Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

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Berni
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Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

Beitrag von Berni » Mittwoch, 09. November 2016 12:29

Ich habe mit dem Myzelwachstum des Austernseitling folgendes Problem.
Erst mal der Reihe nach.

-Sporenabdruck von einem wilden Austernseitling genommen (letztes Jahr)
-Sporen wurden trocken und dunkel gelagert.
-Vor einigen Wochen dann die Sporen im Inkubator auf Malzagar bei 24°C inkubiert.
-Das best durchwachsene Myzel einer Petrischale auf mehrerer Gläser mit Körnersubstrat verteilt.

(Körnersubstrat, 1/3 Gerstenmalz, 1/3, Weizenmalz, 1/3 Gerste. 48 std. eingeweicht und im Autoklav sterilisiert)
Die Verwendung von Malz erschien mir logisch, da das Malz schon enzymatisch vorgelöst und deren Nährstoffe
somit einfacher zu erreichen sind.)

-Gläser mit Körnersubstrat im Inkubator bei exakt 24°C. Deckel geschlossen, keine Luftlöcher.
(Löcher im Deckel erscheinen mir unlogisch, da es ein Kontaminationsrisiko darstellt und nicht dem Sauerstoffeintrag
dienen kann, da Co2 schwerer als Luft ist und es somit nicht zu einem Gasaustausch im Glas kommen kann.

-Die Gläser wurden während der Inkubationszeit locker verschraubt, damit ein evtl. Überdruck entweichen kann.

-Das Myzel hat nach ca. einer Woche das Körnersubstrat etwa halb durchwachsen und hat das Wachstum dann eingestellt.

Meine Vermutung: Ein vermutlich monokaryotisches Myzel, das nach gewisser Zeit das Wachstum einstellt.
Oder, (obwohl es mir weniger logisch erscheint) der CO2 Gehalt im Glas ist zu hoch.

Ps. Unter dem Mikroskop kann ich keine Schnallen an den Septen erkennen, also vermutlich monokaryotisch.

Sind meine Vermutungen richtig?

Vielen Dank schon mal.
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Lauscher
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Re: Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

Beitrag von Lauscher » Mittwoch, 09. November 2016 12:53

Hallo Bernie, willkommen im Forum!
Das Myzel hat nach ca. einer Woche das Körnersubstrat etwa halb durchwachsen und hat das Wachstum dann eingestellt.
Diesen Effekt kenne ich hauptsächlich durch Luftmangel. Ich bin dazu übergegangen, ein Loch ins Gefäß zu machen und es vor dem Autoklavieren mit Aquarienfilterwatte zu stopfen. Der minimale Luftaustausch macht einen riesigen Unterschied.
Meine Vermutung: Ein vermutlich monokaryotisches Myzel, das nach gewisser Zeit das Wachstum einstellt.
Sehr unwahrscheinlich. Bei Sporenkeimung keimen entweder massig viele oder gar keine Sporen. Daß nur eine einzige keimt, ist weniger wahrscheinlich als ein Lottohauptgewinn.

Alternativ kenne ich den Stop von Myzelwachstum, wenn sich im übrigen Bereich des Substrates eine Konti ausgebreitet hat, in die der Pilz nicht hineinwächst. Im Falle von Bakterien und manchen Hefen ist das optisch oft kaum zu erkennen, und erst eine Geruchsprobe gibt Klarheit.
Ps. Unter dem Mikroskop kann ich keine Schnallen an den Septen erkennen, also vermutlich monokaryotisch.
Dazu kann ich erst einmal nichts sagen.

In Deinem Fall glaube ich an Luftmangel. Als Abhilfe kannst Du vielleicht die Deckel minimal aufschrauben, mit der Hoffnung, daß keine Kontis hineingeraten.

