Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

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Lauscher
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Re: Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

Beitrag von Lauscher » Mittwoch, 16. November 2016 12:35

Der Zeitpunkt kurz nach der Sporenkeimung ist der einzige, den ich als potenziell erfolgreich für CO2-Behandlung ansehen würde, wie Du ja auch sagst. Problematisch sehe ich, daß Sporen nicht immer zeitgleich keimen, sondern einige erst später oder viel später. Ich hatte schon Schimmelbildung erst nach Monaten in autoklavierten (nicht beimpften) Substraten.
Da hast du Recht, das habe ich nicht bedacht. Das macht es schwierig ein Zeitfenster für die Behandlung zu finden.
Pauschal denke ich, daß die allermeisten Schimmelsporen innerhalb von 24 Stunden keimen, sobald sie gute Bedingungen (Feuchte und etwas Wäme) bekommen. Darauf basiert auch das Konzept der fraktionierten Sterilisierung. Substrat wird eingeweicht, 24 Stunden stehen gelassen, dann normal (100°) gekocht. Das wird noch 2x wiederholt, und die allermeisten Schimmelsporen und Bakterien sind zwischenzeitlich aktiv geworden und durch Kochen abgetötet worden.
Möglicherweise könnte man analog 3x eine CO2-Behandlung durchführen, sofern frisch gekeimte Schimmelsporen tatsächlich durch CO2 abgetötet werden.
Anbei, nicht einmal Autoklavieren gibt eine 100%-Garantie für Keimfreiheit.
Das klingt günstig. Meint Würzeagar = Malzextraktagar, oder gibt es da noch Unterschiede bzw. weitere Zutaten?.
Grundsätzlich ist es das selbe. "Würze" nennt man in der Brauerei den Malzauszug. Die Maische (Malzschrot+Wasser) wird nach der Maischarbeit gefiltert (geläutert), man erhält dann Würze + Treber.
Der Treber dürfte auch ein sehr gutes Substrat sein. Ich vermute, er bleibt als Abfallstoff übrig?
Das Malzextrakt Agar wird also aus einer aufkonzentrierte Würze gewonnen.
Das Würze-Agar hat exakt die gleichen Inhaltsstoffe, (könnte aber evtl. auch noch Hopfenbestandteile enthalten.)
...genauer gesagt Iso-Alpha-Säure, diese hemmt gram-positive Bakterien.
(der Anteil an Iso-Alpha-Säure aus dem Hopfen ist in der Würze allerdings sehr gering, ca. 2-3mg/Liter (2-3g/ 100 liter)
Falls der Agar gram-positive Bakterien hemmt, ist das für die Pilzzucht natürlich vorteilhaft. Für Keimbelastungsproben natürlich weniger ... :wink:
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Re: Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

Beitrag von Berni » Freitag, 18. November 2016 09:58

Hallo Martin,

da hast du natürlich Recht.
Viele Pilze und sogar Hefen haben die Fähigkeit Ascosporen zu bilden um so z.B. eine Pasteurisierung zu
überleben. Daher muss z.B. Frischmilch zweimal erhitzt werden um diese Ascosporen zu erwischen.
(ganz interessant, weil das auch meine Mutter und Oma immer so machte, aber ohne genau zu wissen wiso)

Wenn eine CO2-Behandlung 3X duechgeführt werden muss um Schimmelsporen sicher abzutöten,
fragt es sich schon, ob der Aufwand und Nutzen dann noch im Verhältnis steht.

Treber eignet sich mit Sicherheit sehr gut als Substrat für viele Pilze und ich denke die frische Treber ist
nach ca. 2 std. Läuerprozess in der Brauerei bei 76 - 78 °C auch nahezu Keimfrei.
Die Inhaltsstoffe (hauptsächlich Spelzen, Eiweiße, Restzucker) wären wohl ideal.
Aber sobald der Treber aus dem Läuterbottich ausgetrebert wurde, verdirbt er auch unheimlich schnell.
Wie schon gesagt, im Läuterbottich wäre er noch ziemlich keimfrei, aber nach dem Förderweg und
entnahme aus dem Trebersilo ganz bestimmt nicht mehr.
Idealer Weise müsste man den Treber direkt nach dem Läuterprozess von oben aus dem Läuterbottich entnehmen
und in Plastiksäcken verpacken. Das könnte ziemlich keimfrei geschehen.
....aber find mal eine Brauerei, die dir das machen lässt. Außer bei mir! :)

