Fertig Pilzzuchtkultur weitervermehren?

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mariapilz
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Re: Fertig Pilzzuchtkultur weitervermehren?

Beitrag von mariapilz » Sonntag, 05. Februar 2017 13:56

in oberen link zu den glückspilzen steht doch alles. Du musst nur die ersten 2 Absätze lesen...
Witan hat geschrieben:Also um Mal zur frage zurückzukommen:

An sich würde ich ja gerne Mal wissen, welche die effektivste Zuchtmethode ist. Wie kann man zudem aus wenig Brut möglichst bald sehr viel zu machen und dann die Zucht in der Theorie ewig fortführen?
ich würde sagen (darum dreht sichs ja jetzt..) - nach meinem verständnis - aus wenig Brut immer wieder neue GUTE Brut zu erhalten muss man klonen aus frischpilzen oder sporenabdruck natürlich auch über frischpilz. Immer wieder neue mutterkultur...
limbi007
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Re: Fertig Pilzzuchtkultur weitervermehren?

Beitrag von limbi007 » Sonntag, 05. Februar 2017 14:30

mariapilz hat geschrieben:in oberen link zu den glückspilzen steht doch alles. Du musst nur die ersten 2 Absätze lesen...
Da steht eben nicht alles. Dort ist die Rede von einer Multikultur. Bei einer Multikultur ist es freilich so, dass die Fruchtkörper unterschiedlich sind/sein können. Ein Multikultur entsteht, wenn die Sporen gekeimt sind und sich zu einem Myzelgeflecht verbunden haben. Wenn ich jedoch einen fertigen Kultursubstratblock erworben habe, dann gehe ich davon aus, dass dies schon eine Reinkultur ist. Der Hersteller verkauft doch keine Multikultur - zumindest denke ich, dass das kein renomierter Hersteller machen würde. Und somit müsste der Fruchtkörper einer solchen Reinkultur genetisch identisch mit dem Substratblock sein. Korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liege.
Ständerpilz
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Re: Fertig Pilzzuchtkultur weitervermehren?

Beitrag von Ständerpilz » Sonntag, 05. Februar 2017 14:49

limbi007 hat geschrieben:Züchten sie jedesmal frische Kulturen aus neuen Sporen? Weil ja alles andere ja das Klonen der vorhanden Kultur wäre.
Man kann ja ruhig klonen, das ist nicht schlimm. Man nimmt dann aber eine Petri aus dem Kühlschrank und nicht alte Zellen, die in viel stärkeren Maße Umwelteinflüssen ausgesetzt waren. Und hin und wieder sollte man einen Reproduktionszyklus vorsehen. Bei Pflanzen wird auch viel geklont, aber auch da kann man das nicht endlos betreiben. Einen Züchter interessiert sich natürlich in erster Linie für sog. F1-Hybride (Mendel'sche Gesetze), da die Nachkommenschaft die herausgezüchteten Eigenschaften verliert und genetisch nicht einheitlich ist. Eine richtige Zucht, also durch Selektion, ist auch bei Pilzen möglich. An Pflanzenblüten ist das natürlich anschaulicher zu demonstrieren. Bei Pilzen würde man auf Eigenschaften wie Robustheit, schnelles Wachstum und andere Eigenschaften achten. Für den durchschnittlichen Pilzbauer (Pilzzüchter ist da eigentlich das falsche Wort) spielen eigene Zuchtvorhaben aber keine große Rolle.
Ich habe mir zwar einen Schnellkochtopf gekauft, aber ich will wissen ob es auch außerhalb von Autoklavieren funktioniert. Einerseits will ich nicht soviel Energie aufwenden. Andererseits, habe ich kein Labor und steril kann ich nur sehr bedingt arbeiten, also muss ich andere Wege finden.
Mein erstes Buch über Pilzkultur war von Jolanda Engelbrecht. Das war ein ziemlich dünnes Büchlein und doch stand das Wichtigste drin. So steht da z. B. wie man einen Strohballen in Folie einschlägt, wässert und fermentiert. Anschließend (es stinkt ordentlich) nimmt man sich einen Pflanzstock und löchert den Ballen und stopft Brut hinein und deckt die Löcher ab. Die Brut kann man übrigens auch zu wettbewerbsfähigen Preisen kaufen und muss sie nicht selber machen (google zb Edelpilz). Anschließend wird der Ballen wieder in Folie eingeschlagen und die Folie mit Löchern versehen. Und dann braucht man eigentlich nur noch warten. Die Methode funktioniert z. B. hervorragend bei Austernpilz. Richtiger Standort ist natürlich Voraussetzung, also nicht gerade in der prallen Sonne, ist ja klar. Besser keine schwarze Folie in der Durchwachsphase verwenden, da die sich stärker aufheizt.

