Pilze nach Konti noch essbar?

Klonen, Sporenabdrücke, Beimpfen mit Sporen, Überimpfen, Selektieren

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Mycolist
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Pilze nach Konti noch essbar?

Beitrag von Mycolist » Donnerstag, 23. Mai 2019 21:48

Hallo zusammen,

ich lese schon eine Weile hier im Forum mit und habe eine Frage auf die ich bisher keine genaue Antwort gefunden habe.

Und zwar, ob ich mein gerettetes Myzel aus einer mit Bakterien und Hefen kontaminierten Petrischale noch für die Zucht von Speisepilzen verwenden kann.

Das Myzel wächst mittlerweile fröhlich und gesund in einer neuen Schale, ich frage mich aber, ob es durch den Kontakt mit den Kontaminationen "verunreinigt" wurde.

Speziell frage ich mich, ob Bakterien durch das Myzelgeflecht aufgenommen werden können und sich dann darin aufhalten?

Hat jemand schonmal mit ehemals kontaminiertem Myzel ein paar Fruchtkörper hochgezogen und diese dann ohne sie abzukochen gegessen? Gab es Magenprobleme, Übelkeit oder haben die Pilze danach eklig geschmeckt?

Vielen Dank für die Antworten. :)
ohkw
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Re: Pilze nach Konti noch essbar?

Beitrag von ohkw » Donnerstag, 23. Mai 2019 22:42

Wenn du keine sichtbare Konti hast, wird da normal auch nix sein. Waldpilze werden ja schließlich auch gegessen.
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GrafDracula
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Re: Pilze nach Konti noch essbar?

Beitrag von GrafDracula » Freitag, 24. Mai 2019 06:25

Ich würd sogar noch weiter gehen und behaupten, dass wenn es so wäre, dass Bakterien ständig in Hyphen eindringen und sich dann dort munter vermehren, es keine Pilze gäbe, die "steril" sind, wodurch auch ein Aufreißen von Pilzen zum Entnehmen eines Stückchens aus der Mitte zwecks Klonen keine isolierten Stämme hervorbringen würde. Generell würde die Arbeit auch in der Pharmabranche etc. schier unmöglich werden, da man kaum sterilen Hyphen bekäme.

Selbst in den Sporen, die bei manchen Arten z.B. 20µm groß sind, könnten sich unzählige Bakterien "verstecken", da die bis zu 0,1µm klein sind.

Wenn du aus einer kontaminierten Petri sauberes Myzel herausextrahiert hast und es so auch weiter unkontaminiert weiterwächst, herzlichen Glückwunsch, aber ich kann mir aus obigen Gründen kaum vorstellen, dass du da Bedenken haben müsstest.
Pilzzucht-DAU ... hat ganz viel Meinung bei wenig Ahnung :-)
Mycolist
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Re: Pilze nach Konti noch essbar?

Beitrag von Mycolist » Freitag, 24. Mai 2019 08:33

ohkw hat geschrieben:Wenn du keine sichtbare Konti hast, wird da normal auch nix sein. Waldpilze werden ja schließlich auch gegessen.
Waldpilze werden für gewöhnlich auch nicht roh gegessen.
GrafDracula hat geschrieben:Ich würd sogar noch weiter gehen und behaupten, dass wenn es so wäre, dass Bakterien ständig in Hyphen eindringen und sich dann dort munter vermehren, es keine Pilze gäbe, die "steril" sind, wodurch auch ein Aufreißen von Pilzen zum Entnehmen eines Stückchens aus der Mitte zwecks Klonen keine isolierten Stämme hervorbringen würde. Generell würde die Arbeit auch in der Pharmabranche etc. schier unmöglich werden, da man kaum sterilen Hyphen bekäme.
Finde die Ansicht gut, denke aber auch, dass gerade die Pharmabranche andere Möglichkeiten hat als ein Hobbymykologe (z.B. Behandlung der Petris mit Penicillin etc.).

Ich habe gelesen, dass Bakterien zwar nicht in die Hyphen selbst eindringen, sich das Myzelnetz aber durchaus von außen zunutze machen. Das wäre für mich in etwa gleich bedeutend, denn ich habe sie dann trotzdem im Essen..

(Quelle mit Video: https://www.laborpraxis.vogel.de/bakter ... -a-567986/)
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Re: Pilze nach Konti noch essbar?

Beitrag von Lauscher » Freitag, 24. Mai 2019 09:33

Kein Problem.

Es ist gängige Praxis, aus Wildsammlung Klone anzufertigen. Oft sind diese kontaminiert, und man überimpft so lange von sauberen Stellen auf neue Petris, bis man einen kontifreien Stamm hat.
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Re: Pilze nach Konti noch essbar?

Beitrag von ABMkoch » Freitag, 24. Mai 2019 20:26

Natürlich gibt es auch Bakterien, die Pilze intrazellulär parasitieren. Die meisten tun es aber nicht. Aber das stellt auch kaum ein Problem dar. Schließlich wachsen befallene Hyphen langsamer als gesunde. Man selektiert ja sowieso immer das am schnellsten wachsende Myzel (man sollte zum Beimpfen neuer Petrischalen immer aktiv wachsendes Myzel vom Rand der Kolonie verwenden).
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Re: Pilze nach Konti noch essbar?

