Pferdemist und Pilzkultur

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Re: Pferdemist und Pilzkultur

Beitrag von Mycomane » Sonntag, 09. Mai 2021 21:11

Wenn du "richtigen" Kalk also Calziumcarbonat oder gemischt mit Magnesiumcarbonat wie im "Gartenkalk" nimmst, kann eigentlich zumindest nicht überdosiert werden. Der pH steigt dann maximal etwas über pH 7 an , zumindest nicht zu hoch für den Pilz.
Genaueres was die notwendige Menge angeht kann dir Carsten bestimmt noch sagen.
Wenn du dagegen (z.B. zum Anrühren von Zement etc.) "gelöschten" Kalk, also Calziumhydroxid oder sogar "gebrannten" Kalk, also Calziumoxid nimmst musst du sehr vorsichtig sein, was die Menge angeht. Und ebenso besser etwas vorsichtig sein, was deine Haut und besonders die Augen angeht. Handschuhe können nicht schaden, weil das Zeug schon recht ätzend ist.
Bei längerem Hautkontakt merkt man es auf jeden Fall.
In den Augen kommt es gar nicht gut.
Im Labor müßtest du eine Schutzbrille tragen, wenn du damit umgehst, auch, wenn die Leute vom Bau vielleicht lachen und sagen:
"Halb so schlimm!"
Hornhaut an den Fingern wächst nach, aber Augenlicht hat man maximal 1x pro Auge.
Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, hat Maria mal etwas mit gelöschtem oder gebranntem Kalk zum "entkeimen" von Substrat gemacht.
Das muss dann aber erstmal eine Zeit lang stehen, bis es genug CO2 gebunden hat, und die Sache dabei neutralisiert.

LG, Fabian
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Re: Pferdemist und Pilzkultur

Beitrag von Mycelio » Sonntag, 09. Mai 2021 23:45

Leider weiß ich kein korrektes Mischungsverhältnis.
Früher habe ich immer Eierschalen gesammelt, im Mörser zerrieben und planlos mit alter Erde gemischt. Torf wollte ich aus ökologischen Gründen nicht kaufen.
Gartenkalk macht weniger Arbeit, sollte aber nur wenig Magnesium enthalten, sonst erntet man weniger. Den habe ich inzwischen auch hier rumstehen, aber bisher nicht getestet.
Bei Stamets im Mushroom Cultivator steht was von 4 Teilen Torf, 1 Teil Kalkpulver und 1/2 Teil gröbere Kalkbrösel. Scheinbar nach Volumen... als ob Torf immer gleich dicht wäre...
Dietmar, wenn du ein sinnvolleres Rezept mit Gewichtsangaben findest, poste es doch bitte hier.
LG
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Re: Pferdemist und Pilzkultur

Beitrag von Mycomane » Montag, 10. Mai 2021 21:15

Kann auch mal in meinem "Erwerbsgärtner" Buch nachschauen.
Da steht eine Menge zu Champignions und Substratmischungen.
Vielleicht findet sich dort auch etwas zur Deckerde.

LG, Fabian
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Re: Pferdemist und Pilzkultur

Beitrag von Mycelio » Samstag, 17. Juli 2021 11:14

(Weitergeführt aus "Tricks zum Umgang mit wilden Champignons".)
malda hat geschrieben: Samstag, 17. Juli 2021 07:03 ... Aber einen Champignon kultivieren, das werde ich auch mal machen - zumal mir da einiges unklar ist. Aber da ist dann wieder das Substrat Problem. Kompostierter Pferdemist scheint mir eine ganz eigene "Wissenschaft" zu sein und da hab ich etwas Respekt vor.
Vielleicht siehst du das zu kompliziert. Das Substrat muss ja nicht unbedingt optimal kompostiert sein. Du hast doch diesen Pferdemisthaufen gleich um die Ecke. Da muss es doch Bereiche geben, in denen das Material einen günstigen Zustand angenommen hat, d.h. nicht ganz an der Oberfläche liegt, ein paar Wochen dort ist und sich zumindest ein wenig erhitzen konnte.
Wie war das nochmal mit Einstreu? Ist da Stroh oder etwas anderes dabei?
Vielleicht kannst du den Haufen ja mal knipsen, wenn du wieder dort bist.
LG
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Re: Pferdemist und Pilzkultur

Beitrag von malda » Samstag, 17. Juli 2021 19:46

Mycelio hat geschrieben: Samstag, 17. Juli 2021 11:14 Vielleicht siehst du das zu kompliziert. Das Substrat muss ja nicht unbedingt optimal kompostiert sein.
Vielleicht. Nur kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß in meinem (Pferdemist) Kompost was wachsen kann - insbesondere ohne weitere Vorbehandlung. Aber vielleicht sollte ich es einfach mal versuchen...
Ich mach mal bei Gelegenheit Fotos.
VG
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Re: Pferdemist und Pilzkultur

