Probleme mit KS-Myzel #2

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Corr
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Probleme mit KS-Myzel #2

Beitrag von Corr » Montag, 17. Oktober 2016 18:38

Hallo Pilzfreunde,
leider missglückt mir der Start in die Pilzzucht noch immer. Ich versuche mich an Kräuterseitlingen. Beim ersten Durchlauf habe ich einige Fehler gemacht, die ich dieses mal vermeiden konnte (meiner Meinung nach). Der Plan war, an einem kleinen Ansatz Fruchtung usw. zu testen, und den zweiten mit einer größere Charge Substrat zu vermischen.
Das Substrat ist nicht 100%ig das von Stamets, das lag allerdings nur am zu kleinen Behältnis. Ich habe 45g Chipsi Streu mit 30g Sägemehl, 15 g Haferkleie und 5g Gips mit Wasser versetzt und vermengt (keine Pfützen am Boden, selbst nach Wochen). Dann wurde mit unsterilem, aus gekaufter Brut hergestelltem Flüssigmyzel beimpft und im Dunkeln in Plastikdosen mit Luftlöchern und Filter bei Zimmertemperatur stehen gelassen.
Da das Myzel nach ca. 3 Wochen sehr fisselig (eher wie Staubmäuse und gar nicht flauschig) aussah, habe ich noch einen feuchten Lappen in die Plastikbox gelegt. Nachdem sich auf diesem bunte Flecken gebildet haben, wurde er entfernt. Jetzt, nach 4 Wochen wollte ich endlich die Kuchen befreien. Es ist schon wieder eine kleine Ecke komplett unbewachsen, neben dem üblichen Pilzpipi sehe ich noch weitere dunkelgelbe Verfärbungen des Myzels. Allerdings scheint mir das gesamte Substrat eher mäßig durchwachsen zu sein, das Myzel ist auf der Oberfläche sehr dünn und das Substrat bröckelt leicht.
Was mache ich falsch oder werfe ich einfach die Flinte zu voreilig ins Korn? Ich habe mich zwar sehr ausführlich informiert, allerdings werde ich das Gefühl nicht los, dass ich ganz blöde Fehler begehe...

Diese Serie an Misserfolgen raubt mir etwas die Freude am Thema :(
Falls Bilder zur Diagnose nötig sind liefer ich noch welche nach. Allerdings kann ich nur welche vom Ist-Zustand machen.

Gruß.
Ushiab
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Re: Probleme mit KS-Myzel #2

Beitrag von Ushiab » Dienstag, 18. Oktober 2016 13:49

Guten Tag,
haben sie das Streu etc-Gemisch sterilisiert oder wenigstens mit kochendem Wasser vermengt?
Das könnte meiner Meinung nach die einzige Schwachstelle sein,
ansonsten könnte es am Flüssigmycel liegen...?
Grüßle und nicht aufgeben!
Simon
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Re: Probleme mit KS-Myzel #2

Beitrag von Corr » Dienstag, 18. Oktober 2016 14:08

Hey Simon,
natürlich wurde das Substrat im DDK sterilisiert. Mit unsterilem Flümi meinte ich, dass die Entnahme ohne besondere Vorkehrungen an der Luft geschehen ist und ich es leider ohne Kanüle einfach auf die oberste Schicht gegeben habe. Da die Verfärbungen in den letzten 5 Tagen entstanden sind, nehme ich nicht an, dass durch das Flümi Kontis eingetragen wurden.
Ich verstehe bloß nicht, warum das entstandene Myzel so schwach ist und nur langsam wuchs. Nehme ich einfach zu wenig Brut/Myzel? 1mL Flümi auf 450 mL Substrat klingt auf dem Papier wenig, aber der Vorteil an Flüssigmyzel soll doch sein, dass es deutlich aktiver ist?!

Gruß
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mariapilz
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Re: Probleme mit KS-Myzel #2

Beitrag von mariapilz » Mittwoch, 19. Oktober 2016 09:22

Hy,

eine "fusselbildung" konnte ich bei der Herstellung meines myzels beobachten. Ich habe anfangs immer ohne gibs gearbeitet (erfolgreich), aber weil man überall liest, dass man gibs dazumischt habe ichs mal ausprobiert. Mit dem ergebnis das sich das myzel nicht gleichmäßig ausgebreitet hat. Teilweise waren verdichtete knötchen zu erkennen und teilweise dünn besiedelt.

Habe ich den gibs nicht gut genug daruntergemixt? War das Hendlfutter zu dicht?
In meiner Gegend haben wir hartes wasser 12-14. Vielleicht ist das von Bedeutung?

Aktuell teste ich an substratsäcken. Ks: sustratgrundlage: stroh mit 15-20% myzel. Ich verwende deshalb so viel myzel weil es auch gleich mein zuschlagstoff ist. Hendlfutter bio. Einigen säcken habe ich noch gibs hinzugefügt und einigen säcken gibs und kalk und einigen nixi. Bisher konnte ich aber noch keine Unterschiede feststellen. (Seit 6.10 wachsen die jetzt durch).

..... nur eine Möglichkeit.....lg
maria
Ständerpilz
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Re: Probleme mit KS-Myzel #2

Beitrag von Ständerpilz » Donnerstag, 20. Oktober 2016 10:43

Corr hat geschrieben:natürlich wurde das Substrat im DDK sterilisiert. Mit unsterilem Flümi meinte ich, dass die Entnahme ohne besondere Vorkehrungen an der Luft geschehen ist und ich es leider ohne Kanüle einfach auf die oberste Schicht gegeben habe.
Beides würde ich nicht tun! Die Pilzkultur steht in Konkurrenz zu den natürlich vorkommenden (Schimmel-)Pilzen und daher sollte möglichst sauber und steril gearbeitet werden, bis das Substrat durchwachsen ist. Flüssigmycel einfach oben drauf zu geben ist sicherlich auch nicht optimal. Auf Flüssigmycel und Agar wächst alles möglich in kürzester Zeit. Da Schimmelpilzsporen quasi immer in der Luft herumfliegen, sollte man keinesfalls so vorgehen, sondern besser das Innere des Substrats gleichmäßig beimpfen. Zum Beispiel, in einem sauberen Eimer oder einer frischen Plastiktüte.

