Rechtliches zu Pilzstämmen/strains

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malda
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Rechtliches zu Pilzstämmen/strains

Beitrag von malda » Sonntag, 10. April 2022 18:05

Das Thema finde ich sehr interessant und ich hab mal etwas recherchiert. Das Thema wurde ja hier schon etwas angesprochen https://www.kulturpilz.de/viewtopic.php?t=5051&start=15, aber da das Thema dieses Threads eigentlich zu was ganz anderem geht hab ich hier mal was neues aufgemacht. Meine "Fundstücke" will ich gerne teilen. Ich bin aber sicher kein Experte diesbezüglich und sollte jemand mehr /anderes wissen würde ich mich freuen, wenn hier ergänzt und verbessert wird.

Die Frage ist: kann man Pilzstämme schützen? Wenn ja, welche und wie geht das? Welche Vorraussetzungen müssen erfüllt sein? Kostet das was? Was darf man, was darf man nicht mit geschützten Stämmen? Usw.

Patente
Ich bin der festen Überzeugung, dass man in unseren Gefilden keine Patente auf Pilze an sich bekommen kann. Ausnahmen sind hier gentechnisch modifizierte Organismen, die für unsereins aber keine Rolle spielen. Auch sind Verfahren mit Pilzen durchaus patentierbar, aber eben nicht der Pilz an sich. Das scheint auch für Pilze zu gelten, die durch klassische Zucht gewonnen werden.
Fundstücke dazu:
https://www.dpma.de/patente/patentschut ... index.html
Das trifft für Deutschland bzw. Europa zu. In den USA scheinen Patente aber mehr zu können.

Sortenschutz
Nichtsdestotrotz scheint man auch bei uns gezüchtete Pilze schützen zu können.
Der SPOPPO beispielsweise - eine sporenlose/ sporenarme Auster - ist laut Angabe von Sylvain geschützt durch "CPV Rights".
CPV Rights steht für Community Plant Variety Rights -> das ist ein einheitliches Sortenschutzrecht gültig im gesamten europäischen Raum, welches scheinbar also der Rechtsschutz für gezüchtete Pilzstämme zu sein scheint!!!
https://ec.europa.eu/food/plants/plant- ... -rights_de
Basis hierfür ist Verordnung 2100/94, die man hier finden kann:
https://wipolex.wipo.int/en/legislation/details/10906
Besonders hilfreich finde ich das Dokument "Informationen für den Antragsteller" das man hier finden kann:
https://cpvo.europa.eu/en/applications- ... pplication
Es erläutert was so relevant ist für Antragsteller und man kann auch erkennen wie teuer so etwas wird.
Und hier kann man recherchieren welche Stämme geschützt sind:
https://online.plantvarieties.eu/publicSearch
Da findet man dann auch den SPOPPO
Das ist also die europäische Ebene...

Den Shiitake 75 findet man hier nicht, aber es gibt natürlich noch die nationale Ebene, sprich Schutzrechte in einzelne Länder...
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Re: Rechtliches zu Pilzstämmen/strains

Beitrag von ohkw » Donnerstag, 14. April 2022 15:58

Das Patentrecht ist im Vergleich zum Copyright (Urheberrecht) ohnehin extrem schwach. Patent gilt nur im kommerziellen Bereich, muss angemeldet und verlängert werden, ist im Geltungsbereich eingeschränkt. Patent innerhalb eines Landes ist noch einigermaßen leistbar, EU-Patent, US Patent und weltweite Anmeldung sind eine ganz andere Liga. Zudem kann es angefochten werden und kleine Fehler können reichen, dass das Erfolg hat. Dann ist außer viel Spesen nix gewesen. Eines der wichtigsten Kriterien ist, dass das zu schützende Intellectual Property VOR der Patentanmeldung nicht öffentlich bekannt sein darf. D.h. ein Pilzstamm der vor der Anmeldung existiert hat, kann überhaupt nur dann geschützt werden wenn er vorher niemanden bekannt war. Ein einziger Nachweis der vor der Anmeldung datiert ist, und das Patent ist ungültig.

