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 Betreff des Beitrags: Austernseitling - Pleurotus ostreatus
BeitragVerfasst: Dienstag, 16. Oktober 2007 08:18 
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Austernseitling - Pleurotus ostreatus

Weitere bekannte Bezeichnungen: Austernpilz, Auster

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Beschreibung
  • Allgemein
    In unseren Wäldern kommt er in zwei Formen vor, auch Sommer- und Winterauster genannt. Wie die Namen schon sagen, fruchten die einen lieber im Sommer, während die anderen den Spätherbst und Winter bevorzugen. Die Zuchtform wird oft Ganzjahresauster genannt. Daneben werden aber noch andere Stämme gezüchtet, wie die Thaiauster.
    (Nachtrag: Sommerauster und Thaiauster scheinen eher Lungenseitlinge (Pleurotus pulmonarius) zu sein. )
  • Aussehen
    • Wildform
    • Zuchtform
  • Verwandschaft
    Die Gattung der Seitlingsartigen umfaßt viele andere Pilze, die sich ebenfalls züchten lassen, z.B. Flamingoseitling, Zitronenauster, Lungenseitling, Ulmenseitling...
  • Verbreitung
    Weltweit, in kühlem bis tropischen Klima.
  • Nahrung
    In der freien Natur ernährt er sich von abgestorbenem Holz von Buche oder anderen Laubbäumen. In der Pilzzucht wächst er auf Laubholzspänen, Stroh und anderen Pflanzenresten. Manchmal werden Zusätze verwendet, um die Besiedelung des Substrats zu beschleunigen und die Ernte zu vergrößern. Austernpilze sind in der Lage, sowohl Zellulose, als auch Lignin zu verdauen und gehören damit zu den Weißfäulepilzen.

    wikipedia: Austernpilz

Vermehrung
  • Sporen
  • Klonen
    Bei dieser Pilzart ist die Vermehrung aus Pilzstücken sehr einfach. Ob steril auf Agar bzw. Getreide oder unsteril auf Stroh, Holz oder Pappe, bereits nach zwei bis drei Tagen beginnt Mycel zu wachsen. Es wächst schnell, ist weiß und gleichmäßig. Bei hoher Luftfeuchtigkeit wächst es gern 1 - 2 cm hoch wattig in die Luft oder einige cm weit am Glas oder am Beutel empor.
  • Getreidebrut
    Steriles Mycel kann auf einer beliebigen Getreidesorte vermehrt werden.

Nährböden/Substrate/Holzarten:
  • Agar
    Hier hat sich der Zusatz von Gerstenmalzextrakt bewährt, auch MEA genannt.
  • Flüssigsubstrat
    Ca. 4%ige wäßrige Lösungen mit Malzextrakt, Honig, Glucose oder anderen Zuckersorten eignen sich gut.
  • Getreide
    Roggen, Weizen, Gerste, Hirse, Mais, ... Geht alles.
  • Schüttsubstrat/Späne/Holzstämme
    Buche oder andere Laubhölzer, keine Eiche, keine Nadelhölzer.
  • Stroh (Getreide, Mais, Hülsenfrüchte)
    Getreidestroh kann mit dem Stroh von Hülsenfrüchten gemischt werden, um den Stickstoff- und Proteinanteil zu erhöhen. Maisstroh enthält ausreichend Stickstoff.
  • Pappe/Papier
    Selbst auf Pappkartons, Toilettenpapierrollen und Telefonbüchern wachsen Austernpilze. Der Ertrag dürfte allerdings kleiner sein. Bedrucktes Papier sollte gemieden werden, da die Farbstoffe bedenklich sind.
  • Substratzusätze
    • Gips (Calciumsulfat)
      Häufig wird ein Substratzusatz von 3% Gips (auf das Trockengewicht bezogen) empfohlen. Gips enthält Calcium und Schwefel. Nebenbei hält er den PH-Wert des Substrats im neutralen Bereich.
    • Kalk (Calciumcarbonat)
      Hebt den PH-Wert des Substrats in den basischen Bereich.
    • Kleie
      Sie enthält Lignin, Proteine und Kohlenhydrate, ist also gute Nahrung für das Austernmycel, kann aber auch leicht kontaminieren.
    • Kaffeesatz
      Enthält ebenfalls Lignin, aber auch Stickstoff und Kalium, sowie Spurenelemente. Ist anfällig für Schimmel.
    Siehe auch Pilzzucht allgemein

