Kartoffelsaft für Flüssigkulturen, K-Saft-Agar anstatt PEA

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w_ciossek
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Kartoffelsaft für Flüssigkulturen, K-Saft-Agar anstatt PEA

Beitrag von w_ciossek » Sonntag, 03. Februar 2019 04:20

Da in meiner Gegend kaum Malzagar erhältlich ist und dieser über das Internet auch nicht besonders günstig ist, habe ich mir billigere Alternativen überlegt, welche dem Malzagar gleichkommen oder sogar übertreffen. Zuerst testete ich den Kartoffelagar. Er hat jedoch die Eigenschaft, trüb zu sein, weil die bei der Erhitzung aufgeplatzten Stärkekörnerreste noch vorhanden sind. Bei einer trüben Nährlösung kann man bakterielle Verunreinigungen schlechter feststellen. Ich suche also nach einer glasklaren Nährlösung, welche das Agar nicht eintrübt. Die Frage, ob Stärke einen Beitrag zum Mycelwachstum liefert, sehe ich kritisch, da die Stärke in Traubenzucker und Fruchtzucker durch Hydrolyse mit Hilfe von Amylase aufgespaltet werden kann. So hat man wieder Fruchtzucker und Traubenzucker, den man eigentlich in die Nährflüssigkeit explizit zuführen kann. Im Kartoffel-Glukose-Agar (PDA) hatte ich im Vergleich zu Malzagar ein nicht so gutes Mycelwachstum bei verschiedenen Pilzsorten.
Nun stellte ich Kartoffelsaft her. Man kann ihn durch Pürieren von geschälten Kartoffeln erhalten, welches man mit einen besonderen feinmaschigen Tuch auspreßt. Dabei erhellt man eine hellgelbe trübe Flüssigkeit, die unter Lufteinfluß infolge von Oxydation sich braun verfärbt. Die Stärke und anderen Kartoffelbestandteile bleiben als Rückstand im feinmaschigen Tuch zurück, was man als Kartoffelpuffer weiterverwenden kann. Eine andere Möglichkeit der Kartoffelsaftgewinnung ist ein Entsafter, der mit einer Zentrifuge arbeitet, jedoch muß auch hier der Saft von der Stärke befreit werden. Beim Erhitzen des Kartoffelsaft gerinnen langkettige Proteinmoleküle und beim erneutem Filtrieren durch ein sehr feinmaschiges Tuch erhält man eine glasklare farblose Flüssigkeit. Je nachdem, wie stark der Saft durch Oxydation vorher bräunlich wurde, kann der Saft auch bräunlich werden. Ich vermeide so gut es geht diese Oxydation mittels einer Kohlendioxyd-Schutzatmossphäre beim Pürieren und Filtrieren innerhalb einer Impfbox, wo ich das Kohlendioxyd mit Hilfe von Soda und Essigessenz herstelle.
Beim Autoklavieren des Safts nimmt etwas die Bräunung zu, sofern der glasklare farblose Kartoffelsaft der Luft ausgesetzt war. Dem farblosen glasklaren Kartoffelsaft mische ich vor dem Autoklavieren noch Traubenzucker, Fruchtzucker, und Haushaltzucker bei, so daß er einen leicht süßlichen Geschmack bekommt. Mit jenen Saft bereite ich Kartoffelsaftagar vor, oder Nährlösungen von Flüssigmycel. Diese Flüssigkeit schäumt sehr stark, was ein Hinweis ist, daß noch viele einfache Proteine vorhanden sind, wodurch man auf Pepton verzichten kann. Im Gegensatz zu PEA ist Kartoffelsaftagar sehr nährstoffreich, da auch der gesamte Zelleninhalt verflüssigt wurde. In diesen nährstoffreichen Lösungen ist sehr gutes Mycelwachstum zu beobachten, jedoch vermehren sich auch wesentlich schneller darin Bakterien und Hefen. Kontaminierte Behälter erkennt man dann wesentlich früher als bei Substraten auf Malz-Basis. Diese Eigenschaft mache ich mir bei der Reinherstellung von kontaminierten Mycelkulturen zu nutze.
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