Urheberrecht gilt automatisch, weltweit, kostenlos. Was technische oder wissenschaftliche Errungenschaften so viel weniger schützenswert macht wie irgendeine Singerei, Geschreibsel, Grafik etc. ist mir schleierhaft. Letzteres kostet den Steuerzahler immense Summen, weil permanent irgendwelche Copyright Infringements von den Gerichten zu bearbeiten sind. Da sieht man was diverse Verlage und Medien für eine starke Lobby haben.

Egal, worauf ich hinaus will ist, dass Patente auf Pilzstämme für den privaten Züchter vollkommen unerheblich sind. Im kommerziellen Fall muss man sich halt schlau machen ob das entsprechende Patent in Österreich/Deutschland überhaupt gilt bzw. angemeldet ist. Anders sieht es mit Trademarks aus, oder eben diesen Sortenschutz recht. Da darfst du die Pilze nur nicht unter dem Namen verkaufen. White Elf oder was weiß ich wie die bei den Zuchtpilzen heißen.
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Re: Rechtliches zu Pilzstämmen/strains

Beitrag von Mycelio » Sonntag, 17. April 2022 17:56

Hallo ihr beiden,

ich hatte da auch mal recherchiert.
Vor zehn Jahren...
Als es aber damals hier im Forum hoch her ging, hatte ich ganz vergessen, es öffentlich zu posten. :oops:

Seit 1980 die 'Budapest Treaty' in Kraft getreten ist, können u.a. züchterisch oder Labortechnisch bearbeitete Pilzstämme international geschützt und patentiert werden, was die großen Bruthersteller wohl auch fleißig nutzen. Gerichtsverfahren gegen kleinere Brutverkäufer scheint es ab und an zu geben, zu Klagen gegen Privatpersonen habe ich nichts gefunden, aber auch nicht lange gesucht.

Soweit meine zehn Jahre alte Notiz.
Es kann also definitiv keine Art geschützt werden, nur ein Stamm bzw. Strain oder eine Sorte, sofern sie gegenüber dem Ausgangsmaterial verändert wurde.
Weltweit.

Der Shiitake 75... der ist doch von Aloha Medicinals aus den USA. Von denen wird beim Kauf eines Pilzstammes für den kommerziellen Einsatz meist die DNA-Sequenz mitgeliefert. Ob das zur Diebstahlerkennung ist oder ob man sich den Stamm selbst lokal schützen lassen muss, kann ich aber nicht sagen.

LG, Carsten
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Re: Rechtliches zu Pilzstämmen/strains

Beitrag von Hobby Züchter » Sonntag, 17. April 2022 20:06

Hi Mycelio, den Shii 75 haben die Glückspilze gekauft so ist meine Info.
Solange man diverse Sorten als privat Person hat ist es denen wahrscheinlich auch egal.
Biete doch mal eine von den 3 Sporenlosen Austern bei E... an, mal schauen wie lange es dauert.
Ach wenn du keine hast ist nicht schlimm, ich habe auch keine :lol:
Ob z.B. die Black Pearl einen solchen Schutz hat weiß ich nicht hoffe aber in nächster Zeit zu erfahren was bei der wirklich dahinter steckt .
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Re: Rechtliches zu Pilzstämmen/strains

Beitrag von malda » Montag, 18. April 2022 10:00

Mycelio hat geschrieben: Sonntag, 17. April 2022 17:56 ich hatte da auch mal recherchiert.
Vor zehn Jahren...
Als es aber damals hier im Forum hoch her ging, hatte ich ganz vergessen, es öffentlich zu posten. :oops:
Hi Carsten,
was/warum ging's denn hoch her? Doch sicher nicht wegen dieses Themas hier? Bin halt neugierig... :shock:
Mycelio hat geschrieben: Sonntag, 17. April 2022 17:56 Seit 1980 die 'Budapest Treaty' in Kraft getreten ist, können u.a. züchterisch oder Labortechnisch bearbeitete Pilzstämme international geschützt und patentiert werden, was die großen Bruthersteller wohl auch fleißig nutzen.
Sehr gut .... 'Budapest Treaty' wieder ein Stichwort zum weiter nachforschen.... :D
VG Dietmar
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