Unprofessionelle Spielereien mit Stickstoff-Quellen...

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Monti
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Unprofessionelle Spielereien mit Stickstoff-Quellen...

Beitrag von Monti » Montag, 18. Februar 2019 22:45

Der Titel sagt es ja. :oops:
Angeregt durch dieses Thema (viewtopic.php?f=86&t=4636) hatte ich kurzerhand mal etwas mit Harnstoff und Hornspänen probiert. In erster Linie wollte ich mal sehen, obs alles warm oder grün wird, also obs totaler Blödsinn ist oder ob es sich lohnen kann, weiter damit rumzuspielen.

Vielleicht mag der ein oder andere auch mal etwas rumprobieren, mit welchem Pilz und Substrat auch immer. Unsteril natürlich. Steril ist der Zusatz von N-Quellen ja nicht sehr problematisch. Hornspäne (am besten nimmt man Hornmehl oder wenigstens Horngries, ist feiner) bekommt man in jedem Bau/Gartenmarkt. Schafwollpellets wären auch interessant. Harnstoff bekommt man als 1 kg Packung z.B. bei Dehner, habs sonst noch nirgends gesehen. Man könnte auch über Adblue nachdenken, ist eine 32 % Harnstofflösung und sollte ziemlich rein sein. Hab mich aber noch nicht damit beschäftigt.

Zur Sache:
Ich habe drei Ansätze gemacht:
1. Strohpellets + 1 % Harnstoff (trockenmasse) + 1% Ca(OH)2 + 1 % Gips (trocken) + Enoki
2. Strohpellets + 2 % Harnstoff (trocken) + 1 % Ca(OH)2 + 1 % Gips (trocken) + WinterAuster
3. Strohpellets + 42 g Hornspäne (um auf 2,5 g gesamt N zu kommen) + WinterAuster

Ich finde Strohpellets zwar irgendwie doof, aber ist homogen und hald noch vorhanden.

Hornspäe scheinen zumindest nicht negativ zu wirken. 2% Harnstoff könnten etwas viel sein...
Bis jetzt ists weder warm noch grün, noch muffig geworden. Angesetzt am 09.02.19
20190218_215129.jpg
Links 3. Ansatz (Hornspäne), Mitte 2. Ansatz (2% Harnstoff), Rechts vergleich mit einweichwasser aus meinem Weidenholzhäcksel (will ich nicht weiter drauf eingehen, war hald dabei)
Hier noch der Enoki mit 1 % Harnstoff (ich glaube er mag gar kein Stroh...)
20190218_215213.jpg
Zum Thema Harnstoff noch was wissenschaftliches:
https://www.researchgate.net/publicatio ... _FR_KUMMER

Ich hoffe, jemand spielt mit?! :)
malda
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Re: Unprofessionelle Spielereien mit Stickstoff-Quellen...

Beitrag von malda » Mittwoch, 20. Februar 2019 11:57

... da bin ich mal gespannt. Hab mir eine ältere Doktoarbeit zum Stoffwechel des Stockschwämmchen besorgt, in der festgestellt wurde, dass das Stockschwämmchen Harnstoff gar nicht gut verträgt (toxisch), Shitake dagegen soll mit Harnstoff ganz gut können. Mal schaun was Deine Pilze mit dem Harnstoff machen...
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Re: Unprofessionelle Spielereien mit Stickstoff-Quellen...

Beitrag von Lauscher » Donnerstag, 21. Februar 2019 11:05

Interessant, danke für testen und berichten!
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Re: Unprofessionelle Spielereien mit Stickstoff-Quellen...

Beitrag von mariapilz » Donnerstag, 21. Februar 2019 15:31

Monti... Du hast ein Händchen für die Pilzchen. :D

Sehr interessant deine Spielchen. Momentan kann ich nicht mitspielen... Der Tag hat nur 24 Stunden
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Re: Unprofessionelle Spielereien mit Stickstoff-Quellen...

Beitrag von malda » Donnerstag, 21. Februar 2019 18:36

achso, da fällt mir noch was ein, Harnsäure funktioniert wohl bei Stockschwämmchen und Shitake ... nur so als Anregung, falls der Harnstoff nicht hilft...
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Monti
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Re: Unprofessionelle Spielereien mit Stickstoff-Quellen...

Beitrag von Monti » Donnerstag, 21. Februar 2019 22:24

Danke malda, für die Info! Auster soll ja mit 1 % Harnstoff gute Erträge liefern, laut der Studie die ich oben verlinkt hatte. Allerdings hatten die Auch Zuckerrohr-Blätter verwendet. Ich denke, die bringen schon etwas Stickstoff mit. Und eine andere Struktur als Stroh oder Holz.
Harnstoff ist hald leicht zu bekommen. Harnsäure wohl eher nicht oder kann man die sich einfach irgendwie herstellen?

