Luftfilter: Küchenschwamm und Zigarettenfilter

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Luftfilter: Küchenschwamm und Zigarettenfilter

Beitrag von Lauscher » Mittwoch, 20. April 2016 13:37

Hallo!

Das Thema "Luftbedarf von Pilzen" ist immer wieder mal aktuell.
Ich habe da sehr unterschiedliche Beobachtungen gemacht. Bislang habe ich überwiegend mit luftdicht verschlossenen Behältern gearbeitet und gestaunt, wie gut das geht. Ich habe nur darauf geachtet, einen gewissen Luftvorrat mit einzuschließen.
Solange es um relativ kleine Substratmengen geht, (ca. 350ml Substrat + 150ml Luft), sind die Kulturdosen meist gut durchwachsen, brauchten aber oft länger als gedacht.
Ich habe aber auch einige Dosen, die nach anfänglich gutem Wachstum schließlich gestoppt haben und nicht weiterwuchsen. Genauso in größeren Substratsäcken.

Ich habe nun einige Beutel und Dosen nachträglich mit Luftöffnungen inklusive Filter versehen, und der Erfolg ist deutlich.

Hier eine Winterauster, beimpft am 11. Februar, die nach einiger Zeit ihr Wachstum einstellte. Vor 4 Tagen habe ich mit einem heißen Nagel ein Loch in die Dosenwand geschmurgelt und einen Zigarettendrehfilter hineingequetscht; die blaue Linie zeigt, wo das Wachstum über Wochen stehengeblieben war:
IMG_6703.JPG
Winterauster mit Zigarettenfilter
Nahansicht des Filters:
IMG_6705.JPG
Zigarettenfilter Nahansicht
Ähnlich bei großen Beuteln. Auch hier stoppte das Wachstum nach einem guten Start. Ich habe die Beutel in der Reinbank wieder geöffnet und einen Küchenschwamm in die Öffnung eingeschnürt (die Scheuerseite des Schwammes habe ich abgerissen). Auch hier, kräftiges neues Wachstum (alles Sommerauster); die blaue Linie zeigt den Myzelrand von vor 4 Tagen:
IMG_6687.JPG
Substratbeutel mit Küchenschwamm als Luftfilter
Zigarettenfilter bestehen aus Celluloseacetat und sind bis 180 Grad Celsius stabil, sollten den Autoklav also problemlos überstehen. Sie sind mit Papier umhüllt; eventuell sollte man das vor dem Autoklavieren entfernen.

Küchenschwämme bestehen in der Regel aus Polyurethan, daß ebenfalls autoklavierbar sein sollte:
Wikipedia hat geschrieben:Die Gebrauchstemperatur reicht von −30 bis +80 °C. Kurzzeitige Einwirkungen höherer Temperaturen bis 135 °C sind zwar zulässig, doch führt dies auf Dauer zur Verringerung der Elastizität.
.

Ich überlege, zum Autoklavieren Küchenschwämme in Rohre aus PP zu quetschen. Das erscheint mir etwas sicherer. Zum einen muß ich den Schwamm nicht punktuell so stark quetschen wie oben im Bild, zum anderen hat die Luft einen längeren Weg durch das Rohr, wird also besser gefiltert.

Viele Grüße, Lauscher
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Re: Luftfilter: Küchenschwamm und Zigarettenfilter

Beitrag von le zym » Donnerstag, 21. April 2016 16:58

Hallo Lauscher,

die Zigarettenfiltervariante finde ich sehr interessant.
Ich werde das auch mal probieren, vielen Dank für den Beitrag.

Bei den Beuteln ist es glaube ich einfacher, statt den Küchenschwämmen, Filterwatte in die Rohre zu stopfen.
Lässt sich auch autoklavieren und funktioniert gut.

Viele Grüße,
Le zym
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Re: Luftfilter: Küchenschwamm und Zigarettenfilter

Beitrag von Lauscher » Freitag, 22. April 2016 12:23

Hallo le zym,

danke für die Rückmeldung!
Die Zigarettenfiltervariante scheint sich zu bewähren, die Kulturen in den Dosen wachsen gut weiter.