Beitrag von mariapilz » Freitag, 24. Mai 2019 23:27

toller link Mycolist!
ABMkoch hat geschrieben:Natürlich gibt es auch Bakterien, die Pilze intrazellulär parasitieren. Die meisten tun es aber nicht.
oh oh. Der Koch ist ein Doktor. :D ich sage trotzdem Koch zu dir.
Welche Bakterien (-Gruppen)?
Ich dachte das Myzel "frisst" Bakterien.

edit: es steht am Anfang des videos: pseudomonas putida! ... pseudomonas tomasii löst die brown blotch Krankheit von u.a. Kräuterseitlingen aus. Wodurch unterscheiden sich die beiden?

Wenn ein Bakterium mit anderen Bakerien Gene austauschen können... Dann kommt ja immer etwas neues heraus. Also wie eine Paarung? Ich muss immer daran denken daß die Morchel-Typen Ower Mills einen "Zuchtraum/platz" schließen mussten wegen Bakterien. Wie kann denn sowas erfahrenen Mykologen passieren?.... Ausser sie hantieren damit?!?
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Re: Pilze nach Konti noch essbar?

Beitrag von ABMkoch » Samstag, 01. Juni 2019 08:59

mariapilz hat geschrieben:Welche Bakterien (-Gruppen)?
Ich dachte das Myzel "frisst" Bakterien.
Manchmal frisst das Mycel die Bakterien, manchmal die Bakterien die Pilze. Je nachdem, wer sich durchsetzt. Es ist unglaublich, was für Strategien da teilweise entwickelt werden :D Pilze bilden zum beispiel neben Antibiotika auch Proteine, die bestimmte Nährstoffe binden sollen und so das Bakterienwachstum hemmen sollen.
mariapilz hat geschrieben: Wenn ein Bakterium mit anderen Bakerien Gene austauschen können... Dann kommt ja immer etwas neues heraus. Also wie eine Paarung?
Nicht direkt wie bei eine Paarung. Bei bem sog. horizontalen Gentransfer, bei welchen die Bakterien Gene austauschen, werden Plasmide ausgetauscht. Plasmide sind kleine runde Genabschnitte, welche nur für einige wenige Proteine kodieren. Wenn ein Bakterie ein solches Plasmid erhält ist das wie ein Upgrade, mit dem er eine neue Fähigkeit bekommt. Beispielweise ein neues Toxin zu produzieren, ein Protein zu produzieren, welches ein bestimmtes Antibiotikum zersetzen (einer der Gründe, warum sich Antibiotikaresistenzen ausbreiten) oder vieles mehr.
mariapilz hat geschrieben: Ich muss immer daran denken daß die Morchel-Typen Ower Mills einen "Zuchtraum/platz" schließen mussten wegen Bakterien. Wie kann denn sowas erfahrenen Mykologen passieren?.... Ausser sie hantieren damit?!?
Manchmal ist der Zufall grausam und genau zum unrichtigen Zeitpunkt landet eine Bakterie in so einem Betrieb und findet gute Bedingungen. Es ist nicht grundlos, warum in professionellen Pilzzuchtbetrieben ein wahnsinns Aufwand getrieben wird alles sauber und so steril wie möglich zu halten. Da sind aber nicht nur Bakterien ein Problem, sondern auch Viren. Noch schwieriger wird es, wenn Insekten auftauchen. Die verbreiten dann die ganzen Krankheitserreger.
mariapilz hat geschrieben:toller link Mycolist!
ABMkoch hat geschrieben:Natürlich gibt es auch Bakterien, die Pilze intrazellulär parasitieren. Die meisten tun es aber nicht.
oh oh. Der Koch ist ein Doktor. :D ich sage trotzdem Koch zu dir.
Arzt, aber bisher kein Doktor. :D
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mariapilz
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Re: Pilze nach Konti noch essbar?

Beitrag von mariapilz » Dienstag, 04. Juni 2019 09:03

ABMkoch hat geschrieben:Manchmal frisst das Mycel die Bakterien, manchmal die Bakterien die Pilze.
na klar. Sonst wärs viel zu einfach
ABMkoch hat geschrieben:Es ist unglaublich, was für Strategien da teilweise entwickelt werden :D Pilze bilden zum beispiel neben Antibiotika auch Proteine, die bestimmte Nährstoffe binden sollen und so das Bakterienwachstum hemmen sollen.
sichtbar als Metaboliten/Myzelpipi?
ABMkoch hat geschrieben:. Da sind aber nicht nur Bakterien ein Problem, sondern auch Viren. Noch schwieriger wird es, wenn Insekten auftauchen. Die verbreiten dann die ganzen Krankheitserreger.
ok. Vieren hoffe ich durch regelmäßige Erneuerung der Brut nicht einzuschleusen. Und Mücken oder sonstiges Getier hab ich keine.
anton
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Re: Pilze nach Konti noch essbar?

Beitrag von anton » Dienstag, 18. Juni 2019 09:31

Mycolist hat geschrieben: Finde die Ansicht gut, denke aber auch, dass gerade die Pharmabranche andere Möglichkeiten hat als ein Hobbymykologe (z.B. Behandlung der Petris mit Penicillin etc.).
Penicillin allein ist gar nicht gut geeignet, besser geht Gentamicin als Solo Antibiotika, dass noch dazu recht ungefährlich ist, leicht zu bekommen(Apotheke als augentropfen), und Autoklavierstabil ist. hab ich in meinen MEA Stammkulturen drin. von den Augentropfen 1ml auf 100ml Nährboden
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