Es gibt aber auch noch ein anderes interessantes Abfallprodukt/Substrat in der Brauerei , zellulose Filterschichten !
Diese hochreinen Filterschichten aus Zellulose sind etwa 5mm dick und 40 X 40 bis 100 X 100 cm groß.
(je nach Filtergröße und vorrausgesetzt die Brauerei hat einen Schichtenfilter).
Diese Filterschichten dienen der Entkeimungsfiltration oder zum "polieren" der Biere
und werden in der Brauerei meist im ein bis drei Wochenrythmus gewechselt.
Und da kommen schnell mal pro Filterwechsel 200 solcher Schichten zusammen.
Die Filter enthalten nach der Filtration hauptsächlich Hefen und Eiweiße, aber eher in geringen Mengen, da sie vor dem Wechsel
rückgespült werden. Wenn man die Brauerei überreden kann, die Schichten AUCH vor dem Wechsel noch einmal zu sterilisieren, dann hätte man evtl. ein tolles Substrat für z.B. Austernseitlinge.
(aber i.d.R enthalten die Filterschichten (innen) keine relevanten Keime, Schimmel gar nicht und andere Keime nur wenn
die Brauerei ein Infektions Problem hat, z.B. mit Lactobazillus)
Ich plane es nächste Woche mal zu testen.

Gruß, Bernhard
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Re: Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

Beitrag von Ständerpilz » Freitag, 18. November 2016 10:24

Berni hat geschrieben:Wenn eine CO2-Behandlung 3X duechgeführt werden muss um Schimmelsporen sicher abzutöten,
fragt es sich schon, ob der Aufwand und Nutzen dann noch im Verhältnis steht.
Wenn schon Sporen gebildet werden, dürfte es imho zu spät sein. Aber wenn das bei Schimmelmycel klappt wäre das für mich völlig ausreichend.

CO2 sollte kein Problem sein: Es gibt Kapseln und damit betriebene Luftpumpen für Fahrräder. Die kann man nutzen. Oder einen Soda Stream. Und man könnte CO2 natürlich auch leicht selbst erzeugen (Kerze o.ä.).
Aber sobald der Treber aus dem Läuterbottich ausgetrebert wurde, verdirbt er auch unheimlich schnell.
Man könnte direkt in Gläsern abfüllen und dann autoklavieren.

Grüße

Oliver
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Re: Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

Beitrag von Lauscher » Freitag, 18. November 2016 11:01

CO2 sollte kein Problem sein: Es gibt Kapseln und damit betriebene Luftpumpen für Fahrräder. Die kann man nutzen. Oder einen Soda Stream. Und man könnte CO2 natürlich auch leicht selbst erzeugen (Kerze o.ä.).
Die Brauerei dürfte bereits reichlich CO2 erzeugen. ;-)
Aber sobald der Treber aus dem Läuterbottich ausgetrebert wurde, verdirbt er auch unheimlich schnell.
Man könnte direkt in Gläsern abfüllen und dann autoklavieren.
Autoklavieren ginge natürlich - aber ich vermute, es handelt sich um große Mengen, die da anfallen, und es ist immer gut, einen Weg ohne Autoklav zu finden. Unsterile Arbeit mit nährstoffsreichen Substraten ist natürlich immer heikel.

Ich vermute, das rasche Verderben kommt durch hohe Feuchte, hohe Restwärme und Luftmangel durch dichtes Substrat, ideal für übelriechende Fäulnisbakterien.

Wenn man den Treber kurzfristig nach der Entnahme aufbereitet und beimpft, könnte es gehen. Vielleicht etwa so: Mit Strohhäcksel vermischen, um Feuchte zu binden, abzukühlen und zu durchlüften, und sobald es nicht mehr zu heiß für Myzel ist, mit reichlich Brut beimpfen. In Speisfässer abfüllen und durchwachsen lassen. Gute Durchmischung könnte mit einem Betonmischer erreicht werden.