Anbaumethoden
  • Gläser
  • Säcke
  • Strohballen
  • Baumstämme

Wachstumsbedingungen
  • Indoor
    ____________________Durchwachsen____Fruchtung
    • Luftfeuchtigkeit____sehr hoch_________hoch
    • Temperatur_________25-30°C_______ca.20°C
    • Licht_____________nicht nötig______eher viel
    • Frischluft____________kaum________eher viel
    • CO2______________eher viel______sehr wenig

      Diese Werte beziehen sich auf verbreitete Kulturstämme. Manche Austern wachsen besser bei niedrigeren Temperaturen.

      Durchwachsen
      Austern können ihr Substrat im Dunkeln und mit wenig Frischluft durchwachsen. Hohe CO2-Werte scheinen das Wachstum sogar zu beschleunigen.

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      Fruchtung
      Einfach, Austernpilze benötigen weder Kälteschock noch Deckschicht. Meist sieht man eine Woche nach der kompletten Substratbesiedelung die ersten Primordien in dicken Büscheln, oft dutzende auf einmal. Davon werden aber immer nur wenige erntereif, was eine weitere Woche dauert. Der Rest trocknet zwischendurch ein. Licht (indirekt, keine direkte Sonne) und Frischluft sind wichtig für die Fruchtbildung. Bei Lichtmangel und CO2-Überschuß bekommen sie lange Stiele und kleine Hüte, die sich eher trompetenförmig aufschirmen oder sie trocknen alle ein. Im Extremfall wachsen sie zu korallenartigen Gebilden ohne Hut heran und es bilden sich neue Primordien direkt auf den Pilzen.
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  • Outdoor
    • Strohballen
      Strohballen werden einen Tag bis eine Woche untergetaucht oder mehrmals mit Wasser übergossen. Danach werden sie beimpft und feucht gehalten. Nach einigen Wochen erscheint die erste Ernte.
    • Baumstämme
      Die Stämme werden einen Tag gewässert und danach beimpft. Bis zur Ernte vergehen einige Monate.
      • Impfen
        • Dübelimpfung
          Bewachsene Holzdübel werden in vorher gebohrte Löcher gedrückt.
        • Keilimpfung
          Die Brut wird in keilförmige Löcher gestopft.
        • Kopfimpfung
          Hier wird die Brut auf den Schnittflächen verteilt, bedeckt und feucht gehalten.
      • Lagern
        Während das Mycel in das Holz einwächst, sollte es nicht austrocknen.
      • Erdkontakt
        Austernstämme sollten etwa zu einem Drittel eingegraben werden. So kann das Mycel in die Erde einwachsen und sich mit Wasser und Nährstoffen versorgen.
      • Feuchtigkeit
        Bei Trockenheit einfach gießen.

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Ernte
  • Wann?
    Am besten sind sie, solange der Hutrand noch leicht nach unten gebogen ist. Später sind sie zwar noch genießbar, werden aber zäh.
  • Wie?
    Bei Austernpilzen erntet man immer das ganze Büschel auf einmal, indem man mit einer leichten Drehung die Pilze vom Substrat zieht. Zurückbleibende Löcher im Substrat werden nach wenigen Tagen von neuem Mycel überwachsen.
  • Ertrag = X% bei Substrat Y kann man nicht so einfach sagen. Der Ertrag ist auch abhängig vom Austernstamm und den Kulturbedingungen.