Viele Grüße, Lauscher
Ständerpilz
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Re: Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

Beitrag von Ständerpilz » Mittwoch, 09. November 2016 13:30

Hallo Bernie,

theoretisch magst du Recht haben. CO2 ist in der Tat schwerer als Sauerstoff, jedoch ist ausreichend Belüftung beim Austernpilze sehr wichtig. Nicht fest aufgeschraubte Deckel sollten jedoch ausreichen. Besser sind Filterdeckel, also im einfachsten Fall ein Loch im Deckel, welches mit Watte oder einem Zigarettenfilter verschlossen wird (wie Martin schon sagte).

Monokaryotisch Mycel ist theoretisch möglich. Du müsstest das eigentlich wissen, schließlich hat du die Platte gesehen. Wenn du tatsächlich nur wenige Sporen pro Platte hattest und das Mycel überimpft hast, bevor es auf ein anderes trifft, dann kann das schon sein. Dass keine Schnallen entdecken konntest, ist zumindest ein Indiz, welches dafür spricht.

Ob dein Körnerbrut gut ist, ist zumindest zweifelhaft. Das besteht ja zum Großteil aus Zucker. Immerhin scheint der Zuckergehalt hoch zu sein, dass er schon vor bakterieller Kontamination schützen sollte. ;)

Grüße

Oliver
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Re: Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

Beitrag von Berni » Donnerstag, 10. November 2016 11:10

Hallo Lauscher und Ständerpilz,

vielen Dank für eure schnelle Antwort und Expertenmeinung.

Wie schon geschrieben sieht es mikroskopisch zumindest nach einem monokaryotischen Myzel aus.
Aber es entzieht sich leider meiner Kenntnis, wann sich das Myzel einer ausgekeimten Spore mit einem
Myzel gegensetzlichen Paarungstysp verbindet, bzw. das junge monokaryotische Myzel das Auskeimen benachbarter Sporen evtl. sogar hemmt ,bevor es sich mit einem entfernten Myzel des anderen Paarungstypes verbindet. (soweit ein Myzel des anderen Paarungstyps vorhanden ist)
Aber selbst wenn dass so wäre, ist es fraglich warum das monokaryotische Myzel sein Wachstum einstellen sollte?
Ich bin mir mit meiner Hypothese natürlich absolut nicht sicher und werde das auch mal genauer beobachten.

Einen Sauerstoffmangel habe ich aber auf euer Anraten jetzt trotzdem mal in Betracht gezogen.
Ich habe also unter hygienischen Bedingungen zwei kleine Löcher gegenüberliegend in die Deckel gemacht
und eine abgeschnittene sterile 3ml Einwegpipette mit Zigarettenfilter in die Löcher gesteckt.
Das funktioniert ganz gut, weil sich das konische Ender der Pipette dicht an das Loch anpressen lässt.
Die Gläser habe ich liegend in den Inkubator gestellt, weil ich davon ausgehe dass das CO2 so besser nach unten entweichen kann.
......mal sehen was sich in den nächsten Tagen tut.
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P1023_10-11-16.JPG
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Re: Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

Beitrag von Ständerpilz » Donnerstag, 10. November 2016 12:02

Hallo Bernie,

an Ausrüstung scheint es dir ja nicht zu mangeln! Arbeitest du in der Biologie?
Wie bist du auf dein Rezept für die Körnerbrut gekommen?
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Re: Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

Beitrag von Berni » Donnerstag, 10. November 2016 13:49

Hallo Ständerpilz,
nein ich bin kein Biologe, "nur" Produktionsleiter einer Brauerei und daher viel mit der mikrobiol. Qualitästkontrolle
beschäftigt. Privat aber Pilzsammler und mikroskopiere die Pilze oft zur Bestimmung.
Mit der Zucht beschäftige ich mich erst seit kurzem, wobei es mir im Moment weniger um den Erfog geht, als um das Verständnis.
Meine Körnerbrutzusammensetung hat keinen besonderen Grund. Ausser das ich die Grundstoffe hier zu Verfügung habe.
Ich werde aber ganz sicher auch noch einige Spezialmalze mal einzeln durchtesten.