Beim Fermentieren ist IMHO wichtig: Es muss stinken! Wenn es nicht stinkt, dann fermentiert das auch nicht richtig. ;) Ziel der Sache ist ja, dass aerobe Bakterien (solche, die Sauerstoff brauchen) komplett absterben und nur anaerobe Organismen überleben.

Wenn es für mich hier in der Stadt einfacher wäre einen Strohballen zu besorgen und irgendwo hinzustellen, hätte ich das schon längst gemacht. Einen Strohballen kann man ja schon wegen der Größe nicht autoklavieren und es ist auch schlicht nicht notwendig.
Und somit müsste der Fruchtkörper einer solchen Reinkultur genetisch identisch mit dem Substratblock sein.
Absolut richtig.

Grüße

Oliver
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Re: Fertig Pilzzuchtkultur weitervermehren?

Beitrag von mariapilz » Sonntag, 05. Februar 2017 14:55

der Herstellers verkauft myzel aus einer multikultur wenn sie vorher selektionirert wurde.
https://gluckspilze.com/6selektionierung
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Re: Fertig Pilzzuchtkultur weitervermehren?

Beitrag von mariapilz » Sonntag, 05. Februar 2017 14:59

[/quote] Und somit müsste der Fruchtkörper einer solchen Reinkultur genetisch identisch mit dem Substratblock sein. Korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liege.[/quote]

und wenn man immer überimpft mutiert er...
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Re: Fertig Pilzzuchtkultur weitervermehren?

Beitrag von Ständerpilz » Sonntag, 05. Februar 2017 15:41

mariapilz hat geschrieben:und wenn man immer überimpft mutiert er...
Die Glückspilz-Platten sind wirklich traumhaft schön bewachsen! :)

Die Frage ist doch die: Will man sich die Arbeit machen und dafür ein Labor einrichten? Oder will man in erster Linie Fruchtkörper ernten? IMHO kann man durchaus auch bewachsenes Roggensubstrat o. ä. kaufen, um damit dann z. B. fermentierte Stohballen zu beimpfen. Selber machen ist gerade für kleine Pilzbauern nicht wirklich billiger, wenn man den Zeitaufwand und die Kosten berücksichtigt. Wenn man das mehr als Hobby betrachtet und Lust auf Laborkram hat, dann kann man das natürlich machen, lohnt sich aber eigentlich erst, ab einer gewissen Größe der Pilzzucht. Dann sind auch die Kosten für diverse Anschaffungen unter einem anderen Licht zu sehen, da es sich dann ja rechnet.
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Re: Fertig Pilzzuchtkultur weitervermehren?

Beitrag von mariapilz » Sonntag, 05. Februar 2017 16:47

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Re: Fertig Pilzzuchtkultur weitervermehren?

Beitrag von limbi007 » Sonntag, 05. Februar 2017 17:50

Das ist hoch interessant, Danke für den Link .
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Re: Fertig Pilzzuchtkultur weitervermehren?

Beitrag von mariapilz » Sonntag, 05. Februar 2017 18:41

Ja. .voll verständlich erklärt. umfassend. Und beantwortet noch viele andere Fragen. .. :D
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Re: Fertig Pilzzuchtkultur weitervermehren?

