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 Betreff des Beitrags: Nährstoffe in Substraten - Ernährung des Pilzmycels
BeitragVerfasst: Montag, 03. Januar 2011 17:39 
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Registriert: Donnerstag, 27. September 2007 04:42
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Hallo zusammen,

da ich zu diesem Thema immer wieder auf Mißverständnisse stoße, möchte ich mal zusammenfassen, was ich bisher über die Nährstoffanforderungen von Pilzmycelien in Erfahrung bringen konnte.
Der eine oder andere weiß bestimmt, daß Pflanzendünger hauptsächlich Stickstoffverbindungen, Phosphate und Kaliumsalze enthalten (N, P, K), sowie daß auch noch andere Mineralien und Spurenelemente eine Rolle spielen. Bei Pilzen ist es fast genauso, nur daß hier Kohlenstoffverbindungen an erster Stelle stehen. Danach ist es ähnlich wie bei Pflanzen, bloß kommen noch Vitamine hinzu.
Der Menge nach geordnet werden also C, N, P, und K, also Kohlenstoff, Stickstoff, Phosphor und Kalium benötigt, dann kommen weitere Mineralien wie Kalzium und Magnesium und am Ende Spurenelemente wie z.B. Mangan und noch ein paar Vitamine.
Sind all diese Stoffe in zugänglicher Form und im richtigen Verhältnis zueinander im Substrat vorhanden, kann das Mycel optimal wachsen und fruchten. Jeglicher Mangel führt zu schwächerem Mycel, geringerer Ernte und Qualitätsverlust bei den Pilzen. Optimale Substrate sind aber leider auch kontianfälliger, wodurch es oft besser ist, das Substrat etwas magerer zusammenzustellen, aber immer noch so, daß die Nährstoffe für die ersten Erntewellen ausreichen.


Ein paar Details zu den Nährstoffen:

C - Kohlenstoffverbindungen
Lignin, Zellulose, Hemizellulose, Stärke, Saccharide, Lipide
Kohlenstoffverbindungen sind die Hauptnahrungsquelle für unsere Zuchtpilze. Sie werden von verschiedenen Verdauungsenzymen in kleinere Bestandteile zerlegt und dann werden daraus entweder neue Kohlenhydrate gebaut oder sie werden zur Energiegewinnung verbrannt, wobei unter Zuhilfenahme von Sauerstoff Wasser und CO2 entstehen.
In Holz und Stroh finden sich hauptsächlich Lignin und Zellulose. Weiterhin kommen Stärke, verschiedene Zuckerarten und Lipide (Fette) in geringerer Menge vor.
Quellen:
Holz, Stroh, Getreide, Stärke, Zucker, Pflanzenöl


N - Stickstoffverbindungen
Proteine, Aminosäuren, Amine, Harnstoff, Nitrate, Ammoniumsalze
Auch Stickstoffverbindungen werden von Enzymen zerlegt und in pilzeigene Aminosäuren und Proteine umgewandelt. Für die Pilzzucht eignen sich organische Materialien am besten. Die für Pflanzen wichtigen Nitrate und Ammoniumsalze, aber auch Harnstoff können von vielen Pilzarten nur schlecht verwertet werden.
In Holz und Weizenstroh herrscht meist Stickstoffmangel, was die Erntemenge begrenzt und den Proteingehalt der Pilze herabsetzt.
Quellen:
Kleie, Sojamehl, Luzerne, aber auch Kaffeesatz, Mist oder Kompost


P & K - Phosphate und Kaliumsalze
Hierzu ist mir leider zu wenig bekannt. Reblaus schrieb aber mal folgendes:
Reblaus hat geschrieben:
Noch eine ergänzende Anmerkung zu Nährstoffen: Ganz wichtig ist auch Phosphor.
Der gesamte Energiestoffwechsel benötigt Phosphat (ATP, Kinasen ….).
Bei der Weinbereitung gibt man deshalb Gärsalz in die Ansätze um Gärstockungen (Hefe fühlt sich nicht wohl, teilt sich langsam und verweigert die Alkoholproduktion) zu vermeiden. Bei dem Gärsalz handelt es sich meistens um Diammoniumphosphat und wird 0,4 g pro Liter zugegeben.

Flüssigkulturen von Speisepilzen würde das sicher auch gut bekommen!
Quellen:
Kleie, Kaffeesatz, Mist, Kompost


Mineralien
Ca Mg, ...
Quellen:
Gips, Kalk, Eierschalen, Kaffeesatz


Spurenelemente
Eisen, Kupfer, Mangan, Bor, Molybdän, Zink...
Wichtig z.B. für die Produktion von Enzymen
Quellen:
Kleie, Kaffeesatz


Vitamine
Hiervon können die Pilze einige selbst herstellen, während sie andere im Substrat suchen müssen. Leider sind einige hitzeempfindlich und werden bei der Sterilisation größtenteils zerstört.
Quellen:
Kleie, Hefeextrakt, Mikroben


C:N-Ratio
Am wichtigsten ist das Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff. Für die meisten Holz- und Strohzersetzer liegt das Optimum bei ca. 40:1 bis 60:1, während Champignons und andere Kompostzersetzer bei 15:1 die höchsten Erträge bringen, wobei Substrate mit einem C:N-Verhältnis von ca. 20: 1 bis 30:1 angemischt und kompostiert werden. Nach der Kompostierung (bei der ein Teil des Kohlenstoffs als CO2 entweicht) hat man dann ein stabiles Verhältnis von ca. 15:1, bei dem kein Stickstoff mehr in Form von (für das Mycel giftigem) Ammoniak entweicht.

Hier ein paar Beispiele:
(Die folgenden Werte habe ich im Netz zusammengesucht, sie müsssen also nicht genau stimmen.)

Leguminosenstroh 15:1
Luzernestroh 15:1 - 25:1
Kaffeesatz 20:1
Reisstroh 50:1
Maisstroh 50:1 - 60:1
Weizenstroh 100:1
Sägemehl 500:1
Papier 1000:1

Leguminosen = Hülsenfrüchte
Luzerne = Alfalfa (eine Kleesorte, auch eine Hülsenfrucht)

Hühnermist 10:1
Gemüseabfälle 13:1
Rasenschnitt 12:1 - 25:1
Rindermist 20:1
Gartenabraum 20:1 - 60:1

Laub 30:1 - 60:1
Getreidestroh 60:1 - 100:1
Baumschnitt 100:1 - 150:1
Rinde 100:1 - 130:1

Es bringt also nichts, Strohsubstrate mit Holzspänen 'aufzuwerten' oder rings um vergrabene Stämme Späne in die Erde einzuarbeiten. Letzteres würde nur den im Boden verfügbaren Stickstoff binden und für das Mycel im Stamm unerreichbar machen.


Grüße, Carsten


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