Schädlinge

Besonderheiten
  • Gesundes Mycel von Austernpilzen verströmt einen charakteristischen Duft. Irgendwie angenehm frisch und aromatisch, erinnert aber auch an Reinigungsmittel für's Badezimmer, schwer zu beschreiben.
  • Wenn Austernpilze auf Holzstämmen oder Strohballen kultiviert werden, wächst ihr Mycel gern in die umliegende Erde ein. Oft wachsen Pilze sogar einige cm entfernt aus dem Boden. Das Mycel ist dafür bekannt, Bakterienkolonien anzugreifen, es lockt aber auch Nematoden an, betäubt und verdaut sie.
    Hierbei versorgt sich das Mycel mit Nährstoffen, die im Holz nur in geringen Mengen vorkommen.
  • Rohe Austernpilze enthalten Hämolysin, einen Stoff, der unsere roten Blutkörperchen zum Platzen bringt. Daher sollten sie nicht in größeren Mengen roh verzehrt werden.
  • Manche Stämme produzieren Unmengen von Sporen, die Allergien auslösen können. In der Pilzzucht wird daher Wert auf wenigsporende Varianten gelegt.

Sonstiges
Nützliche Links:
Mushroom Growers Handbook 1 - Oyster Mushroom Cultivation
http://www.alohamedicinals.com/cultures.htm


Rezepte
    Zur Zubereitung werden die Pilze abgewischt und die festen unteren Teile der Stiele entfernt. Leicht zähe Stiele kann man in Scheiben schneiden.

  • Pur
    Man kann die Pilze einfach mit etwas Butter braten, bis sie bräunlich werden und danach salzen.
  • Gewürzt
    Man gibt Zwiebelscheiben und etwas Curry mit in die Pfanne.
  • Mit Ei/Käse
    Nach kurzem Erhitzen kann man auch Eier und/oder Käse darübergeben.


Zuletzt geändert von Mycelio am Freitag, 14. März 2008 01:24, insgesamt 20-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Freitag, 01. Januar 2010 16:43 
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Beiträge: 124
Wohnort: Rosenheim
hab ich beim Stöbern im Web gefunden :
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Sporen des Austernseitlings
Neue Forschungen haben ergeben, daß die Sporen des Austernseitlings, besonders die der Zuchtform (ähnlich übrigens bei Zuchtformen des Stockschwämmchens und des Shiitakepilzes) giftig sind, wobei das Pilzgift bisher unbekannt ist. Die Sporen vor allem der Zuchtform (z.B. Pleutotus ostreatus. var. Florida) sind hochpotente Allergene, die nach intensivem Einatmen (z.B. in Zuchträumen) relativ schnell zu einer allergischen Entzündung der Lungenbläschen führen können (= exogene allergische Alveolitis). Ziel der Austernseitlingszüchtung in der BRD ist es darum, sporenfreie Formen zu züchten.
Symptome:
nach kurzer Zeit (exaktere Zeitangaben sind offensichtlich nicht möglich, vermutlich wegen der unterschiedlichen Kondition der jeweilig Betroffenen) Niesreiz, Bindehautentzündung, Atemnot mit asthmatischen Charakter, auch nach Stunden können sich Husten, Fieber, Schwindel, Thorax- und Muskelschmerzen einstellen.
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ist zwar für Hobbyzüchter eher weniger interessant, aber dachte das gehört auch dazu ;)


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 Betreff des Beitrags: Re: Austernseitling - Pleurotus ostreatus
BeitragVerfasst: Sonntag, 21. Februar 2010 02:43 
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Text von Waldfrieden (wird demnächst in den ersten Beitrag eingearbeitet)

Pleurotus ostreatus
Austernseitling
Austernpilz
Pleos
The Oyster Mushroom
Oyster Shelf