Beitrag von limbi007 » Sonntag, 05. Februar 2017 22:43

@ständerpilz:
Das mit dem Fermentieren funktioniert auch wunderbar ohne Stroh. Dank diesem Forum habe ich schon die ersten Erfahrungen gesammelt. Zitronenseitling sowieso, aber auch Shiitake lässt sich gut auf fermentierten Substraten züchten. Ich hoffe, dass ich bald genug Shi-Myzel habe, damit ich eine größere Kultur anlegen kann. Ich werde hier noch mehr experimentieren, um für mich einen optimalen Pilzanbauweg zu finden.
mariapilz hat geschrieben:Ja. .voll verständlich erklärt. umfassend. Und beantwortet noch viele andere Fragen. .. :D
Ja, absolut.
Samovila
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Re: Fertig Pilzzuchtkultur weitervermehren?

Beitrag von Samovila » Montag, 13. Februar 2017 11:26

Liebe Leute!
Vielen Dank für die schnelle Aufnahme.
Ich bin komplett neu im Gebiet der Pilzzucht. Jetzt hab ich mich eine Woche intensivst mit derThematik beschäftigt. Filme geschaut, Foren gelesen, Bücher gewälzt....
Für meine allerersten Versuche hab ich mir nun ein Shitake- und ein Austernpilzsubstrat bestellt und eine Anzuchtbox für Champignons.
Jetzt auch meine Frage: Gibt es irgendeine Möglichkeit mit einem Teil des Substrates weiter zu arbeiten?
Kann ich damit direkt entweder Späne, Körner oder Dübel beimpfen?
Sorry, falls ich da jetzt ne Frage doppelt und dreifach stelle, aber für mich als Laien ist es schwierig direkte Antworten auf meine Fragen zu finden.
Beste Grüße
Nana
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Re: Fertig Pilzzuchtkultur weitervermehren?

Beitrag von Ständerpilz » Montag, 13. Februar 2017 19:54

Samovila hat geschrieben:Liebe Leute!
Vielen Dank für die schnelle Aufnahme.
Herzlich willkommen, Nana :)
Jetzt auch meine Frage: Gibt es irgendeine Möglichkeit mit einem Teil des Substrates weiter zu arbeiten?
Ja, natürlich. Das nennt sich "Klonen". Es ist gut, wenn man (halbwegs) steril arbeiten kann und eine Grundausrüstung hat (Autoklav oder Dampfdrucktopf). Aber das hast du sicher schon gesehen oder gelesen.

Hier sind noch ein paar Quellen:
https://de.wikibooks.org/wiki/Pilzanbau
https://upload.wikimedia.org/wikibooks/ ... zzucht.pdf

Ein altes Aquarium oder ein Foliengewächshaus eignet sich gut, um in der Wohnung oder im Keller ein geeignetes Klima für die Fruchtung herzustellen. Wenn du einen feuchten Bunker :D oder einen Garten hast, eignet sich diese Plätze natürlich auch hervorragend. Man kann, wie du sicher auch schon gelesen hast, Holz mit bestimmten Arten beimpfen, wie z. B. Shiitake (v.a. Eiche), Austernpilz (Laubholz), Hallimasch etc.
Kann ich damit direkt entweder Späne, Körner oder Dübel beimpfen?
Ich persönlich würde nur sterilisiertes Roggensubstrat im Glas beimpfen oder sogar erst auf Petrischale. Alles andere führt imho nur zu erhöhten Ausfällen und mehr Frust, aber viele wollen sich die Mehrarbeit trotzdem sparen. Wenn man Roggensubstrat direkt beimpft, dann sollte man ausreichend bewachsenes Mycel mit einem sauberen (sterilen) Löffel o. ä. hinzugeben und danach direkt verschließen. Möglichst unter halbwegs sterilen Bedingungen, man braucht aber nicht zwingend eine Sterilbank. Das Glas würde ich nach dem Beimpfen gut durchmischen (sog. Schütteln), damit es an verschiedenen Stellen an- und so das Substrat schneller durchwächst. Wenn die Gläser durchwachsen sind, kannst du diese Körnerbrut zum Beimpfen von Substrat nehmen. Als Substrat eignen sich je nach Pilz und persönlichen Möglichkeiten unterschiedliche Materialien, z.B. Stroh in Form von Strohpellets, Strohballen (Austernpilz!), Laubholz (Austernpilz), Dung (z. B. Pferdemist für Champignons), Eiche (Shiitake) etc. pp.
Sorry, falls ich da jetzt ne Frage doppelt und dreifach stelle, aber für mich als Laien ist es schwierig direkte Antworten auf meine Fragen zu finden.
Kein Problem ;) Am besten schildest du mal, was du für Möglichkeiten hast und wie viel Geld und Arbeit du in dieses Hobby stecken möchtest, dann können wir dir sicher gute, individuelle Tipps geben.