Die Beutel mit den Küchenschwämmen zeigen schon wieder deutlich verlangsamtes Wachstum. Wahrscheinlich war der Wachstumsschub erst einmal auf den Luftaustausch durch das Öffnen zurückzuführen, und die gequetschten Schwämme lassen zuwenig Luft durch.
Ich habe die Verschnürung bei ein paar Beutel etwas gelockert, und bei 2 Beuteln eine Mund-zu-Pilz-Beatmung durchgeführt.
le zym hat geschrieben:Bei den Beuteln ist es glaube ich einfacher, statt den Küchenschwämmen, Filterwatte in die Rohre zu stopfen.
Lässt sich auch autoklavieren und funktioniert gut.
Ich habe mir jetzt Aquarien-Filterwatte und das Rohr bestellt, danke für den Tip!

Viele Grüße, Lauscher
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Re: Luftfilter: Küchenschwamm und Zigarettenfilter

Beitrag von le zym » Samstag, 23. April 2016 19:02

Hallo Lauscher,
...bei 2 Beuteln eine Mund-zu-Pilz-Beatmung durchgeführt.
:lol:

Hast du keine Angst das die Kontaminieren?
Atemluft ist doch recht belebt :)

Dein Substrat für die Austern sieht interessant aus.
Ist da Kaffee mit drinnen oder wieso ist das so dunkel?


Viele Grüße,
le zym
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Re: Luftfilter: Küchenschwamm und Zigarettenfilter

Beitrag von Lauscher » Samstag, 23. April 2016 19:17

Hast du keine Angst das die Kontaminieren?
Atemluft ist doch recht belebt :)
Etwas Angst habe ich schon ... Ich habe allerdings durch die Schwämme hindurch gepustet, was schon einmal gut filtern sollte, die Beutel sind schon recht weit durchwachsen, was die Gefahr verringert, und Atemluft ist einmal durch die Lunge gefiltert, so daß am ehesten körpereigene Bakterien in das Substrat gelangen könnten.
Ich kannte mal einen Pilzzüchter, der seine luftdichten Beutel grundsätzlich (ohne jeden Filter!) mit dem Mund prall aufblies, bevor er sie verschloß. Er meinte, die Atemluft ist sauber genug.

Heute sind Rohr&Filterwatte gekommen, und einen Beutel habe ich mal probeweise damit ausgestattet. Die Filterwatte ist dermaßen leicht luftdurchlässig, daß ich schon wieder Sorge habe, es könnte nicht reichen, oder ich müsse sie dichter stopfen. Na, mal schauen ...
Dein Substrat für die Austern sieht interessant aus.
Ist da Kaffee mit drinnen oder wieso ist das so dunkel?
Kaffee ist keiner drin, ich sammle gerade in der Gefriertruhe. 8)
Das Substrat ist eine Mischung aus Buchenspänen (oder Hartholzmischung? Die schwarzgepreßten "Röhren" aus dem Baumarkt), gekeimter Gerste, Gips und Pferdefutterpellets.
Die Pferdefutterpellets enthalten u.a. Melasse, ich nehme an, daß die Dunkelfärbung daher kommt.
Diese Pellets sind mein neuer Geheimtip, angenehmer als Hundefutter, lösen sich gut in warmen Wasser, und scheint allen Pilzarten gut zu schmecken.

Viele Grüße, Lauscher
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Re: Luftfilter: Küchenschwamm und Zigarettenfilter

Beitrag von le zym » Samstag, 23. April 2016 19:36

...leicht luftdurchlässig, daß ich schon wieder Sorge habe, es könnte nicht reichen, oder ich müsse sie dichter stopfen.
Du kannst das Rohr auch einfach länger (ca. 10-15 cm/ kommt auch auf den Durchmesser an) lassen.

Deine Substratmischungen haben echt viele Zutaten. Autoklavierst du dein Austernsubstrat, es hört sich nämlich auch sehr lecker für Fremdorganismen an ;)
Wieviel Pilze bekommst du pro Kg Substrat?
Ich arbeite immer mit Stroh oder anderen einjährige Pflanzen wie Schilf und dazu noch Buchenhäcksel und wenn autoklaviert noch Kleie.