Grüße, Bernhard
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Re: Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

Beitrag von mariapilz » Freitag, 11. November 2016 10:11

Hello Bernie

Was ist das für ein Gerät-dein inkubator? Welche Bedingungen herrschen dort?

Lg maria
Ständerpilz
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Re: Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

Beitrag von Ständerpilz » Freitag, 11. November 2016 13:46

Hallo Bernhard,
Berni hat geschrieben:nein ich bin kein Biologe, "nur" Produktionsleiter einer Brauerei
Dann ist die Weihnachtsfeier des Forums ja schon mal gerettet! ;) Ich arbeite an einer Uni in der Biologie als Techniker.
und daher viel mit der mikrobiol. Qualitästkontrolle
beschäftigt. Privat aber Pilzsammler und mikroskopiere die Pilze oft zur Bestimmung.
Mit der Zucht beschäftige ich mich erst seit kurzem, wobei es mir im Moment weniger um den Erfog geht, als um das Verständnis.
Ich denke, du hast denkbar gute Voraussetzungen für den Erfolg!
Meine Körnerbrutzusammensetung hat keinen besonderen Grund. Ausser das ich die Grundstoffe hier zu Verfügung habe.
Ich werde aber ganz sicher auch noch einige Spezialmalze mal einzeln durchtesten.
An deiner Stelle würde ich mit einem verbreiteten Rezept anfangen. Ich verwende für die Körnerbrut meist einfach nur Roggen mit Wasser: 100 g Roggen und genau 130 ml Wasser (aus der Leitung), über Nacht einweichen lassen und dann autoklavieren. Geplant ist bei mir allerdings noch die Zugabe von Vermiculite, das sorgt für gute Belüftung und der Roggen lässt sich hoffentlich besser schütteln. Ferner eignet sich Vermucilte als Wasserspeicher, z. B. wenn man Kulturen nach der ersten Welle taucht. Pilze bestehen ja, wie wir auch, zum Großteil aus Wasser.

Zurück zu deiner Körnerbrut: Ausgehend vom "Standardrezept" kannst du ja verschiedene Zuschläge ausprobieren und mit anderen Ansätzen vergleichen. Ich würde da aber nur schrittweise vorgehen und einzelne Zutaten austauschen. Ob nun ein anderes Getreide oder Zuschlagstoffe, wie Kaffeetrester, Gips oder ähnlichem. Falls der Zuschlagsstoff den pH-Wert ändert, sollte man den pH am besten einstellen und/oder extra erfassen, um auszuschließen, dass eine Verbesserung/Verschlechterung nur auf den pH zurückzuführen ist. Die Mengen bei Rezepten würde ich genau erfassen, also Gewicht anstatt Volumen. Gerade Wasser ist penibel genau zu dosieren.

ich würde gerne auch wesentlich mehr "forschen", aber im Moment ruht die Pilzzucht bei mir beinahe komplett wegen anderer Dinge. Dazu kommt, dass es relativ aufwendig ist, wenn es über das bloße Ausprobieren hinaus kommen soll: da sollten dann ausreichend Ansätze parallel gefahren werden, um tatsächliche Aussagekraft zu bekommen. Und 30 Gläser sind einfach mehr Aufwand als nur drei. Zumal man ja alles mögliche ausprobieren kann. Ich persönlich würde gerne ein paar Versuche für die Pilzbeleuchtung durchführen, wenn ich dafür Zeit und Geld übrig habe. Im Moment bin ich aber froh, wenn ich überhaupt ein paar Pilze ernten kann, da ich bis vor kurzem noch Probleme mit Trauermücken hatte. Dagegen setze ich jetzt Bt-Toxin ein, habe aber jetzt viele Kontaminationen gehabt und ich weiß noch nicht genau wieso. Nächstes Jahr wird es hoffentlich besser. :) Vielleicht lege ich mir dann ja auch doch wieder eine Sterilbank zu.
mariapilz hat geschrieben:Was ist das für ein Gerät-dein inkubator? Welche Bedingungen herrschen dort?
Sieht aus wie ein Standard-Inkubator von Heraeus. Die halten nur eine konstante Temperatur, die einstellbar ist. Bernhard schrieb etwas von 24°C.

