Schnellkochtopf

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Trudchen800
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Schnellkochtopf

Beitrag von Trudchen800 » Freitag, 20. Mai 2016 19:09

Benutzt jemand einen Schnellkochtopf zum sterilisieren?
Wie macht man das dann mit dem Substrat?
Einfach alles rein mit bisschen Wasser? Oder nehmt ihr so ein Gareinsatz und stellt dann den Filterbeutel mit dem Substrat dort rein?
Wie lange müsste man das erhitzen?
Wie lange müsste man das Getreide für Körnerbrut erhitzen ohne das das Getreide aufplatzt?
Ja ich bin Anfänger und arbeite bis jetzt unsteril und hab halt Ausfälle wegen Schimmel und versuche eine Lösung zu finden, die mich nicht gleich arm macht.
Björn
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Re: Schnellkochtopf

Beitrag von Björn » Samstag, 21. Mai 2016 09:06

Hallo Trudchen800,

Ich selbst arbeite mit Gläsern. Vom Prinzip denke ich aber gibt es da keinen großen Unterschied zwischen Gläsern und Beuteln.
Ich mache das so:

Die Getreidekörner in einem Topf mit Wasser köcheln lassen, bis die ersten anfangen aufzuplatzen. Das sind meist so 30-45 Minuten.
Dann gieße ich das Ganze ab, fülle sie in Gläser ein, die ein Loch im Deckel haben, welches ich mit Filter versehen hab. Ich nehme Pollenschutzflies. Viele nutzen hier Filterwatte, aber auch Zigaretten-Filter zum drehen sollen hier gut funktionieren.
Deckel drauf, das ganze mit Alufolie abgedeckt, dass sich beim späteren Herausnehmen keine Keime in dem noch feuchten Filter einnisten können und dann für 90-120 Minuten in dene Schnellkochtopf.

Ich würde beim Schnellkochtopf niemals das Sterilisiergut direkt in Kontakt mit dem Boden des Topfes kommen lassen, da hier deutlich höhere Temperaturen entstehen als 120°C. Ich selbst stelle das ganze immer auf einen Metalleinsatz, der bei meinem Topf dabei war. Ich habe hier allerdings auch irgendwo schon gelesen, dass einige nur einen Lappen (der sollte natürlich die Temperaturen aushalten) dazwischenlegen. Könnte mir auch vorstellen, dass man sich da notfalls einfach ein Provisorium aus geknüllter Alufolie zur Hilfe nehmen kann.
Was die Wassermenge angeht müsste etwas in der Anleitung des Topfes stehen, glaube bei meinem 6L Topf sind das so 700ml die mindestens drin sein müssen.

Hoffe ich konnte dir damit ein Stück weiterhelfen.
Trudchen800
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Re: Schnellkochtopf

Beitrag von Trudchen800 » Samstag, 21. Mai 2016 13:47

Hallo Björn

und wie machst du das mit dem Substrat? Wie sterilisierst du das?

Ich hab es heut probiert, das Getreide (vorher abgekocht) in einen Mikrofilterbeutel gemacht und zusammengerollt und dann auf solche Metallringe gelegt, wo man auf Tellern anrichtet. (Habe keinen Einsatz) Dann Deckel drauf und losgekocht. Dabei trat schon ganz schnell Dampf aus und das Wasser war bald alle. Habe nur so einen AMC Dampfgarkochdeckel, ist schon so ein Deckel wie ein Schnellkochtopf. Aber irgendwas haut damit nicht hin. Hmm nun muss ich mir nen Kopf machen, ob ich einen grossen Schnellkochtopf kaufe so mit 9 oder 15 Litern oder nen Autoklav. So ein Autoklav mit Strom ist sicher besser, weil es dortdrin schneller geht und nicht so viel Strom verbraucht wie wenn der Herd 3 Stunden läuft oder? Wie lange läuft denn so ein 121 Grad-Programm von einem Autoklav?
Ach Mensch bin grad deprimiert weil ich so unschlüssig bin. Keine Ahnung wie ich mein Zeug steril machen kann und teuer soll es auch nicht sein, weil dann könnt ich mir ja die Pilze im Laden kaufen.
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Re: Schnellkochtopf

Beitrag von Björn » Samstag, 21. Mai 2016 15:50

Zu Autoklaven kann ich dir leider nichts sagen, aber so weit ich weiß nutzen einige der aktiven Leute hier im Forum soetwas und können dir sicher einen Vergleich aufstellen. Es sollte aber darin fast genau so lange dauern wie im Dampfdrucktopf denke ich.
Was das Substrat angeht mache ich das ähnlich. Ich fülle große Sturzgläser mit einem Gemisch aus Stroh, Holzspänen, Gips und Wasser. Dann wird die Öffnung mit einem Filter versehen, Alufolie drüber und für 2 Stunden in den Dampfdrucktopf.
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Re: Schnellkochtopf

