Mykologische Frage zu "Pilzsorten/Stämmen"

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malda
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Mykologische Frage zu "Pilzsorten/Stämmen"

Beitrag von malda » Mittwoch, 21. August 2019 07:42

Ich stelle heute mal eine mykologische Grundfrage, die mich schon das ein oder andere mal beschäftigt hat und die ich an dem Bild ganz gut erläutern kann. Bei dem Buchenstämmchen sieht man ganz schön wie das Wachstum aus den Dübeln heraus durch das Holz stattgefunden hat und Mycel an der Stirnseite austritt. Noch sind die vier Mycelflecken (von 4 Dübeln) voneinander getrennt, aber spätestens, wenn das Holz mal in Erde steckt werden die sich vermutlich vereinigen und und einen einzigen Pilz bilden.
Und genau hier kommen mir verschiedene Fragen, auf die ich keine Antwort weiss:
Beim Stockschwämmchen wird innerehalb der Art von Sorten/Stämmen gesprochen (zumindest in älteren Veröffentlichungen) und diesen Sorten/Stämmen werden auch gewisse Charaktereigenschaften nachgesagt (u.a Form und Größe des Fruchtkörpers, Zeitpunkt des Fruchtes). Was wäre nun, wenn ich das Baumstämmchen mit 4 verschiedenen Sorten/Stämmen eines Pilzes beimpft hätte? Bilden die dann auch einen einzigen Pilz? Wenn ja, welche Eigenschaften hat dieses neue "Gesamtkonstrukt"? => ganz neue?
Sind Pilze in der Natur vielleicht immer ein "Fusions-Gemisch" mehrerer/vieler unterschiedlicher dikaryotischer Mycelien?
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IMG_20190821_073020.jpg
ABMkoch
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Re: Mykologische Frage zu "Pilzsorten/Stämmen"

Beitrag von ABMkoch » Mittwoch, 21. August 2019 08:57

malda hat geschrieben:
Mittwoch, 21. August 2019 07:42
Bilden die dann auch einen einzigen Pilz? Sind Pilze in der Natur vielleicht immer ein "Fusions-Gemisch" mehrerer/vieler unterschiedlicher dikaryotischer Mycelien?
Leider nein und nein. Zumindest was die üblichen Pilze betrifft. Dikaryote Myzelien kreuzen sich nicht untereinander. Allerdings monokaryote Myzelien untereinander oder monokaryotes mit dikaryotem Myzel.
ohkw
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Re: Mykologische Frage zu "Pilzsorten/Stämmen"

Beitrag von ohkw » Mittwoch, 21. August 2019 16:57

Wenn unterschiedliche "Individuen" aufeinandertreffen, sieht man meist sowas wie eine Abgrenzung. Soll heißen die verbinden sich nicht.
Mating findet, wie ABMKoch schon angedeutet hat, bei monokaryoten/haploiden Myzelien statt, und auch nur dann wenn die Mating-Types zusammen passen.
Ich vermute mal dass es bei den Pilzen eine Entsprechung zum humanen Major Histocompatibility Complex geben wird, wodurch sie eigenes Myzel von fremdem unterscheiden könne. K.a. ob dazu schon bekannt ist, wie das funktioniert. Habe jetzt auf die schnelle nix gefunden.

Edit:
Hab doch was gefunden:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2988816/
malda
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Re: Mykologische Frage zu "Pilzsorten/Stämmen"

Beitrag von malda » Mittwoch, 21. August 2019 21:14

Danke und Danke und schade eigentlich. Eure Antworten waren ja eigentlich abzusehen, wenn ich länger drüber nachdenke,... wenn Pilze schon bei der Bildung des Dikaryons beliebig komplex sein können, dann fusionieren diese auch nicht x-beliebig... :roll:
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