Grüße

Oliver
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Re: Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

Beitrag von Berni » Montag, 14. November 2016 13:35

Hallo Maria und Oliver,

ich nutze natürlich den Inkubator der Brauerei, der macht aber auch nichts besonderes ausser die Temperatur
exakt zu halten (24°C)
P1000[01]_14-11-16.JPG
Das Körnersubstrat scheint bei der Bebrütung schon in einem sehr frühen Wachstumsstadion mit zu viel CO2
angereichert zu sein.
Nachdem ich jetzt eine Be/Entlüftung angebracht habe, hat sich das Myzel rasant vermehrt und das Körnersubstrat
in wenigen Tagen durchwuchert.
P1004_14-11-16.JPG
Ob das verwenden verschiedener Malze als Körnerfrucht das richtige ist, kann ich nur mutmaßen.
Nur gehe ich als Braumeister naturgemäß mal davon aus, was für die Bierhefe gut ist wird auch für das Pilzmyzel nicht
schlecht sein. Mal abgesehen davon, dass die Hefezelle ihre vegetative Vermehrung zwar bei Sauerstoffmangel
auch einstellt, aber unter CO2 Atmosphäre nicht die Ohren hängen lässt.
Evtl. ist das beim Pilzmyzel ja auch so, das wäre sehr hilfreich im Kampf gegen Schimmelkontaminationen.
......muss ich mal testen.

Ausserdem habe ich heute mal die gleiche Körnermischung aber mit einem anderen Wasser angesetzt.
Ich habe dazu vollentsalztes Wasser mit 10°dH CaCl2 aufgehärtet und noch 7mg/l Zinksulfat dazu gegeben.
Das Malz hat laut Analyse einen pH von ca.5,8 . Durch das aufgehärtete Wasser mit Kalziumchlorid wohl noch etwas niedriger
also evtl. pH 5,6. Das wäre für eine Brauhefe schon mal ideal. Mal sehen ob es dem Myzel auch gefällt.
Das Zink in form von Zinksulfat habe ich in der Brauerei, und weil Zink ja jedem Organismus gut tut, habe ich das mal dazu gegeben.
Ich habe aber auch noch andere Sachen um eine Hefe aufzupeppen....werde ich auch noch testen.

Der Einsatz von Bt-Toxin gegen die Trauermücken ist ein guter Tipp, im kleinen Maßstab würde es vermutlich auch einmal
mit einer CO2 "Dusche" versuchen.

Grüße, Bernhard
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Re: Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

Beitrag von Lauscher » Montag, 14. November 2016 15:12

Hallo Bernie,
Nachdem ich jetzt eine Be/Entlüftung angebracht habe, hat sich das Myzel rasant vermehrt und das Körnersubstrat
in wenigen Tagen durchwuchert.
Sehr schön! Bei mir wird deutlich weniger belüftet (nur eine Öffnung, und von oben). Mit zwei Öffnungen und liegend, wie Du es gemacht hast, dürfte der Luftaustausch noch einmal erheblich besser sein.
Ob das verwenden verschiedener Malze als Körnerfrucht das richtige ist, kann ich nur mutmaßen.
Die meisten Pilze lieben Malz! Ein Standardnährboden für Petrischalen in der Pilzzucht ist Malzextraktagar.
Evtl. ist das beim Pilzmyzel ja auch so, das wäre sehr hilfreich im Kampf gegen Schimmelkontaminationen.
......muss ich mal testen
Interessanter Gedanke - Lebensmittel in CO2 zu baden, um Schimmelbefall zu vermeiden. Könnte funktionieren!
Das Malz hat laut Analyse einen pH von ca.5,8 . Durch das aufgehärtete Wasser mit Kalziumchlorid wohl noch etwas niedriger
also evtl. pH 5,6. Das wäre für eine Brauhefe schon mal ideal. Mal sehen ob es dem Myzel auch gefällt.
Mit PH-Werten in der Pilzzucht habe ich mich erst wenig beschäftigt. Pauschal mögen viele Pilzarten wohl ein leicht saures Milieu, nur wenige bevorzugen basisches Milieu.
Das Zink in form von Zinksulfat habe ich in der Brauerei, und weil Zink ja jedem Organismus gut tut, habe ich das mal dazu gegeben.
Ich habe aber auch noch andere Sachen um eine Hefe aufzupeppen....werde ich auch noch testen.
Ich bin gespannt auf Deine Berichte! Zuschlagstoffe in der Pilzzucht sind ein Gebiet, wo es noch einiges zu entdecken gibt.