Viele Grüße
le zym
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Re: Luftfilter: Küchenschwamm und Zigarettenfilter

Beitrag von Lauscher » Samstag, 23. April 2016 19:43

Das Rohr hat einen Duchmesser von 5cm, und in der Länge habe ich auch auf ca. 5cm abgeschnitten. Die Filterwatte habe ich fast unkomprimiert hineingesteckt.
Deine Substratmischungen haben echt viele Zutaten. Autoklavierst du dein Austernsubstrat, es hört sich nämlich auch sehr lecker für Fremdorganismen an ;)
Ja, ich autoklaviere immer, ca. 2,5 Stunden.
Für meine Pilze werde ich zum kreativen Koch - für mich selbst mach ich höchstens Extrabelag auf Fertigpizza. :D
Wieviel Pilze bekommst du pro Kg Substrat?
Tja, keine Ahnung ... dafür muß ich erst einmal etwas zum Ernten haben. Ich habe ja erst im Januar wieder angefangen mit der Pilzzucht, und die Sommeraustern auf dem Bild oben sollen die erste Ernte geben. :D

Viele Grüße, Lauscher
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Re: Luftfilter: Küchenschwamm und Zigarettenfilter

Beitrag von Lauscher » Sonntag, 24. April 2016 17:11

Die ersten Rohr-Filterwatte-Belüftungen sind eingesetzt, befestigt mit Kabelbinder:
IMG_6708.JPG
Rohr+Filterwatte von oben
IMG_6711.JPG
Rohr+Filterwatte von der Seite
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Re: Luftfilter: Küchenschwamm und Zigarettenfilter

Beitrag von Lauscher » Samstag, 07. Mai 2016 11:39

Ich habe verschlossene Dosen und Beutel mit Filtern aus Filterwatte, Zigarettenfilter und Küchenschwamm autoklaviert. Alle Materialen haben das Autoklavieren gut überstanden und waren durchlässig genug, um den Druckausgleich durch den Filter zu ermöglichen. Sogar die Filterwatte aus PE wirkt unbeeinträchtigt.
Das ist für mich eine große Erleichterung, da ich zuvor die Behälter offenließ und erst nach dem Abkühlen verschlossen habe. Abgesehen von der Mehrarbeit bestand so auch eine Kontigefahr, da manchmal beim Öffnen und Ausräumen vom Autoklav Sporen in die offenen Dosen geflogen sind, so daß einzelne Substratdosen auch unbeimpft auf der Oberfläche Myzelwachstum zeigten.
IMG_6798.JPG
Dosen mit Zigarettenfilter und Filterwatte
IMG_6799.JPG
Rohr mit PE-Aquarien-Filterwatte
IMG_6801.JPG
Rohr mit Küchenschwamm
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Re: Luftfilter: Küchenschwamm und Zigarettenfilter

Beitrag von Ständerpilz » Samstag, 07. Mai 2016 11:46

Zellstoffstopfen, wie diese hier, wären sicherlich auch geeignet: https://www.labmarket.com/Products/Zell ... opfen.aspx
Normalerweise werden sie - je nach Größe - für Reagenzgläser und Erlenmeyerkolben verwendet.
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Re: Luftfilter: Küchenschwamm und Zigarettenfilter

Beitrag von Lauscher » Dienstag, 05. Juli 2016 13:08

Insgesamt bin ich mit Zigaretten-Eindrehfiltern und Aquarienfilterwatte sehr zufrieden.

Manchmal zeigt sich in lange stehenden autoklavierten Dosen unterhalb des Filters eine Konti, sowohl bei Drehfiltern als auch bei Wattefiltern. 100% sicher ist das also auch nicht. Ich denke, der Schwachpunkt ist der schmale Rand, wo Becherwand und Filter aufeinandertreffen. Dort ist der Weg für Kontis sehr kurz.

Beim nächsten Autoklavieren will ich die Watte nicht in das Loch stopfen, sondern flach auf das Loch legen und mit Pflasterklebeband befestigen. Seitlich von Klebeband soll die Watte herausgucken. Mal schauen, ob es so noch besser wird.

Anstelle des oben beschriebenen schwarzen PP-Wellrohrs benutze ich jetzt die deutlich billigeren grauen Abflußrohre aus dem Baumarkt. Die säge ich passend zu und glätte die raue Sägekante mit Feuer.
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