige bis fast garkeine Nährstoffe verbraucht und auch seine Umwelt nicht durch seine Abbauprodukte "vergiftet".
Dies kannst du relativ leicht im Kühlschrank machen, indem der Stoffwechsel durch die geringe Temperatur heruntergeregelt wird. Zum anderen solltest du auf ein zu üppiges Nährstoffangebot verzichten, da dieses den Stoffwechsel antreibt.
Eine relativ einfache und gut erprobte Möglichkeit ist die des Schrägagars. Dazu nimmst du dir ein verschraubbares Reagenzglas (steril) oder ein Zentrifugenrührchen und füllst es zu etwa einem drittel mit flüssigem, sterilen Agar (Rezeptur je nach Pilz). das Röhrchen lagerst du beim Abkühlen etwan in einem 30° Winkel, sodass der Agar schräg erstarrt und du eine relativ große Oberfläche erhälst.
nun wird ein Stückchen Mycel auf den Agar übertragen und einige Tage bebrütet. Anschließend kommt das Ganze in den Kühlschrank und kann dort einige Monate bis Jahre aufbewahrt werden.
Im Gegensatz zur Petrischale, ist das Volumen/Oberflächen-verhältnis weitaus günstiger, weshalb dir das Ganze nicht austrocknet. Nebenbei ist ein Schraubverschluss dichter als eine Petrischale, was Konterminationen speziell durch Milben weitestgehend ausschließt.
Du kannst das so erzeugte Schrägagarröhrchen auch 2-3cm mit sterilem Parafinöl überschichten, was die Haltbarkeit auf 5-10 Jahre erhöht.
Auf jeden Fall solltest du mehrere Kulturen anlegen, falls eine misslingt oder du bei reaktivieren eine versehentlich konterminierts.

Eine weitere Methode, ist die Konservierung in Flüssigstickstoff, die in der Forschung den Goldstandard darstellt, aber für den Heimgebrauch in der Regel zu teuer und zu aufwändig ist. Dabei wird das Wasser im Mycel durch Frostschutzmittel (giftig) wie DMSO oder Glycerin ergänzt und das ganze dann in flüssigem Stickstoff gelagert.

Eine dritte, und in meinen Augen recht interessant Methode ist die Trockung des Mycels in einem Schutzmedium (z.B. 10%ige Magermilchlösung) auf einem anorganischen Substrat (Silicagel, unglasierte Porzellankügechen, seramis). Dabei wird erst das Aufbewahrungsgefäß mit Silicagel (entzieht Feuchtigkeit), Glaswolle (Barriere) und dem Substart (z.B. Seramis) bestückt, autoklaviert und steril getrocknet. Anschließend gibt man einige Mykroliter des in Schutzmedium gelösten Mycels auf das Substart und verschließt das Ganze. Nun werden die Gefäße etwa eine Woche bei Raumtemperatur gelagert, wobei das Silicagel dem Substrat das Wasser entzieht und das Mycel seinen Stoffwechsel herunterfährt. Anschließend erfolgt die Lagerung im Kühlschrank.
Zur Rekultivierung werden einfach einige der Substratkügelchen auf eine Petrischale oder ins flüssiges Nährmedium gegeben, was zur Reaktivierung führt.

Momentan bin ich dabei, das Verfahren in Eppis zu etablieren, sodass man von einem Stamm 30-100 konservierte Eppis im Kühlschrank hat und pro angesetzter Kultur nur eins herausnimmt, reaktiviert und die restliche Stammkultur nicht durch mögliche Konterminationen in Gefahr bringt.

Bei deinen Vorschlägen sehe ich die Probleme des destillierten Wassers bzw dessen Osmolarität. Dadurch werden die Zellen aufplatzen und kaputt gehen. Nimm statt dessen lieber Medium bzw. sterile Glucoselösung.

Viele Grüße
Christoph


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