Viele Grüße, Martin
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Re: Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

Beitrag von mariapilz » Montag, 14. November 2016 17:29

Ich habe öfters von biertreiber als zusatzstoff gelesen.

Aus einem buch: ph substrat pioppino zw. 3, 8 - 7, 6. Auch fruchtkörperbildung erfolgt hier.
Ks: optimal sind ph 6, 0 - 7, 5 durchwachsphase. Fruchtkörperbildung 5, 5 - 6, 5 weizenstroh steht in klammer.
Ostreatus: zum Zeitpunkt der fruchtung +-5ph

Ich bin auch auf deine Experimente gespannt.
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Re: Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

Beitrag von Berni » Dienstag, 15. November 2016 10:24

Hallo Maria und Martin,

vielen dank für die Info über die pH Werte.
Mir kommt diese Spanne von pH 3,8 -7,6 aber extrem hoch vor.
Da liegen ja Welten dazwischen......also irgendwo zwischen Haushaltsessig und schwacher Base.
Das überrascht mich deshalb, weil ich es gewohnt bin mit pH Verschiebungen im zehntelbereich zu
arbeiten.
Mich wundert es auch, dass der pH überhaupt in den basischen Bereich geht, was in der Natur
und auch bei Böden ja eher eine Ausnahme ist.
Ich halte mich da lieber im schwachsauren Bereich von ca. pH 5,5 - 6,5
Ein exaktes Einstellen des pH im Substrat wird sowieso schwierig, weil man nicht genau weiß wie stark
das Substrat den pH Wert puffern kann.
Ich werde zum einweichen des Substrates ein nicht zu weiches aber natriumarmes Wasser verwenden vorzugsweise
vorher mit Gips oder Kalziumchlorid noch etwas aufhärten und den pH dann mit HCL oder Milchsäure auf pH 6,0 einstellen.
Falls Hydrogenkarbonate im Wasser sind, wäre aber HCL (Salzsäure) wohl besser.
Ist ja auch kein großer Aufwand, und die Sachen gibt ja in der Apotheke.(oder jeder Dorfbrauerei)

Dass CO2 die Schimmelbildung verhindert ist eine Tatsache, die Frage ist nur ob man die bereits "keimenden" Schimmelsporen
mit CO2 ausschalten kann, OHNE das Pilzmyzel zu schädigen.
Ich möchte versuchen das Körnersubstrat mit Myzel UND Schimmelsporen zu beimpfen und nach einen Tag mit CO2 zu begasen.
Den Schimmel abzutöten wird wohl nur dann möglich sein, wenn man die Schimmelspore in seiner vegetativen Phase erwischt, weil
sich die Spore und ebenso neu gebildete Sporen NICHT von der CO2 beeindrucken lassen.
Es kommt also auf das Zeitfenster der CO2 Behandlung an, und wie schon geschrieben alles unter der Vorraussetzung
dass das Myzel die Behandlung übersteht. Und wie lange übersteht das Myzel eine reine CO2 Atmosphäre? ....hmm? einen Tag, oder einige Stunden? ....werde ich mal testen.