Beitrag von Mycelio » Freitag, 30. Juli 2021 21:16

Hey Dietmar,
leider haben sich meine 25kg Baumarkt-Pellets aus angeblich kompostiertem Bio-Pferdemist als nutzloser Kuhdung entpuppt, also habe ich mich nochmal ein wenig umgeschaut und folgendes entdeckt:

Erstmal das hier, übliche Rezeptur, aber kleine Ansätze und ungewöhnliche Methoden:
"Champignon-Substrat in kleinen Mengen selber herstellen"
https://www.pilzzuchtblog.com/champigno ... erstellen/
Ein paar Details sind seltsam. Bei der ersten Variante würde ich unten und oben für Belüftung sorgen und nicht stark zusammenpressen, aber jetzt im Sommer sollte das im Prinzip funktionieren. Dauert bloß länger.
Bei der zweiten habe ich arge Zweifel. Anaerob fermentiertes Stroh schützt den stickstoffreichen Rest nicht wirklich vor Kontis. Und wenn alles aus der Mikrowelle kommt, müssen bloß irgendwelche Kontis ein wenig Ammoniak aus dem Hühnermist freisetzen (wenn das nicht sowieso von selbst geschieht) und das Champignonmyzel hat verloren.

Dann noch viel einfacher, ebenfalls mit kleinen Ansätzen in einem Schoftintling-Growlog von Gerhard (Sporulator) auf Shroomery.
https://www.shroomery.org/forums/showfl ... r/26308993
Da ich befürchte, dass man dort eingeloggt sein muss, um den Thread lesen zu können, zitiere ich mal daraus die betreffenden Infos:
Sporulator hat geschrieben:I get my manure from a nearby horse farm and let it sit in a black plastic bag für 3-4 weeks at room temperature. From time to time I shake and turn the bag. This works fine for me.
Fergent hat geschrieben: do you add straw as well? or just the manure.
Sporulator hat geschrieben: No straw. Composted horse manure and CaCO3.
Also bloß Pferdeäpfel und Kalk im schwarzen Müllbeutel. Solange die Sonne noch kräftig scheint, könnten hohe Temperaturen Konkurrenzpilze abtöten und den Vorgang evtl. beschleunigen. Das Resultat kann man ja für späteren Bedarf trocknen.

Wobei ich ja immer noch vermute, dass du es mit älterem Material von diesem Misthaufen einfacher haben könntest, als mit dem, was gerade frisch dazu kam. Aber wer weiß, vielleicht stelle ich mir das auch ganz falsch vor.
LG
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Re: Pferdemist und Pilzkultur

Beitrag von malda » Montag, 13. September 2021 17:03

Ich war am WE nicht da und staunte jetzt als ich wieder Zuhause war nicht schlecht was sich so im Fruchtungsschrank getan hat. Zum einen sind KS wieder "geschossen" -> die letzten Tage der Fruchtung legen die noch mal richtig an Masse zu :D Interessant daran ist, dass die Kulturen relativ alt waren. Ich werde vielleicht mal testen wie lange ich durchwachsene Kulturen lagern kann und sie immer noch vernünftig Ertrag bringen.
kuehl.jpg
Aber was noch schöner und überraschender war/ist etwas anderes. Ich habe seit geraumer Zeit den Supermarkt Champignon und Montis Büschelrasling im Fruchtungsschrank.
Während sich der Champignon nicht rührt und weiterhin tot stellt tut sich was beim Büschlrasling :D
bueschel.jpg
Ende Mai/Anfang Juni habe ich versucht durch eine ca 2 cm dicke Torf Deckschicht das Fruchten einzuleiten. Ziemlich erfolglos, denn die Kultur stand seitdem zusammen mit einigen Glucken Ansätzen bei 20° und hoher Luftfeuchtigkeit im Fruchtungsschrank (ohne dass irgendwas passierte). Ich war eigentlich schon kurz davor das Glas zu entsorgen, da es aber nicht gestört hat und ausreichend Platz im Schrank zur Verfügung steht durfte es bleiben. Nun habe ich Ende August die Temperatur für den KS (siehe oben) abgesenkt auf ca 15°C und siehe da, was kommt da aus der Erde - Pilzchen! Nun bin ich echt mal gespannt wie die sich weiter entwickeln und mit meinen Bedingungen im Fruchtungsschrank zurecht kommen... :?:
VG Dietmar
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Re: Pferdemist und Pilzkultur

Beitrag von Mycelio » Samstag, 18. September 2021 22:42

:D Heyhey Dietmar, das ist ja mal ne Überraschung. Somit wäre die Fruchtungstemperatur dieses Stammes schonmal geklärt und ich bin gespannt, wie es weiter geht. Es wäre allerdings schön, weiteres in einem gesonderten Büschelraslings-Thread zu besprechen. Mit der Art wollte ich den Winter über auch ein wenig experimentieren.
LG
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