Beitrag von Lauscher » Samstag, 21. Mai 2016 20:18

Hallo Trudchen!
Trudchen800 hat geschrieben: Dann Deckel drauf und losgekocht. Dabei trat schon ganz schnell Dampf aus und das Wasser war bald alle. Habe nur so einen AMC Dampfgarkochdeckel, ist schon so ein Deckel wie ein Schnellkochtopf.
Hm, seltsam. Eigentlich soll sich im Dampfdruckkochtopf Druck aufbauen, bis sich irgendwann das Überdruckventil öffnet. Ist das bei Dir so? (Ich kenne die AMC Töpfe nicht).
Die Kunst ist es jetzt, die Temperatur so zu regeln, daß fast kein Dampf mehr aus dem Ventil kommt, um so die Maximaltemperatur zu halten, ohne daß der Dampf verlorengeht.
Wenn Du eine Dampffontäne hast, ist es viel zu heiß!
Und, GEFÄHRLICH: Wenn das Wasser komplett verdampft ist, kann die Bodenplatte des Topfes weich werden und der Topf explodieren.
Aber irgendwas haut damit nicht hin. Hmm nun muss ich mir nen Kopf machen, ob ich einen grossen Schnellkochtopf kaufe so mit 9 oder 15 Litern oder nen Autoklav. So ein Autoklav mit Strom ist sicher besser, weil es dortdrin schneller geht und nicht so viel Strom verbraucht wie wenn der Herd 3 Stunden läuft oder? Wie lange läuft denn so ein 121 Grad-Programm von einem Autoklav?
Ein Autoklav ist nicht wirklich schneller oder sparsamer. Nur komfortabler. Meinen alten Autoklav ließ ich immer ca. 2 Stunden laufen.
Theoretisch muß Substrat nur für ca. 20 Minuten eine Temperatur von 121 Grad haben, um steril zu sein. (Und nur 5 Minuten bei 134 Grad) Praktisch aber dauert es einige Zeit, bis auch die Mitte des Substrates diese Temperatur erreicht hat. Ein großer Substratbeutel, luftig (=isolierend) gefüllt, braucht sehr lange. Kleine Mengen, kompakt mit kaum Luft, gehen schneller.
Ach Mensch bin grad deprimiert weil ich so unschlüssig bin. Keine Ahnung wie ich mein Zeug steril machen kann und teuer soll es auch nicht sein, weil dann könnt ich mir ja die Pilze im Laden kaufen.
Hast Du meinen Beitrag zur fraktionierten Sterilisation gesehen?
Vielleicht ist das eine Möglichkeit für Dich, bis Du Dich für oder gegen ein anderes Gerät entschieden hast.
Kopf hoch! Alle Pilzzüchter fangen mit kontaminierten, niederschmetternden Experimenten an. :D Das wird schon!

Viele Grüße, Martin
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Re: Schnellkochtopf

Beitrag von Trudchen800 » Sonntag, 22. Mai 2016 09:22

Ich hab jetzt einen Schnellkochtopf in Beobachtung. Mal sehen.
Was mir auch noch passiert war ist, das der Mikrofilterbeutel an den Rand vom Topf gestossen ist und kaputt ging. Was baut man dazwischen, das die Beutel nicht schmelzen? Danach war die ganze Brut so nass und pampig das ich sie entsorgen musste.
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Re: Schnellkochtopf

Beitrag von Ständerpilz » Montag, 23. Mai 2016 11:25

Hallo Trudchen,

ich mache das folgendermaßen: Je 100 g Roggen und 140 ml Wasser (ggf noch weitere Zusätze, wie etwas Gips oder Trester, Wassermenge muss dann angepasst werden) lasse ich über Nacht einweichen. Dann kommen die Gläser in den Dampfdrucktopf. Wichtig beim Dampfdrucktopf: Es muss ausreichend Wasser drin sein, darf aber die Gläser nicht berühren. Die Deckel der Gläser dürfen nur aufliegen, aber nicht geschlossen sein. Dann Deckel auf den Topf und Ventil noch offen lassen. Erhitzen bis nur noch Dampf aus dem Ventil tritt, die Luft also komplett raus ist. Dann Ventil schließen und Druck aufbauen. Wenn der Druck da ist, kann die Hitze reduziert werden. Ab jetzt läuft die Zeit. Wenn die Zeit um ist, den Dampfdrucktopf abkühlen lassen, bis der Druck sich abgebaut hat. Erst dann öffnen und die Gläser herausnehmen. Deckel der noch warmen Gläser schließen.

Die Beutel dürfen nicht zu groß sein. Auf jeden Fall muss sichergestellt sein, dass der Dampf auch zirkulieren kann. Wenn die ganze Zeit ausreichend Wasser drin ist, dann sollte es nichts ausmachen, wenn die Beutel die Topfwand berühren. Wenn das Wasser alle ist, wird der Topf inklusive Wände natürlich zu heiß. Nur die Körnerbrut, die wird dann nicht mehr ausreichend heiß, da der Wasserdampf das Medium ist, das die Hitze im Innenraum verteilt. Luft leitet Wärme sehr schlecht.