Allgemein:
Der Austernseitling gehörte lange Zeit zu den Favoriten der Pilzsammler, besonders in der kalten Jahreszeit wenn die Zeit der Steinpilze und Pfiffelringe vorbei war. Er benötigt einen Kälteschock für die Fruchtkörperbildung und kommt daher erst im Spätherbst bis in den tiefen Winter vor. Selbst bei Minustemperaturen haben sie noch ein minimes Wachstum. Er wächst meist Büschelweise an abgestorbenen Laubbäumen, bisweilen weit oben am Stamm.
Der Austernpilz wird heute in grossem Stil kommerziel angebaut. Man kann ihn heute in praktisch jedem Supermarkt und Bioladen kaufen. In Deutschland taucht er auch unter dem Namen Kalbfleischpilz auf, sicherlich ein Marketinggag, doch ist der Pilz meiner Meinung nach keinesfalls mit dem von Kalbfleisch zu vergleichen.
Es werden heute 2 Austernpilze angeboten: Den Wintertyp, ursprünglich aus Europa stammend der vom Herbst bis in den Frühling gepflückt werden kann und den Sommertyp, der aus Fwilden in Florida beheimateten Pilzen kultiviert wurde. Er wächst vom Frühling bis in den Herbst.



Standort:
Der Austernpilz wächst praktisch ausschliesslich auf Laubbäumen, nur ganz selten findet man ihn auf Nadelbäumen. Er gedeiht auf praktisch allen Laubbäumen: Ahorn, Birken, Ulmen und so weiter. Er ist, gegenüber dem Reishi zum Beispiel, bis weit oben in an dem Stamm zu finden.
Er ist praktisch auf der ganzen nördlchen Halbkugel verbreitet
Gezüchter kann der Austernpilz aber nicht nur auf Holz, sondern auch auf Stroh. Für die kommerzielle Austernpilzzucht wird ca 90% auf Stroh gezüchtet.


Aussehen:
Der Hut des Austernseitling, daher der Name, erinnert an die Form von Austern. Junge Exemplare sind blaugrau und werdenim Lauf der Zeit braun bis dunkelblau. Der weissliche Stiel ist randständig und nur kurz oder fehlt sogar ganz. Die weissen Lamellen , die sich bis zum Ansatz herunterziehen, besitzen lilagraue Sporen. Das Fleisch ist fest und hat einen angenehmen Geruch wie auch Geschmack.


Geschmack:
Der Austernpilz hat einen angehmen, feinen, leicht würzigen geschmack. Der Pilz ist sehr fleischig, daher wird er gerne als Schnitzel, als Fleischersatz, gegessen.
Wilde Austernpilze haben viel stärkeren, ja auch besseren Geschmack als die gezüchteten.

Heilwirkung:
Der Austernpilz hat einen für Pilze sehr hohen Vitamin B Gehalt. ca 150gr. frischer Austernpilz deckt bereits ca 30% des täglichen Bedarf ab. Darüber hinausstärkt er die Abwehrkraft und hilft daher bei Viruserkrankungen und Entzündungen.

Nährwert pro 100g:
Kcal 33
Eiweiss 4.4g
Fett 0.1g
Kohlenhydrate 3.3g

Sodium mg
Phosphor mg
Eisen 8.8%mg*
Kalzium mg
Potassium, Magnesium, Thiamin, Riboflavin, Niacin und andere.

*= Prozente des täglichen Bedarfs einer durchschnittlichen erwachsenen Person




Zucht:



Substrat: Holzspäne
Myzelwachstum (Casing)
Dauer
Temperatur
Luftfeuchte
Co2
Fruchteinleitung (Primordia)
Fruchtwachstum (Frutification)
Erträge /m2



Schwierigkeitsgrad: leicht


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 Betreff des Beitrags: Re: Austernseitling - Pleurotus ostreatus
BeitragVerfasst: Samstag, 18. Dezember 2010 14:35 
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Pilzfreund

Registriert: Samstag, 27. März 2010 23:06
Beiträge: 95
Mycelio hat geschrieben:
Sodium
Potassiumt

kalium statt potasium und natrium statt sodium ist geläufiger


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