Ich mache es z.B. (bei Austernpilz) so, dass ich das Substrat in einem etwas zu großem Beutel mit der richtigen Menge heißem Wasser übergieße, den Beutel verschließe und den Inhalt vermische. Dann kommt der Beutel in eine Styroporbox zum langsameren Abkühlen (muss vermutlich nicht sein). Wenn das Substrat komplett abgekühlt ist (am nächsten Tag), dann beimpfe ich es und verteile das Mycel, indem ich das dann noch mal durchmische. Der Beutel bleibt dabei zu! Da Pilze auch Luft brauchen, kommen dann noch sehr viele kleine Löcher in den Beutel (ich nehme dafür oft eine alte Kanüle).
Corr hat geschrieben:Nehme ich einfach zu wenig Brut/Myzel? 1mL Flümi auf 450 mL Substrat klingt auf dem Papier wenig, aber der Vorteil an Flüssigmyzel soll doch sein, dass es deutlich aktiver ist?!
Je unsteriler man arbeitet, desto größer sollte das Inokulum sein. Und wie schon gesagt: das Myzel sollte gut verteilt werden. Entweder durch Mischen des Substrats mit dem Myzel oder durch Beimpfen z. B. mit einer Myzelspritze an mehreren (möglichst vielen) Stellen.

Grüße

Oliver
Corr
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Re: Probleme mit KS-Myzel #2

Beitrag von Corr » Sonntag, 23. Oktober 2016 11:57

Hallo Oliver,
eigentlich wollte ich komplett steril arbeiten, aber die Myzelfäden haben die Kanüle hoffnungslos verstopft :(
Habe ich dich richtig verstanden, dass du das Substrat nicht sterilisieren willst? Das steht doch im Widerspruch mit deiner Grundaussage?!
Für einen letzten Versuch werde ich die Tipps aber beherzigen, vielen Dank =)

Gruß
Ständerpilz
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Re: Probleme mit KS-Myzel #2

Beitrag von Ständerpilz » Sonntag, 23. Oktober 2016 13:17

Hallo,
Corr hat geschrieben:eigentlich wollte ich komplett steril arbeiten, aber die Myzelfäden haben die Kanüle hoffnungslos verstopft :(
Ja, das ist ein bekanntes Problem, dem auf unterschiedliche Art und Weise begegnet wird. Manche tun Glassplitter in die Spritze, so dass das Mycel durch Schütteln zerkleinert wird. Ich habe das bislang nie so gemacht. Manche gehen hin und zerkleinern das Mycel vorher, z. B. indem man es kurz mit einem Stabmixer behandelt. Man darf aber nicht vergessen, dass das Mycel auch in der Spritze wieder wachsen kann, gerade wenn es in normalem Medium ist und nicht kühl gelagert wird oder lange aufbewahrt. Natürlich sollte man so oder so eine Kanüle wählen, deren Querschnitt möglichst groß ist. Man könnte auch auf die Kanüle verzichten und ein passendes Röhrchen oder einen kleinen Schlauch aufsteckt. Man muss halt improvisieren. ;)
Habe ich dich richtig verstanden, dass du das Substrat nicht sterilisieren willst? Das steht doch im Widerspruch mit deiner Grundaussage?!
Was heißt wollen ... ich habe keine Möglichkeit die Substratsäcke zu autoklavieren, da mein DDKT dafür zu klein ist. Ferner nutze ich derzeit ganz einfache Gefrierbeutel, die diese Temperaturen ohnehin nicht aushalten. Daher begnüge ich mich mit "Pasteurisieren" (Übergießen mit heißem Wasser). Das ist bei Strohpellets auch kein Problem und klappt bei mir sehr gut. Das liegt zum einen daran, dass Stroh nicht so schnell von Kontaminanten besiedelt wird, wie Nährmedium oder feuchtes Getreide (Roggensubstrat). Zum anderen sind diese Pellets recht sauber und heißes Wasser tötet auch schon einiges ab.

Wer Strohballen verwendet (definitiv zu groß für DDKT oder Autoklav), der kann diese auch fermentieren. Das stinkt aber (ähnlich wie Brennesseljauche) und dauert länger. Aerobe Bakterien sollten dann nicht mehr vorhanden sein. Das Ergebnis ist dann auch nicht steril, aber für die Pilzzucht ausreichend.

Für mich in meiner kleinen Stadtwohnung ist das Pasteurisieren von Strohpellets die Methode der Wahl.

Stauwasser ist im übrigen immer zu vermeiden! Ob bei Körnerbrut oder bei Substratsäcken. Die Saugfähigkeit kann sich je nach Hersteller geringfügig unterscheiden, daher sollte man Rezepte ggf. anpassen. Wenn du also Stauwasser hast, dann reduziere die Wassermenge ein klein wenig.

Kräuterseitlinge brauchen zudem für die Fruchtung einen Kälteschock, wenn ich mich recht entsinne. Ebenso die Winter-Auster. Aber dafür muss dein Substrat natürlich erst mal komplett mit dem jeweiligen Mycel besiedelt sein.

Grüße

Oliver
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