Das Risko dürfte die hohe Nährstoffverfügbarkeit sein, die Kontis anlockt.
Reichlich und gut eingemischte Brut einer starkwüchsigen Auster könnte schnell genug sein, vor den Kontis Treber+Stroh zu überwachsen.
Man könnte ein Speisfaß Austernbrut züchten (steriler Start, unsteril mit Strohhäcksel auf Masse gebracht), um mehrere Speisfässer Treber-Stroh-Gemisch zu beimpfen.

Stroh ist natürlich stark keimbelastet. Eine Alternative als trockenes, luftiges Medium könnte z.B. Perlite sein, das ziemlich keimfrei sein dürfte. (Perlite kostet natürlich wieder extra, und geht zu Lasten von Natur-Ressourcen).
Es gibt aber auch noch ein anderes interessantes Abfallprodukt/Substrat in der Brauerei , zellulose Filterschichten !
Diese hochreinen Filterschichten aus Zellulose sind etwa 5mm dick und 40 X 40 bis 100 X 100 cm groß.
Das klingt vielversprechend!

Viele Grüße, Martin
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Re: Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

Beitrag von Ständerpilz » Freitag, 18. November 2016 12:00

Lauscher hat geschrieben:Die Brauerei dürfte bereits reichlich CO2 erzeugen. ;-)
Ich hab aber leider keine Brauerei. ;)
Autoklavieren ginge natürlich - aber ich vermute, es handelt sich um große Mengen, die da anfallen, und es ist immer gut, einen Weg ohne Autoklav zu finden. Unsterile Arbeit mit nährstoffsreichen Substraten ist natürlich immer heikel.
Unsteril kann man in dem Fall imho vergessen. Ich sehe da kein Problem drin, wir autoklavieren ja auch diverse andere Dinge für unsere Pilze. Man muss ja nicht die ganzen Brauereiabfälle entsorgen, warum auch?
Stroh ist natürlich stark keimbelastet. Eine Alternative als trockenes, luftiges Medium könnte z.B. Perlite sein, das ziemlich keimfrei sein dürfte. (Perlite kostet natürlich wieder extra, und geht zu Lasten von Natur-Ressourcen).
Die natürlichen Ressourcen sind weit von einer Erschöpfung entfernt, aber prinzipiell hast du natürlich Recht. Ich würde allerdings nicht Perlite nehmen, sondern Vermiculite, da das für die Pilzzucht besser ist: speichert mehr Wasser, ist besser für Belüftung. Von Katzenstreu und ähnlichen "billigen" Ersatzstoffen rate ich ab. Vermiculite kostete fast nichts, da lohnt es sich nun wirklich nicht auf Ersatz auszuweichen, schon gar nicht auf Bentonit (Katzenstreu). Von möglichen Zusatzstoffen ganz zu schweigen.

Speiskübel würde ich wegen des Geruchs schon nicht nehmen, aber ich hatte auch mal daran gedacht.

Grüße

Oliver
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Re: Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

Beitrag von Ständerpilz » Sonntag, 20. November 2016 13:09

Hallo,

Bernie, ich habe mal etwas recherchiert, konnte aber keinen Hinweis darauf finden, dass CO2 Schimmelpilze dauerhaft abötet. Man kann allenfalls das Auskeimen der Sporen und das Wachstum verhindern, das aber nur so lange halt kein O2 da ist, sondern nur CO2. Zumindest habe ich nichts Gegenteiliges gefunden. Hast du da eventuell eine Quelle?

Wäre auch zu schön gewesen :roll: ich befürchte aber, das CO2 und Verdrängen von O2 hat auf den Schimmel den gleichen Effekt wie auf unser gewünschtes Pilzmyzel.

Grüße

Oliver
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Re: Schlechtes Wachstum von Austern-Myzel auf Körnerbrut

Beitrag von Berni » Mittwoch, 23. November 2016 10:28

Hallo Oliver,

da wirst du wohl recht haben!
Den Schimmel abzutöten ohne das Myzel zu schaden, wird mit CO2 wohl doch nicht funktionieren.

Ich bin gerade dabei verschiedene Körnerbrut Substrate zu testen und warte gespannt auf das Ergebnis.
(.......mit allem was die Brauerei so hergibt), allerdings bringe ich nicht so viele Gläser auf einmal in meinen Inkubator,
wie ich das gerne hätte.

Gruß, Bernhard
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