Menge der benötigten Luft / Gasaustausch

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GrafDracula
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Menge der benötigten Luft / Gasaustausch

Beitrag von GrafDracula » Montag, 03. Juni 2019 19:39

Ich stell mir grad die Frage, wie viel Luft das Myzel wirklich benötigt??? Wenn ich in Petrischalen Myzel habe, dann wäüchst das dort ja prächtig, reichen dem Myzel etwa der sicherlich minimal vorhandene Luftspalt zum Gasaustausch? Wenn ich Frischhaltefolie oder Parafilm drumrummache, wird das doch nochmal eingeschränkt ... da müsste es doch fast ausreichen, wenn man nen großen Beutel ohne Mikrofilter hernimmt und vor'm Hepa einfach nach dem Beimpfen ordentlich Luft reinmacht und dann den Beutel verschließt. Das ist wahrscheinlich dann immer noch 1000 mal mehr Luft als in ner Petri.

Hat jemand ne Hausnummer, wie viel Luft so ein Myzel verbraucht? Oder hat das schon mal jemand ausprobiert, bzw. woran sieht man, dass das Myzel am Ersticken ist?
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Re: Menge der benötigten Luft / Gasaustausch

Beitrag von ohkw » Montag, 03. Juni 2019 19:46

Ich denke, dass je nachdem welchen Pilz du kultivierst, Zuviel Luft dazu führen wird dass er fruchtet bevor du das willst. Zu wenig Luft wird zu langsamerem Wachstum führen. Bevor der Pilz abstirbt wird erstmal das Wachstum komplett stagnieren.
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Monti
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Re: Menge der benötigten Luft / Gasaustausch

Beitrag von Monti » Montag, 03. Juni 2019 19:48

Also ich hab mal bei einem Beutel (Auster) vergessen den Mikrofilter rein zu machen (mache einen Schlitz und klebe Micropore drüber). Oben wird er immer verschweist, ist also Luftdicht Der hat so gut wie gar nichts gemacht. Alle anderen gleichzeitig beimpften Blöcke mit Micropore sind wunderbar gewachsen. Ich finde es auch seltsam aber ist schon so...
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mariapilz
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Re: Menge der benötigten Luft / Gasaustausch

Beitrag von mariapilz » Montag, 03. Juni 2019 20:23

... und wenn man einen Unicornsack zu voll macht hat der Pilz auch scheinbar zu wenig Luft. Ich habe die Säcke früher so ca. bis 3 Finger breit unter dem Filter gefüllt. Beim shii ist mir besonders aufgefallen dass dadurch Sauerstoffmangel herrscht, denn er wollte einfach nicht braun werden.
Es findet ein Gasaustausch statt. Co2 raus - Sauerstoff rein... Was spielt es dann für eine Rolle wieviel man befüllt. Oder ist der Gasaustausch so gering... Und ist es so gut berechnet dass Hausnummer 3 kg Substrat genau so viel co2 produziert wie der Filter nach draussen transportieren kann?
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Re: Menge der benötigten Luft / Gasaustausch

Beitrag von Wurstpelle » Montag, 03. Juni 2019 20:32

sehr gutes Thema...

wollte die Frage auch schon oft mal stellen aber wusste nicht wie ich das fragen oder schreiben/ beschreiben soll
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GrafDracula
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Re: Menge der benötigten Luft / Gasaustausch

Beitrag von GrafDracula » Montag, 03. Juni 2019 20:39

Monti hat geschrieben:Also ich hab mal bei einem Beutel (Auster) vergessen den Mikrofilter rein zu machen (mache einen Schlitz und klebe Micropore drüber). Oben wird er immer verschweist, ist also Luftdicht Der hat so gut wie gar nichts gemacht. Alle anderen gleichzeitig beimpften Blöcke mit Micropore sind wunderbar gewachsen.
Ohh ... doch gleich so heftige Auswirkungen ... dann kommt wohl in die Petris doch mehr Luft rein, als ich immer dachte :shock:
Muss ich bei Gelegenheit doch glatt auch mal selber testen.
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Re: Menge der benötigten Luft / Gasaustausch