Ich habe auch ein chinesisches Patent gefunden, das ein Substrat für Enoki beschreibt, mit 2 bis 4 Teilen Harnstoff.
https://patents.google.com/patent/CN107382467A/en
Hatte aber noch keine Zeit mir es mal genauer anzusehen.
mariapilz hat geschrieben:Monti... Du hast ein Händchen für die Pilzchen. :D

Sehr interessant deine Spielchen. Momentan kann ich nicht mitspielen... Der Tag hat nur 24 Stunden
Danke für die Blumen, Maria! :)
Ja, von mir aus könnte der Tag manchmal auch etwas länger sein... :|

Der Beutel mit Hornspänen macht sich weiterhin sehr gut. 2% Harnstoff scheinen wirklich zu viel zu sein, die Auster kommt da nicht vom Fleck. Der Enoki wächst langsam aber er wächst. Ich denke aber auch, dass Stroh nicht seine Leibspeise ist. Wenn ich am WE Zeit finde, setzte ich noch was mit Buchensägemehl an....muss die restliche Brut verbrauchen.
Grün ist bisher auch noch nichts.
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Re: Unprofessionelle Spielereien mit Stickstoff-Quellen...

Beitrag von malda » Freitag, 22. Februar 2019 05:45

Wo man reine Harnsäure her bekommt kann ich dir nicht sagen, aber in jedem Vogelsch... liegt sie wohl ziemlich konzentriert vor... dann wird's aber eklig :oops:
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Re: Unprofessionelle Spielereien mit Stickstoff-Quellen...

Beitrag von Monti » Montag, 04. März 2019 21:26

So, auch hier mal aktualisieren...

Erst mal Bild:
20190304_203721.jpg
Von links nach rechts: Auster 2% Harnstoff, Enoki 1 % Harnstoff, Auster Einweichwasser der Weidenhäcksel, AUster Hornspäne.
Alles auf Strohpellets.

Die gute Nachricht: Es schimmelt (grün) nur bei dem Beutel mit Auster und Einweichwasser :D
die weniger gute: 2% Harnstoff scheint die Auster nicht zu mögen. Außerdem Mag der Enoki entweder kein Stroh oder keine 1% Harnstoff oder beides nicht...
Gut macht sich außerdem der Beutel mit Auster und Hornspänen. Hier auch kein Schimmel. Bin auf die Ausbeute gespannt...

Ich werde mir wieder Schafwollpellets bestellen. Die sind mit Kalk gebunden. Damit will ich mal probieren. Im trockenen zustand riechen die schon nach Ammoniak, für den Garten hatte ich sie schon mal. Vermutlich komme ich aber erst im nächsten Herbst/Winter dazu, die zu testen. Ich frage mich aber, ob die 5 % Kalium in irgendeiner Weise Probleme machen könnten...
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Re: Unprofessionelle Spielereien mit Stickstoff-Quellen...

Beitrag von Monti » Dienstag, 26. März 2019 14:03

So, Enoki und Auster mit Harnstoff ist entsorgt. Der Beutel mit Hornspänen ist daußen zum fruchten.

Schafwollpellets hab ich auch bestellt, beim Rötberghof.

Hab Shiithake mit Sägespänen (hauptsächlich Buche aber auch etwas Nadelholz) und Wollpellets angesetzt am 13. März:
750 g Späne
75 g Wollpellets (10 % N)
1365 g Wasser
8,5 g Gips
ca. 200 g Brut
Alles zusammengeschüttet, Wasser drauf, Vakuumiert (zum komprimieren) und ab in die Microwelle. So verteilt sich auch das Wasser gut beim erhitzten.
Nach dem Abkühlen einen Schlitz gemacht, Brut rein und mit Micropore verschlossen.

So sah er nach 10 Tagen am 23. aus:
IMG_00000016.jpg
Hier ist ein Wollpellet, das noch nicht durchwachsen ist. Der Shii hat da erst etwas langsam gemacht, wollte nicht so recht einwachsen. Um die Pellets hat sich das Mycel immer verdichtet.
IMG_00000017.jpg
Heute schaut es so aus:
20190326_093835.jpg
Und die Stelle die noch nicht durchwachsen war:
20190326_093845.jpg

Im Hintergrund ist ein Block den ich mit 127 g Kleie angesetzt und in der Microwelle bis zum Kochen erhitzt habe... Ich wollts hald ausprobieren :roll: Andere machen doch wohl auch Kleie und unsteril... Gut, noch mehr Brut könnte gehen?!
Dafür sieht er nur auf der Rückseite so schlimm aus, vorne gehts :P
IMG_00000018.jpg
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Re: Unprofessionelle Spielereien mit Stickstoff-Quellen...

Beitrag von Monti » Montag, 29. April 2019 21:06

Der vollständigkeit halber:
Ich habe noch einen Beutel mit Weidenhäckseln und Wollpellets angesetzt (mit Shiitake), der sehr schnell durchwachsen wurde und schnell Poppkorn bildet... er schneints zu mögen. Mal sehen ob und wie er fruchtet...
Hier ganz rechts:
20190426_213510.jpg
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