Bodenbewohner

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blubb0211
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Bodenbewohner

Beitrag von blubb0211 » Montag, 07. Juni 2010 09:34

Hab das Glück, in Basel auf dem Markt verschiedene Wildpilze kaufen zu können, die ich nun auf MEA geklont habe.
Es geht um den Nelkenschwindling Marasmius oreades, Anischampignon Agaricus arvensis und den Violetten Rötelritterling Lepista Nuda.
Nun warte ich darauf, dass die Platten durchwachsen sind, dann werde ich Substratversuche starten, und natürlich hier berichten.
Hat jemand vielleicht schon Erfahrungen damit gemacht? Über Lepista Nuda habe ich auch schon versuche hier im Forum gelesen, die wohl nicht geglückt sind, denn nirgends war von Erfolg die Rede....
Hab auf Wikipedia gelesen, dass der Nelkenschwindling viel Stickstoffverbindungen abgibt. Darum möchte ich darüber Kräuter ziehen, und hoffen, dass die Kräuter besonders gut wachsen hehehe :-D

Naja, mal schaun! :mrgreen:

Viele Grüsse

Fabian
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Re: Bodenbewohner

Beitrag von Mycelio » Montag, 07. Juni 2010 23:48

Hallo Fabian,

beeindruckend, was es auf diesem Markt so alles gibt! Muß dich aber warnen, daß die Bodenbewohner etwas schwieriger sind und langsamer wachsen als Holz- und Strohpilze. Trotzdem spannend, besonders der Nelkenschwindling. Muß auch mal schauen, ob ich den irgendwo auf ner Wiese finde. Dem Wikipedia-Artikel würde ich nicht zuviel Bedeutung beimessen, denn das ist nur die halbe Wahrheit. Wenn das Mycel durch den Boden wächst, wird es zuerst alle verfügbaren Stickstoffverbindungen aufnehmen und erst wieder freigeben, wenn es abstirbt. Diesen Effekt kann man sehr gut bei Hexenringen in Rasenflächen sehen. Im äußeren Bereich, wo frisches Mycel neuen Boden erobert, verkümmert das Gras, während es weiter innen, wo das Mycel abstirbt, wieder üppig wächst.

Zu Substraten für M. oreades hatte ich mal recherchiert, aber kaum was gefunden, bloß einen alten Shroomery-Thread, immerhin mit Mycelbildern:
http://www.shroomery.org/forums/showfla ... er/2599509
Da der ja normalerweise in Rasenflächen wächst, würde ich neben Champignonsubstraten auch mal Heu testen.

A. arvensis sollte sich in der Kultivierung eigentlich nicht von normalen Champignons unterscheiden, außer daß er höhere Temperaturen verträgt. Versuche auch gerade, den aus Sporen zu züchten, bin mir aber noch nicht sicher, ob ich da wirklich A. arvensis hochfüttere. Das Mycel ist irgendwie struppiger und strähniger als das anderer Champignons und verträgt auch Holzige Substrate.

L. nuda ist ne ziemlich harte Nuß. Meine Versuche und Erkenntnisse hatte ich hier dokumentiert:
http://www.pilzforum.eu/board/violetter ... -5720.html
Dort findest du auch einen Link zu einem französischen Zuchtbetrieb, der die wie Champignons züchtet. Inzwischen sind mir aber leider alle Ansätze eingegangen. Champignonsubstrat geht ganz gut, Holz darf auch drin sein, Heu und Laub sollten sich ebenfalls gut eignen.

Gruß und viel Erfolg,
Carsten
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Re: Bodenbewohner

Beitrag von blubb0211 » Dienstag, 08. Juni 2010 08:45

Wow, danke für die vielen Informationen!
Ich möchte dich fragen, wieso du meistens mit Sporen arbeitest, wo es doch bei einem Wildpilz zuerst geeigneter ist, einen Klon zu erstellen, und wenn die Kultur erfolgreich ist, dann von den gezüchteten Pilzen einen sauberen Abdruck erstellen. So ist die Erfolgschance doch viel grösser, oder?
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Re: Bodenbewohner

Beitrag von Mycelio » Dienstag, 08. Juni 2010 11:15

Sicher. Das liegt bloß daran, daß ich Pilzsammeltechnisch eine Niete bin und hier keine guten Fundgebiete kenne. So bleibt mir nur, erfahrene Sammler zu fragen, ob sie mir mal einen Print schicken. Arten wie Rötelritterlinge oder Parasole sind auch extrem schwierig zum Fruchten zu bewegen, da erhoffe ich mir mehr Chancen von einer Multisporenkultur. Manchmal sind die Sporen aber gar nicht zum Keimen zu bewegen oder man pflegt das falsche Mycel. So habe ich gerade in meiner vermeintlichen A. arvensis-Kultur, bei der nur ein Ansatz durchkam, äußerst untypische Primordien entdeckt...

Gruß, Carsten

PS: Hier noch die 'offiziellen' Kulturparameter von L. nuda:
http://www.mycelia.be/myc8550.htm
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Re: Bodenbewohner

Beitrag von Mycelio » Freitag, 03. September 2010 12:12

Ist von den drei Arten eigentlich irgendwas durchgekommen?