Grüße

Oliver
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Re: Schnellkochtopf

Beitrag von Trudchen800 » Donnerstag, 26. Mai 2016 14:23

Hab jetzt den Schnellkochtopf gekauft.
Grösser gab es nicht aus Edelstahl. Nur Aluminium und da waren die Bewertungen nicht so gut.

Lacor 71821 Schnellkochtopf 20 L
Dateianhänge
4112bD96r0L._SX425_.jpg
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Re: Schnellkochtopf

Beitrag von Ständerpilz » Donnerstag, 26. Mai 2016 14:41

Vielleicht noch erwähnenswert: Meiner Erfahrung nach ist oft Staunässe in den Roggengläsern verantwortlich für Kontaminationen. Das ist der Grund, warum ich die Körner über Nacht in den Gläsern einweichen lasse, bevor ich sie autoklaviere. Die Wassermenge muss natürlich auch genau stimmen.
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Re: Schnellkochtopf

Beitrag von Trudchen800 » Sonntag, 29. Mai 2016 08:28

Ja eben das ist der Haken. Wieviel Wasser auf wieviel Körner. Ich koche die Körner bis jetzt immer ab und lasse sie in einem Sieb abtropfen. Das was sie dann an Wasser aufgesogen haben muss reichen :D
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Re: Schnellkochtopf

Beitrag von Lauscher » Sonntag, 29. Mai 2016 17:47

Ich habe bei meinen ersten Getreideversuchen (Gerste) die Gerste mit heißem Wasser übergossen und 1 bis 3 Stunden stehenlassen. Nach dem Autoklavieren waren viele Körner geplatzt.

Jetzt mache ich das anders. Ich übergieße die Gerste mit kaltem (!) Wasser und lasse sie über Nacht stehen. Ich kann sie jetzt abtropfen lassen und autoklavieren, sie haben sich gut vollgesaugt, trotzdem platzen kaum noch Körner.

Ich gehe aber noch einen Schritt weiter: Nach dem ersten Einweichen gieße ich das Wasser so gut es geht ab, und fülle frisches nach. Am nächsten Tag gieße ich das ganze Wasser ab.
Jetzt noch 1 bis 2 Tage warten, und die Gerste keimt aus.
Gekeimte Gerste enthält viel mehr wertvolle Inhaltsstoffe als ungekeimte, während des Keimens wird die enthaltene Stärke in wertvolle Aminosäuren usw. umgewandelt. Außerdem hat das Korn jetzt eine Öffnung, in die der Pilz besser einwachsen kann.

Mit anderen Getreidearten sollte es genauso gehen.

Aus gekeimter Gerste wird in der Bierbrauerei Gerstenmalz hergestellt. Gerstenmalz ist bei Pilzen sehr beliebt, man denke nur an den Malzextrakt-Agar (MEA).

Viele Grüße, Martin
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Re: Schnellkochtopf

Beitrag von Trudchen800 » Dienstag, 31. Mai 2016 10:25

Das ist ja mal ne richtig gute Idee. Deine Körnerbrut durchwächst also viel schneller? Aber sie lässt sich dann nicht mehr so gut schütteln oder rieselt dann nicht mehr so gut?
Wenn die Gerste gekeimt hat, sterilisierst du die geplatzten Körner dann noch?
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Re: Schnellkochtopf

Beitrag von Lauscher » Dienstag, 31. Mai 2016 18:01

Wenn die Gerste gekeimt hat, sterilisierst du die geplatzten Körner dann noch?
Ich sterilisiere die gekeimte Gerste, ja.
Die Körner platzen jedoch nicht mehr beim sterilisieren! (Oder nur noch vereinzelt). Das Platzen passiert am ehesten mit Gerste, die heiß eingeweicht wurde.
Deine Körnerbrut durchwächst also viel schneller? Aber sie lässt sich dann nicht mehr so gut schütteln oder rieselt dann nicht mehr so gut?
Ob sie schneller durchwächst, weiß ich nicht unbedingt. Das Myzel kann die gekeimte Gerste aber viel besser verwerten als ungekeimte, eben wegen der Keimöffnung zum Eindringen und den zusätzlichen Aminosäuren.
Bei den bisherigen Versuchen habe ich bereits bei einer Keimlänge von 1 bis 3 mm autoklaviert. Das ist keine Beeinträchtigung beim Schütteln. Wartet man, bis die Keime mehrere Zentimeter lang sind, sind sie vielleicht noch schmackhafter für den Pilz, aber sicherlich schlecht zu schütteln, da die Keime sich ineinander verheddern würden.

Ich schüttele meine Kulturen gewöhnlich gar nicht, ich schaue dem Myzel lieber beim ungestörten Wachstum zu. :)
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Re: Schnellkochtopf

Beitrag von Trudchen800 » Donnerstag, 02. Juni 2016 09:26

Ich habe jetzt schon 2 Tag die Körner eingeweicht und Wasser jeden Tag erneuert. Es roch schon etwas anders. Heut giesse ich sie dann ab und morgen müssen die in den Schnellkochtopf. Brauche Futter zum nachfüttern für die Brut die ich geklont habe.
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