Beitrag von malda » Dienstag, 04. Juni 2019 06:44

Ich denke auch, dass es da durchaus Unterschiede bei den Arten gibt. Gerade Holz-zersetzende Pilze kommen vermutlich beim Wachsen mit sehr wenig „Luft“ aus (oder besser Sauerstoff), insbesondere wenn man bedenkt, dass die in z.T. dicken Stämmen wachsen. Da innen drin müsste die Sauerstoff Konzentration eigentlich sehr gering sein (und CO2 hoch).
In (unverschlossenen) Petrischalen kommt definitiv reichlich „Luft“ an, gleiches gilt ja auch für Einmachgläser (mit Deckel) o.ä. => und die Pilze wachsen ja sogar bis zum Boden von Einmachgläsern :)
Aber es wird sich bestimmt auch ordentlich CO2 anreichern, da der Gasaustausch ja doch behindert ist.
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Monti
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Re: Menge der benötigten Luft / Gasaustausch

Beitrag von Monti » Dienstag, 04. Juni 2019 07:22

malda hat geschrieben:Gerade Holz-zersetzende Pilze kommen vermutlich beim Wachsen mit sehr wenig „Luft“ aus (oder besser Sauerstoff), insbesondere wenn man bedenkt, dass die in z.T. dicken Stämmen wachsen. Da innen drin müsste die Sauerstoff Konzentration eigentlich sehr gering sein (und CO2 hoch).
Würde ich nicht mal unbedingt so sehen. Es reicht oft, wenn nur ein Teil des Pilzes/Myzels Zugang zu Sauerstoff hat ist mein Eindruck. Irgendwer hier hatte das doch bei der Eimer-Zucht bemerkt wo die Löcher aus denen es fruchten sollte mit Fruchtkörpern zugewachsen waren und dann nix mehr passiert ist... War es Maria?
Andererseits kann das Mycel bei den üblichen Beuteln aus den Körnern tief im Subtrat ja auch ohne direkten Zugang zur "Frischluft" wachsen.
GrafDracula hat geschrieben:
Monti hat geschrieben:Also ich hab mal bei einem Beutel (Auster) vergessen den Mikrofilter rein zu machen (mache einen Schlitz und klebe Micropore drüber). Oben wird er immer verschweist, ist also Luftdicht Der hat so gut wie gar nichts gemacht. Alle anderen gleichzeitig beimpften Blöcke mit Micropore sind wunderbar gewachsen.
Ohh ... doch gleich so heftige Auswirkungen ... dann kommt wohl in die Petris doch mehr Luft rein, als ich immer dachte :shock:
Muss ich bei Gelegenheit doch glatt auch mal selber testen.
Vielleicht sind es auch andere Stoffe, die das Wachstum hemmen. Ausgasen tut da ja allerhand, vor allem nach dem erhitzen (Geruch).
Es ist fast wie wenn der Pilz wüsste, ob er Zugang zu Frischluft hat. Wie oben gesagt, das Mycel wächst ja im oberen Bereich und tief im Substrat nicht viel unterschiedlich wobei gerade bei großen Beuteln der Gasaustausch bis nach unten doch erschwert sein sollte... denke ich mir zumindest.
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Re: Menge der benötigten Luft / Gasaustausch

Beitrag von mariapilz » Dienstag, 04. Juni 2019 07:39

der Pilz holt sich ja auch durch seine langen Hyphen die Nährstoffe von weit her. Den Sauerstoff auch. Es ist ein Organismus in dem Sack.
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Re: Menge der benötigten Luft / Gasaustausch

Beitrag von Lauscher » Dienstag, 04. Juni 2019 07:55

Ich habe eine Zeitlang Kulturen in luftdichten PP-Bechern vorgezüchtet und oben etwas Luft gelassen. Das Myzel wuchs gut an, aber irgendwann blieb das Wachstum einfach stehen.
Mit Öffnen des Deckels ging das Wachstum weiter, als wäre nichts geschehen:

Spannend: Einige solcher Kulturen habe ich über Jahre luftdicht auf Stillstand aufgehoben. Sie waren immer noch vital und wuchsen wieder weiter, nachdem sie Luft bekamen.