Gruß, Carsten
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Re: Bodenbewohner

Beitrag von blubb0211 » Freitag, 03. September 2010 12:38

Alle 3 sind noch im Rennen, jedoch sehe ich beim Lepista nuda die kleinste chance... ich werd mal versuchen, Lepista Nuda auf stroh oder Holzpellets zu impfen, vielleicht ist das myzel auch schon tot...
Mal schauen... Beim Anischampignon ist wohl noch ein fremdpilz drin... oder das myzel hat 2 verschiedene Formen. Irgendwie halbrizomorph.. neee keine Ahnung, das myzel ist komisch....
Fotos: Die erste Spalte zeigt den Nelkenschwindling, die 2. Anischampignon, die 3. Lepista Nuda.
Erste Reihe: Klon
2. und 3. Reihe: überimpft, wobei beim Anischampignon ersichtlich ist, dass das Myzel in der 2. Reihe mit dem der 3. Reihe unterschiedlich ist.
Dateianhänge
DSCN0790.jpg
Lepista Nuda
DSCN0789.jpg
Anischampignon
DSCN0788.jpg
Nelkenschwindling
DSCN0785.jpg
Übersicht
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Re: Bodenbewohner

Beitrag von Mycelio » Freitag, 03. September 2010 13:30

Hm, ich befürchte auch, daß L. nuda schon tot ist. M. oreades sieht dagegen richtig gut und sauber aus. Bei A. arvensis sind wohl ganz unten Hefen oder Bakterien reingekommen, sieht irgendwie schleimig aus auf dem Foto. Diese Mischung aus wattigem und rhizomorphem Mycel ist jedenfalls korrekt, kein Grund zur Sorge.

Als Substrat für Kompostzersetzer teste ich gerade alte Seitlingsblöcke, die nicht mehr fruchten. Zerbröselt und erhitzt wird das Material gut angenommen, darf nur nicht zu naß sein. Zum zu erwartenden Ertrag kann ich aber noch nichts sagen.

Gruß, Carsten
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Re: Bodenbewohner

Beitrag von blubb0211 » Sonntag, 12. September 2010 10:10

Hmmm was mich verwirrt, ist, dass auf dem 2. und 3. Petri vom Anis die Myzelfäden komplett anders wachsen.
auf dem 2. wachsen sie flechtig, auf dem 3. wollig.
Kann es sein, dass ich hier 2 verschiedene Pilzarten hab....?
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Re: Bodenbewohner

Beitrag von Mycelio » Sonntag, 12. September 2010 11:54

Ehrlichgesagt kann man da nicht genug erkennen. Vielleicht kannst du die Anispetris nochmal auf einen dunklen Hintergrund legen und von der Seite beleuchtet knipsen?

Auf Kompost/Stroh geklont wächst er bei mir so:
Bild
Also erstmal wattig, irgendwie struppiger als bei Austern. Später entwickeln sich dickere Mycelstränge.

Gruß, Carsten
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Re: Bodenbewohner

Beitrag von blubb0211 » Sonntag, 12. September 2010 19:22

Anbei die Bilder...
Dateianhänge
12092010074 (1296 x 972).jpg
nur geflechtsartig
12092010073 (1296 x 972).jpg
nur wattig
12092010072 (1296 x 972).jpg
wattig + geflechtsartig
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Re: Bodenbewohner

Beitrag von Mycelio » Sonntag, 12. September 2010 21:31

Ich vermute, daß das alles ein Mycel ist. Auf dem letzten Bild sieht man gut, daß das wattige Mycel aus den Rhizomorphen herauswächst. Falls in den Schalen MEA ist, halte ich es für wahrscheinlicher, daß dem Mycel die Puste ausgeht und es deswegen stellenweise nur noch schwach und flauschig wächst. Solltest du PDYA verwendet haben, liege ich falsch.

Gruß, Carsten
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Re: Bodenbewohner

Beitrag von blubb0211 » Sonntag, 12. September 2010 21:37

das ist MEA, aber auf allen 3 bildern ist MEA, deshalb ist es komisch, dass sie alle 3 unterschiedlich wachsen... aber ich werd einfach mal auf weizen weiterimpfen.
PS: LEpista Nuda ist übrigens wieder aufgewacht. also nicht gestorben. :-D
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Re: Bodenbewohner

Beitrag von Mycelio » Sonntag, 12. September 2010 23:21

Für einige Campignonarten ist der Malzextrakt keine ausreichende Nahrungsgrundlage. In der ersten Petri können die fehlenden Nährstoffe noch vom Klonmaterial in das Mycel verlagert werden. Beim Überimpfen kommt es dann darauf an, wieviel Mycel auf dem Agarstück war und wieviel Nährstoffe. Irgendwann ist es einfach zu wenig, um noch normal weiterwachsen zu können.
Viel Glück mit dem Weizen. Gemischt mit Mist, Kompost oder verbrauchtem Substrat anderer Pilzarten hättest du bessere Chancen.

Gruß, Carsten
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Re: Bodenbewohner

Beitrag von Mycelio » Montag, 13. September 2010 11:29

Hier noch das Rezept für PDYA (Potato-Dextrose-Yeast-Agar):

200g Kartoffeln (kleingeschnitten) in einem Liter Wasser 20 bis 30 Minuten kochen. Dann irgendwie filtern und mit Wasser auf 1000ml auffüllen.
10 - 20g Zucker,
1- 2g Hefeextrakt (Reformhaus, Bioladen) und
20g Agar-Agar einrühren.

Gruß, Carsten
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Re: Bodenbewohner

Beitrag von blubb0211 » Montag, 13. September 2010 16:00

Hmm vielen Dank! Dann werde ich mal alle 3 Arten auf PDYA überimpfen und schauen, ob sich das myzel vom Lepista Nuda vitaler zeigt.

Viele Grüsse

Fabian
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