Dass sich Würzeagar als Nährmedium für das Pilzmyzel eignet, veranlasst mich ja auch zu der Annahme
das die Bierhefe sehr ähnliche Bedürfnisse hat wie das Pilzmyzel.
Ich verwende ebenfalls Würzeagar und habe das auch vorrätig in der Brauerei.
(ich beziehe vorgefertigtes Würzeagar in 250ml Flaschen von der DOEMENS Akademie, Gräfelfing )
...kostet ca. 10.-€ pro 250ml Flasche.

Weil ich gerade dabei bin das Körnersubstrat zu sterilisieren, habe ich hier ein Anwenderbeispiel
zur Belüftung der Gläser mal dokumentiert. (sterile Einwegpipette und Zigarettenfilter)
Normal unter hygienischen Bedingungen Handschuhe,desinfizierte Unterlage, etc.
Die Bilder sind nur zum Verständnis.
P0938_15-11-16.JPG
die fertigen Filtereinsätze.
P0939_15-11-16.JPG
Die Filtereinsätze stecke ich sofort nach dem öffnen des Autoklaven in die Löcher der Deckel.
Wahrscheinlich könnte ich die Einsätze auch mit autoklavieren, aber dann werden die Zigarettenfilfer feucht.
Und da es sich sowieso um sterile Einwegpipetten handelt, wird es auch nicht notwendig sein.
P0941_15-11-16.JPG
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Re: Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

Beitrag von Ständerpilz » Dienstag, 15. November 2016 11:11

Das wusste ich noch nicht, dass man Schimmel mit CO2 bekämpfen kann. Bei Trauermücken hilft das gut. Da reicht es sogar, das Glas ein paar Tage zuzuschrauben, da der Pilz ausreichend O2 verbraucht und CO2 produziert.

Ich bin gespannt auf deine weiteren Versuche! :)
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Re: Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

Beitrag von Lauscher » Dienstag, 15. November 2016 12:34

Dass CO2 die Schimmelbildung verhindert ist eine Tatsache, die Frage ist nur ob man die bereits "keimenden" Schimmelsporen
mit CO2 ausschalten kann, OHNE das Pilzmyzel zu schädigen.
[...]
Es kommt also auf das Zeitfenster der CO2 Behandlung an, und wie schon geschrieben alles unter der Vorraussetzung
dass das Myzel die Behandlung übersteht. Und wie lange übersteht das Myzel eine reine CO2 Atmosphäre? ....hmm? einen Tag, oder einige Stunden? ....werde ich mal testen.
Ich kann sagen, daß Myzel über Jahre ohne Frischluft auskommt. Ich habe Kulturen in luftdichten Gefäßen über Jahre aufbewahrt und erfolgreich reanimiert. Es stellt einfach nur das Wachstum ein. Es waren PP-Dosen, einen allerwinzigsten Austausch durch das Plastik hindurch, oder durch den Kontaktbereich Deckel/Dose, wäre noch denkbar.
Ich möchte versuchen das Körnersubstrat mit Myzel UND Schimmelsporen zu beimpfen und nach einen Tag mit CO2 zu begasen.
Den Schimmel abzutöten wird wohl nur dann möglich sein, wenn man die Schimmelspore in seiner vegetativen Phase erwischt, weil
sich die Spore und ebenso neu gebildete Sporen NICHT von der CO2 beeindrucken lassen.
Der Zeitpunkt kurz nach der Sporenkeimung ist der einzige, den ich als potenziell erfolgreich für CO2-Behandlung ansehen würde, wie Du ja auch sagst. Problematisch sehe ich, daß Sporen nicht immer zeitgleich keimen, sondern einige erst später oder viel später. Ich hatte schon Schimmelbildung erst nach Monaten in autoklavierten (nicht beimpften) Substraten.

Bereits etablierter Schimmel wird sich wahrscheinlich nur bremsen, aber nicht abtöten lassen, so wie Kulturmyzel auch.