Das luftdichte Heranziehen ist also eine Möglichkeit, Kulturen lange aufzubewahren. Netter Effekt: Mögliche Kontis sind durch den Sauerstoffmangel ebenfalls im Wachstum gestoppt. Grünschimmel. z.B. braucht auch Sauerstoff.
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Re: Menge der benötigten Luft / Gasaustausch

Beitrag von malda » Samstag, 20. Juli 2019 13:58

Passt vielleicht hier ganz gut rein:
Da ich mal wieder ein versautes Gläschen Stockschwämmchen über hatte und ich zudem gerade Sauerstoffindikatoren habe, hab ich einfach mal einen in das Gläschen gegeben und gut zugeschraubt. Die Frage die ich mir gestellt habe war, wird eigentlich wirklich aller Sauerstoff aufgezehrt oder gibt es vielleicht eine Grenzkonzentration, ab der die Pilze gar nichts mehr machen - also auch nicht atmen.
Ergebnis:
1. Das Gläschen ist dicht
2. Die Pilze (Stockschwämmchen und Kontaminante) zehren wirklich das letzte Fizzelchen Sauerstoff auf! (rote Färbung laut Hersteller ab einer Konzentration <0,05% Sauerstoff)
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Re: Menge der benötigten Luft / Gasaustausch

Beitrag von Lauscher » Samstag, 20. Juli 2019 14:06

malda hat geschrieben:
Samstag, 20. Juli 2019 13:58
Die Pilze (Stockschwämmchen und Kontaminante) zehren wirklich das letzte Fizzelchen Sauerstoff auf!
Spannend!
Ich kann dazu sagen, daß ich solche luftdichten Kulturen teils über Jahre kühl und dunkel gelagert habe und wieder reanimieren konnte.
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Re: Menge der benötigten Luft / Gasaustausch

Beitrag von GrafDracula » Montag, 22. Juli 2019 06:57

Was es nicht alles gibt ... Sauerstoffindikatoren ... cooler Versuch, Danke! ... Und ich dachte schon, ich muss mir irgendwann mal ein sündenteures Sauerstoffmessgerät kaufen um so einen Versuch durchzuführen ... dann kann ich den Versuch ja von meiner Liste streichen :D :D :D
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Re: Menge der benötigten Luft / Gasaustausch

Beitrag von kornpilz » Montag, 22. Juli 2019 10:09

malda hat geschrieben:
Dienstag, 04. Juni 2019 06:44
Ich denke auch, dass es da durchaus Unterschiede bei den Arten gibt. Gerade Holz-zersetzende Pilze kommen vermutlich beim Wachsen mit sehr wenig „Luft“ aus (oder besser Sauerstoff), insbesondere wenn man bedenkt, dass die in z.T. dicken Stämmen wachsen. Da innen drin müsste die Sauerstoff Konzentration eigentlich sehr gering sein (und CO2 hoch).
In (unverschlossenen) Petrischalen kommt definitiv reichlich „Luft“ an, gleiches gilt ja auch für Einmachgläser (mit Deckel) o.ä. => und die Pilze wachsen ja sogar bis zum Boden von Einmachgläsern :)
Aber es wird sich bestimmt auch ordentlich CO2 anreichern, da der Gasaustausch ja doch behindert ist.

Das würde vielleicht erklären warum ein Pom Pom oft schon auf der Petri anfängt zu fruchten . Im Stamm bekommt er keinen Sauerstoff und könnt auch nicht auf die Idee zu fruchten. Sobald er an genug Sauerstoff könnt geht's los
Alle Pilze sind essbar , manche nur einmal ;-)
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Re: Menge der benötigten Luft / Gasaustausch

Beitrag von malda » Donnerstag, 25. Juli 2019 12:59

Das finde ich auch sehr spannend. Falls es jemanden interessiert, der Link führt zu einer Dissertation zum Thema. Der Fokus liegt hier zwar weniger auf Speisepilze, passt aber super zum Thema Wachstum von (Holz- zersetzenden) Pilzen bei wenig Sauerstoff.
https://www.google.de/url?sa=t&source=w ... YEXMVb9sAq
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