Shiitake auf Stroh/Nadelholz

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Mycelio
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Shiitake auf Stroh/Nadelholz

Beitrag von Mycelio » Dienstag, 17. August 2010 23:54

Hallo zusammen,

will mal von meinen aktuellen Shiitake-Experimenten berichten. Dabei ging es einmal darum, ob ich den Shii auf die gleiche unsterile Weise züchten kann, wie Austern und zum anderen wollte ich wissen, ob er auf einem Gemisch aus Nadelholz und Stroh einigermaßen fruchtet und welche Zusätze sich eignen.

Zum Einsatz kamen zwei Shiitaktstämme, einer von Fritz und der andere von Daniel. Von beiden hatte ich zuerst Körnerbrut angesetzt, was aber beim ersten gar nicht so einfach war, da unterwegs Schimmel in die Spritze geraten war. Nunja, mit viel Glück konnte ich sauberes Mycel isolieren, war mir aber lange Zeit nicht sicher, was ich da pflegte, da das Mycel ungewöhnlich langsam und dünn wuchs und auch ein wenig graubraun aussah. Eigentlich hatte ich es schon zur Entsorgung aussortiert, aber da es nicht bunter wurde, versuchte ich es doch mal.
Dazu gab ich jeweils ca. 250ml Brut in einen meiner selbstgebastelten Filterbeutel, zerbröselte sie und mischte mit der gleichen Menge frischem Substrat. Sobald dieses durchwachsen war, wurde wieder zerbröselt und 1:1 gemischt. Später teilte ich auch mal das zerbröselte Substrat auf zwei Beutel auf, usw.
Am Anfang brauchten beide Shiis ein paar Tage, um sich an die neue Nahrung zu gewöhnen, danach wuchsen die Mycelien recht schnell, so daß ich alle vier oder fünf Tage das Mycel nachfüttern konnte.

Nun zum Substrat, es bestand aus 40% Nadelholzbriketts, 40% Strohpellets und 20% Zusätzen. Von letzteren wurden z.B. 100g in einem Liter Wasser eingeweicht, kurz aufgekocht, jeweils 200g Holz und Stroh zugegeben und alles bedeckt abkühlen lassen. Später wurden noch 3 Eßlöffel Olivenöl und 3 Teelöffel Gips untergerührt.
Die Zusätze bestanden zur Hälfte aus Kaffeesatz, der Rest aus wechselnden Anteile an Luzerne, geschälter Hirse und Kleie. Kaffeesatz, Luzerne und Hirse waren unproblematisch, eine Fütterung mit 10% Kleie führte leider zu grünen Schimmelausbrüchen, wonach ich ein paar Beutel entsorgen mußte und die anderen lieber nicht mehr weiterfütterte. Einer hatte bloß ein paar grüne Punkte, welche sich aber nicht ausbreiteten.

Die verbleibenden Beutel ließ ich dann im Regal stehen und vor sich hin bräunen. Irgendwann lockerte ich noch die Folie an den Seiten, die sonst weiß geblieben wären. Gekühlt oder getaucht wurde nicht, denn ich wollte abwarten, bis die Blöcke von selbst fruchten, was dann auch passierte, woraufhin ich die Beutel komplett öffnete und die Beutel ins Gewächshaus stellte, bei ca. 60 bis 70% Luftfeuchtigkeit. Der Shii von Fritz war noch nicht richtig braun, als er nach zwei Monaten anfing, an den Seiten zu fruchten. Er brachte viele kleine, helle Pilze hervor, von denen einige seitwärts oder nach unten wuchsen, ein paar andere waren miteinander verwachsen. Der von Daniel brauchte drei Monate und war an den Seiten komplett braun, danach fruchtete er leider an der noch weißen Unterseite, weswegen ich ihn auf den Kopf stellen und abstützen mußte. Die Pilze waren zwar weniger, dafür aber größer und dunkler. Mißbildungen kamen fast gar nicht vor und die Erntemenge war höher.

Der Ertrag der ersten Welle war insgesamt besser als erwartet, die von Fritz brachten ca. 68%BE, der von Daniel sogar ca. 93%BE, obwohl er die wenigste Kleie abbekommen hatte.

Geschmacklich waren die von Fritz prima, mit deutlichem, knoblauchähnlichem Aroma. Die anderen hatten einen etwas schwächeren Geruch und wurden noch nicht verspeist, sondern erstmal getrocknet, da ich an dem Tag schon Lungenseitlinge zum Frühstück und Flamingos als Abendessen hatte.

Hier noch die Fotos:
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Gruß, Carsten
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