Einen Unterschied mag es geben zwichen "Pilz hat Luft verbraucht" und "Tränken in reines CO2". Verbrauchte Luft enthält nur eine begrenzte Menge CO2. 100% CO2 aus der Flasche könnte aggressiver wirken.

Versuch mach kluch! Da der Schimmel eines der größten Probleme in der Pilzzucht ist, ist es immer gut, neue Wege auszutesten. Autoklavieren ist zwar die sicherste Methode, aber auch sehr energie- und zeitaufwändig, und für größere Mengen eher ungeeignet.
Hinzu kommt, daß Schimmel kaum noch eine Chance hat, wenn sich das Kulturmyzel erst einmal etabliert und gut ausgebreitet hat. In dem Sinne in Schimmelbekämpfung oder -unterdrückung nur solange wirklich wichtig, bis das Myzel das Substrat erobert hat.
Dass sich Würzeagar als Nährmedium für das Pilzmyzel eignet, veranlasst mich ja auch zu der Annahme
das die Bierhefe sehr ähnliche Bedürfnisse hat wie das Pilzmyzel.
Ich verwende ebenfalls Würzeagar und habe das auch vorrätig in der Brauerei.
(ich beziehe vorgefertigtes Würzeagar in 250ml Flaschen von der DOEMENS Akademie, Gräfelfing )
...kostet ca. 10.-€ pro 250ml Flasche.
Das klingt günstig. Meint Würzeagar = Malzextraktagar, oder gibt es da noch Unterschiede bzw. weitere Zutaten?.

Viele Grüße, Martin
Berni
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Re: Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

Beitrag von Berni » Mittwoch, 16. November 2016 12:01

Hallo Martin und Oliver,
Der Zeitpunkt kurz nach der Sporenkeimung ist der einzige, den ich als potenziell erfolgreich für CO2-Behandlung ansehen würde, wie Du ja auch sagst. Problematisch sehe ich, daß Sporen nicht immer zeitgleich keimen, sondern einige erst später oder viel später. Ich hatte schon Schimmelbildung erst nach Monaten in autoklavierten (nicht beimpften) Substraten.
Da hast du Recht, das habe ich nicht bedacht. Das macht es schwierig ein Zeitfenster für die Behandlung zu finden.
Das klingt günstig. Meint Würzeagar = Malzextraktagar, oder gibt es da noch Unterschiede bzw. weitere Zutaten?.
Grundsätzlich ist es das selbe. "Würze" nennt man in der Brauerei den Malzauszug. Die Maische (Malzschrot+Wasser) wird nach der Maischarbeit gefiltert (geläutert), man erhält dann Würze + Treber.

Das Malzextrakt Agar wird also aus einer aufkonzentrierte Würze gewonnen.
Das Würze-Agar hat exakt die gleichen Inhaltsstoffe, (könnte aber evtl. auch noch Hopfenbestandteile enthalten.)
...genauer gesagt Iso-Alpha-Säure, diese hemmt gram-positive Bakterien.
(der Anteil an Iso-Alpha-Säure aus dem Hopfen ist in der Würze allerdings sehr gering, ca. 2-3mg/Liter (2-3g/ 100 liter)

Ob im Malzextrakt Agar sprich Würze Agar, auch Hopfenbestandteile enthalten sind, müsste ich mal bei DOEMENS nachfragen.
Wobei, man würde die Bittere ja auch schmecken.......hmm! ...habs noch nie gegessen....
Aber eigentlich spielt es für unsere Zwecke zur Myzel-Kultivierung überhaupt keine Rolle.

Aber Moment, wenn ich in der Brauerei eine gesamte Keimbelastung mit Würze Agar nachweisen will, darf es keine Hopfenbestandteile enthalten, sonst erfasse ich die gram-positiven Bakterien ja nicht.
Heiliger Strohsack, jetzt muss ich doch mal nachfragen........
Aber wie gesagt, uns kann das "Wurscht" sein !

Gruß, Bernhard
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