Grüße

Oliver
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Re: Fertig Pilzzuchtkultur weitervermehren?

Beitrag von Samovila » Montag, 13. Februar 2017 20:49

Oh, vielen Dank für die ausführliche, geduldige Beantwortung meiner Fragen, Oliver :)
Also, ich wohn auf einem Einsiedlerhof. D.h. ich werde ausreichend Plätzchen für meine Pilze im Freien finden. Da will ich auch hin....
Ich würde jetzt ungern Unmengen an Kohle ausgeben, weil ich noch gar nicht sagen kann ob ich auf Dauer Freude daran hab.
Ich besitze einen Schnellkochtopf und hab mir Petrischalen aus Glas besorgt.
Mit den Substraten würd ich gern Holzstämme beimpfen.
Ich wollte jetzt halt gern wissen, ob ich mit einem Teil des Substrates gleich mit einer Vermehrung beginnen kann oder ob ich da dann am besten einen fertigen Pilz klone. :roll:
Ich stell mir das irgendwie so vor: Ich nehm einen Teil vom Substrat und leg das zusammen mit Holzdübeln, Spänen oder was auch immer in ein Glas und dann vermehrt sich das da drauf.
Geht oder eher nicht?
Das mit dem Klonen hab ich mir bereits zu Gemüte geführt.
Ständerpilz
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Re: Fertig Pilzzuchtkultur weitervermehren?

Beitrag von Ständerpilz » Montag, 13. Februar 2017 22:24

Samovila hat geschrieben:Oh, vielen Dank für die ausführliche, geduldige Beantwortung meiner Fragen, Oliver :)
Also, ich wohn auf einem Einsiedlerhof. D.h. ich werde ausreichend Plätzchen für meine Pilze im Freien finden. Da will ich auch hin....
Das sind doch super Voraussetzungen!
Ich würde jetzt ungern Unmengen an Kohle ausgeben, weil ich noch gar nicht sagen kann ob ich auf Dauer Freude daran hab.
Ich besitze einen Schnellkochtopf und hab mir Petrischalen aus Glas besorgt.
Prima.
Ich stell mir das irgendwie so vor: Ich nehm einen Teil vom Substrat und leg das zusammen mit Holzdübeln, Spänen oder was auch immer in ein Glas und dann vermehrt sich das da drauf.
Geht oder eher nicht?
Das geht grundsätzlich schon. Dann sollte man aber viel Mycel nehmen, nicht nur ein kleines Stückchen, damit es schneller besiedelt wird, z. B. 1/3 auf 2/3. Man sollte darauf achten, dass keine Kontaminationen eingeschleppt werden.

Ich würde dennoch erst Körnerbrut machen und mit diesen dann Substrat (oder Baumstämme) beimpfen, aber er ist auch schon erfolgreich unsteril geklont worden. Der Austernpilz ist eine gute Wahl für Anfänger und wächst auf Holz und Stroh (und quasi auf allem, wo Cellulose und Lignin drin ist, auch nasse Zeitungen). Du könntest einen Strohballen fermentieren und dann beimpfen. Oder auch Laubholzstämme mit der Schnittimpfmethode.
Samovila
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Re: Fertig Pilzzuchtkultur weitervermehren?

Beitrag von Samovila » Montag, 13. Februar 2017 23:38

Wow, vielen lieben Dank!
Hab mir schon einen Pressballen organisiert und mein Mann, der Schreiner hat eine frische Buche für mich :D
Dann test ich jetzt einfach alles mal aus.
Es kommen bestimmt bald die nächsten Fragen auf....
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